· von
mal gelesen · 8 Kommentare · Artikel kommentieren

Diese Frau will den Hambacher Wald retten – und legt sich mit RWE an

Unerträglicher Lärm. Staub, der sich wie ein schweres Tuch über alles legt. Noch schützt der Hambacher Forst das kleine Dorf Buir vor den riesigen Braunkohlebaggern des Tagebau Hambach. Doch wenn RWE den Wald weiter abholzt, steht das nordrhein-westfälische Buir bald am Abgrund. Antje Grothus will das verhindern – wie Du sie dabei unterstützen kannst, erfährst Du im Interview.

Antje Grothus will den Hambacher Wald in NRW retten - Unterstütze Sie dabei!

Antje Grothus will den Hambacher Wald in NRW retten – und braucht dabei Deine Unterstützung!

Sie wollen den Stromriesen RWE davon abhalten, den Hambacher Wald abzuholzen. Wie wollen Sie das anstellen?

Wichtig ist momentan, den öffentlichen Druck auf den Konzern RWE, seine Tochter innogy sowie die Politik zu erhöhen. Meine Mitstreiter/innen und ich arbeiten deshalb daran, das Schicksal des Hambacher Forst deutschlandweit bekannt zu machen: mit Fotoausstellungen, Lesungen und Informationsveranstaltungen. Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist natürlich meine Petition auf WeAct. Damit wird der Protest gegen die Zerstörung des Waldes sichtbar und bekannter.

Was macht den Hambacher Wald so besonders und wie viel ist überhaupt noch von ihm übrig?

Leider wird dieser wundervolle Wald immer kleiner: RWE hat von der ursprünglichen Fläche von über 4.000 Hektar bis heute schon 80 Prozent rücksichtslos vernichtet und will das auch noch weiter betreiben, bis der Wald komplett zerstört ist.

Es tut sehr weh, Jahr für Jahr mit ansehen zu müssen, wie der Energiekonzern diesen Wald vernichtet. Doch noch gibt es Tausende von sehr stattlichen und hunderte Jahre alten Stieleichen, Hainbuchen und Winterlinden. Jedes Jahr im Frühjahr gleicht der Waldboden einem Meer von Maiglöckchen. Dieser Wald übt einen besonderen Zauber auch deshalb aus, weil er zu den seltenen naturnahen Wälder gehört, deren Entwicklung seit der nacheiszeitlichen Wiederbewaldung nie unterbrochen wurde. Andere vergleichbare alte Buchenwälder Deutschlands und die Buchenurwälder der Karpaten wurden bereits zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt. Außerdem leben hier auch viele geschützte Tierarten, wie zum Beispiel die vom Aussterben bedrohte Haselmaus. Für sie ist der Hambacher Wald einer der letzten Lebensräume. Auch deshalb ist der Erhalt des Waldes nicht nur für uns hier in NRW wichtig. Das geht alle Menschen etwas an, denen Umwelt- und Naturschutz am Herzen liegt.

Viele Menschen im Ruhrgebiet fühlen sich der Bergbau-Tradition verbunden. Erfahren Sie trotzdem Unterstützung aus der Bevölkerung?

Selbst ich bin als Kind des Ruhrpotts der Bergbau Tradition verbunden. Ich wurde in Bochum geboren, auf Kohle sozusagen. Aber heute, in Zeiten des Klimawandels und der Klimaschutzziele, gilt es unseren Planeten, unsere Schöpfung, zu bewahren. Das Ende der Steinkohle wurde schon eingeläutet, 2018 schließt die letzte Zeche im Ruhrgebiet. Jetzt müssen wir an einem verbindlichen Gesetz für den Braunkohleausstieg arbeiten, damit für Betroffene auf beiden Seiten Planungssicherheit und Klarheit entsteht. Ich finde, dass man eine Tradition achten und ihr ein Denkmal setzen kann, ohne daran starr und unflexibel festhalten zu müssen. Auch die Politik trägt ihren Teil dazu bei, da der Mut fehlt, die jetzt so wichtigen notwendigen Rahmenbedingungen und regulatorischen Vorgaben zu schaffen.

In der Bevölkerung hat hingegen schon ein Umdenken stattgefunden: Immer mehr Menschen erkennen, dass die Zeit der Kohle vorbei ist und dementsprechend nimmt die Unterstützung aus der Bevölkerung stetig zu. Laut einer repräsentativen Forsa Umfrage aus dem Herbst 2016 fordern 71 Prozent der Bürger einen schnellen Ausstieg aus der Braunkohle: Für 36 Prozent von ihnen ist dies sogar „sehr wichtig“. Wenn viele dieser Menschen in diesem so wichtigen Wahljahr mit uns auf die Straße gehen, dann können wir eindeutige Zeichen setzen. Es wird neben den jeden Monat stattfindenden Waldspaziergängen im Hambacher Wald noch viele weitere Anlässe dazu geben. Geplant sind auch große Aktionen: im Sommer im Rheinischen Revier und anlässlich der Klimakonferenz im November in Bonn.

