CETA: Neue Studie erwartet Jobverluste

CETA – das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Kanada – bringt uns mehr Jobs, Wachstum, Wohlstand – so verkünden es unisono der BDI (Bundesverband der deutschen Industrie), Sigmar Gabriel, Kanzlerin Merkel und die EU-Kommission. Eine neue Studie der angesehenen Tufts University (Boston, USA) bringt diese Erzählung ins Wanken. Insbesondere Gewerkschafter sollten sich diese Ergebnisse ansehen:   Wachstumswunder…

von  Jörg Haas 9 Kommentare
CETA – das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Kanada – bringt uns mehr Jobs, Wachstum, Wohlstand – so verkünden es unisono der BDI (Bundesverband der deutschen Industrie), Sigmar Gabriel, Kanzlerin Merkel und die EU-Kommission. Eine neue Studie der angesehenen Tufts University (Boston, USA) bringt diese Erzählung ins Wanken. Insbesondere Gewerkschafter sollten sich diese Ergebnisse ansehen:

CETA bringt Jobverluste und Ungleichheit

 

Wachstumswunder – auf ganz dünnem Eis

Die gängige Erzählung vom Jobwunder durch steigende Exporte als Folge von CETA hat ihre Basis in vier volkswirtschaftlichen Modellrechnungen, die von der Regierung Kanadas oder der EU Kommission in Auftrag gegeben wurden. Doch all die vier Studien basieren auf einem einzigen Simulationsmodell – und das hat ausgesprochen unrealistische Annahmen: es herrscht immer Vollbeschäftigung – und es gibt keine Auswirkungen des Freihandels auf die Einkommensverteilung. In der Modellwelt gibt es keine Arbeitslose – die hat man einfach wegdefiniert.

Auf der Grundlage dieses Modells kommen dann die verschiedenen Studien zu einmaligen Wachstumseffekten durch CETA von 0,003% bis 0,08% des europäischen Bruttoinlandsprodukts – und diese Effekte werden dann auch noch über viele Jahre verteilt. Wir reden also von Bruchteilen von Promille an Wachstum – und die höchsten Werte auch nur unter der Annahme extrem umfassender Liberalisierung. Nicht gerade berauschend.

Eine alternatives Modell – und gänzlich andere Ergebnisse

Die Forscher der Tufts University arbeiten mit einem anderen Simulationsmodell, das – realistischer – auch Arbeitslosigkeit, Veränderungen in der Einkommensverteilung zwischen Arbeit und Kapital und anderes abbildet. Ihre Ergebnisse weisen in eine gänzlich gegenteilige Richtung:

  • Die Löhne sind mit CETA geringer als ohne CETA
  • Die Beschäftigung nimmt ab
  • Damit sinkt der Anteil von Einkommen aus Arbeit am Bruttoinlandsprodukt – während der Anteil der Einkommen aus Kapitalgewinnen steigt. Die Ungleichheit steigt…
  • und die Einnahmen der Staaten sinken.

Auch hier sind die Effekte quantitativ nicht sehr groß, wenn man sie auf die Größe der EU oder Deutschlands bezieht. Aber die Richtung ist genau das Gegenteil dessen, was uns immer versprochen wird. Was einen zumindest sehr misstrauisch gegenüber den Wachstumsversprechen von BDI & Co. machen sollte. Warum CETA dann ein „Modellabkommen“ sein soll, das weiß nur Sigmar Gabriel.

9 Kommentare

  • Habs gesehen. Ist weiss auf Schwarz und eben gerade nicht als Link im Text :-/

  • Den Kommentar vom Wolfang Domeier kann ich voll unterschreiben. Wir leben jetzt in einer Zeit wo man Informationen per Internet und Co abrufen kann, ob diese alle der objektiven Wahrheit entsprechen sei dahin gestellt. Auch die Bildung hat sich nicht verbessert, im Gegenteil sie wird immer schlechter.
    Und nun zum diesem Beitrag, das mit den Gewerkschaften ist so eine Sache, die haben meinerseits den Zug schon längst verpasst, aber wie sagt auch der Volksmund – die Hoffnung stirbt zuletzt.
    Wollen wir mal den Parteitag der SPD abwarten was da für ein Ergebnis präsentiert wird.

  • von Jonny

    Lieber Jörg,
    Sei doch so nett und ergänze deine Quellen.
    Vielen Dank.

  • Wenn uns versprochen wird, dass es „allen“ besser gehen wird, dann sind niemals „wir“ gemeint, sondern nur diejenigen, die schon immer gerissen und skrupellos genug waren, sich selbst die Taschen auf Kosten der Allgemeinheit zu füllen.
    Kurios daran ist nur, dass die meisten Menschen daran glauben, dass dies eine Art „göttliche Ordnung“ sei und notwendig zum Fortbestehen der Welt. Dabei sagte doch schon der Volksmund im Mittelalter: „Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen.“
    Wer glaubt eigentlich im Ernst daran, dass die Menschen im Laufe der Jahrhunderte immer klüger geworden seien?

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Veröffentlicht von Jörg Haas

Jörg Haas, Jahrgang 1961, ist Campaigner bei Campact. Nach einem Berufseinstieg in die Entwicklungszusammenarbeit in einem Regenwaldprojekt in Ecuador war er lange Jahre als Ökologiereferent für die Heinrich-Böll-Stiftung tätig. 2008 wechselte er als Programmdirektor zur European Climate Foundation. Intensives Engagement in den UN-Klimaverhandlungen in Kopenhagen. Ohne öffentliche Mobilisierung fehlt jedoch der Handlungsdruck - daher der Wechsel zu Campact, zuerst als Pressesprecher, nun als Campaigner.