Wenn der letzte Baum im Hambacher Wald fällt, steht Ihr Heimatdorf am Rande einer riesigen Braunkohlegrube. Was würde das für Sie bedeuten und wie stellen Sie sich stattdessen die Zukunft von Buir vor?

Bei der Vorstellung dieses Horrorszenarios kommt mir wirklich das Grauen. Wenn ich die Wahl habe, möchte ich dann mit meiner Familie nicht mehr hier leben.
Schon heute denken viele Menschen mit Sorge darüber nach, ob unser Dorf als Grubenrandgemeinde überhaupt eine Zukunft haben kann. Meinen Mitstreiter/innen von der Bürgerinitiative “Buirer für Buir” und ich haben deshalb einen Vorschlag für eine Alternative Gebietsentwicklung mit dem Namen „Rote Linie A4 alt“ erarbeitet, der eine alternative Entwicklung des Braunkohleabbaugebietes Hambach vorschlägt. Unser Szenario sieht vor, dass der Tagebaubetreiber RWE die Abbaugrenze für den Tagebau Hambach bis zur alten Autobahn A4 zurücknimmt und die Restflächen einer zukunftsorientierten und nachhaltigen Nutzung zur Verfügung stellt. Aus unserer Sicht ist das ohnehin notwendig, wenn wir die Klimaziele noch erreichen wollen. So könnten wir dem geschundenen Wald auch seine Würde zurückgeben. Dieses alternative Entwicklungskonzept wäre landesweit ohne Beispiel. RWE hätte hier die Möglichkeit, ein Leuchtturmprojekt für einen ökologischen und sozialverträglichen Ausstieg aus der Kohle zu schaffen.

Wie können Interessierte Sie dabei unterstützen, den Hambacher Wald zu retten?

Besonders freue ich mich über persönliche Kontakte und Menschen, die mit ihren Familien und Freunden zu den monatlichen Waldspaziergängen von Michael Zobel und Eva Töller kommen – oder noch besser – immer mal wiederkommen. Bereits am kommenden Sonntag, den 19.02.2017, gibt es wieder die Gelegenheit dazu: Um 12 Uhr startet unter dem Motto „Sei die Rote Linie“ ein großer Spaziergang durch den Hambacher Wald. Und natürlich wünsche ich mir noch mehr Unterschriften für meine Petition auf WeAct. Ich bin sehr glücklich, dass sich schon so viele Menschen solidarisch gezeigt haben und möchte mich dafür auch noch einmal recht herzlich bedanken. Der Rückhalt und die Bestätigung tut uns allen hier einfach nur gut. Alle, die die Petition unterzeichnen und uns unterstützen geben uns hier vor Ort die notwendige Kraft und Energie zum weiterzumachen!


Spaziergang im Hambacher Wald am 19. Februar 2017

Am 19. Februar 2017 findet der 35. Waldspaziergang im Hambacher Wald statt. Unter dem Motto „Sei die Rote Linie!“ rufen Michael Zobel, Naturführer und Waldpädagoge, Antje Grothus und viele andere dazu auf, sich für die Rettung des Herzstücks des Hambacher Waldes einzusetzen. Alle Teilnehmer/innen sind aufgerufen rote Kleidung, rote Bänder, rote Tücher, Decken, Mützen, Schals, Luftballons, Stirnbänder, Halstücher, Bildbotschaften mitzubringen, um eine sichtbare rote Linie zu bilden. Treffpunkt ist um 12 Uhr am Parkplatz Grillplatz Manheimer Bürge.


WeAct Logo

Diese Petition wurde auf WeAct, der neuen Petitionsplattform von Campact, gestartet. Es ist also keine Kampagne von Campact. Da Campact aber die Ziele der Petition unterstützt, möchten wir Dich auf die Kampagne hinweisen.

8 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Wird der Restwald nicht auch von vielen jungen Aktivisten seit Jahren besetzt um eine weitere Vernichtung zu verhindern? Vielleicht könnten ein paar Bilder von dem Engagement der jüngeren Generation unseren Planeten vor dem Abgrund der Profit orientierten Zerstörung zu schützen noch überzeugender wirken?
    Kollia

  2. Liebe Antje!
    Danke für Dein Engagement und Deinen Mut.
    RWE als Gegner zu haben, das ist wie „David gegen Goliath“.
    Viel Kraft, Durchhaltevergmögen und täglich mehr Unterstützer/innen
    wünscht Dir
    Marlies

  3. Mir hat noch niemand gezeigt , wo der Strom für eine Industrienation wie Deutschland herkommen soll – wenn nicht aus der Kohle ! Steinkohle wird importiert ( unter z.T. unmöglichen Bedingungen gefördert ) , da ist die Braunkohle vorerst unverzichtbar ! AKW werden bald alle abgeschaltet sein . Und deshalb wird auch der Hambacher Wald in wenigen Jahren Geschichte sein.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.