Revolution mit Tomate: Wie der Widerstand gegen Patente auf Leben wächst

Samen und die Pflanzen, die wir in unseren Gärten säen, gehören uns. Das sollte man meinen. Leider ein Irrtum: Die Rechte daran haben oftmals die großen Agrarkonzernen. Doch dieses Video zeigt: Der Widerstand gegen die Patente auf Saatgut wächst.

von  Anne Beny 2 Kommentare

95 Prozent der Gemüsesamen gehören Konzernen

Auch für Saatgut gilt das geistige Eigentumsrecht. Das bedeutet, die meisten Samen gehören den großen Agrarkonzernen. 95 Prozent der Gemüsesamen in Europa sind deshalb Eigentum von Monsanto, Bayer, Syngenta, Limagrain und KWS.

In der Regel sind diese Pflanzen so gezüchtet, dass ihre Samen zwar einmal aufgehen und eine Pflanze daraus wächst, ihre Samen sind jedoch für eine erneute Aussaat unbrauchbar. Deshalb müssen Landwirte und Gärtner jedes Jahr neues Saatgut kaufen. Was ausgesät wird, bestimmt die Saatgut-Industrie. Nimmt sie Samen für eine Pflanze vom Markt, verschwindet sie.
Dabei handelt es sich bei den Samen und Pflanzen nicht um neue Erfindungen – doch dafür werden trotzdem Patente erteilt. So werden immer mehr Samen zum Produkt von Agrarkonzernen. Sie bestimmen den Preis und wer die Pflanzen überhaupt anbauen darf.

Doch es gibt auch Gegenbewegungen – für freies Saatgut

Doch gegen diese Praxis regt sich Widerstand, wie das Magazin „Quer“ des Bayrischen Rundfunks zeigt. In München-Perlach etwa hat sich die Initiative „Saatpiraten“ gegründet. Hier darf jeder Saatgut und Pflanzen in einer Tauschbox abgeben und neue mitnehmen. So sollen noch vorhandene Pflanzen-Schätze bewahrt werden.

An der Universität Göttingen haben die Mitglieder des ökologischen Freiland-Tomatenprojekts einfach eine eigene Tomatensorte gezüchtet. Das ist eine kleine Revolution. Denn die Tomate hat eine Open-Source-Lizenz. Das bedeutet, dass niemand Eigentumsrechte für die Tomate hat. Sie kann problemlos immer wieder gesät werden.

Wir kämpfen gegen die Patente auf Leben

Gemeinsam mit Campact-Aktiven wollen auch wir unseren Protest gegen die Patente auf Leben zeigen. Deshalb werden wir am Mittwoch, den 7. Juni vor das Europäische Patentamt ziehen. Dort überreichen wir unseren Einspruch gegen die Patente des Bier-Konzerns Carlsberg. Dieser hat sich im vergangenen Jahr drei Patente auf eine natürlich mutierte Gerste gesichert.

Das ist wichtiges Signal! Denn wir stehen kurz vor einer richtungsweisenden Entscheidung: Ende Juni kommt der Verwaltungsrat des Europäischen Patentamts (EPA) zusammen, um einen Beschluss zu fassen, mit dem die bestehenden Verbote im Patentrecht gestärkt und Patente auf Pflanzen und Tieren aus konventioneller Züchtung verboten werden sollen. Demnach sollen Pflanzen und Tiere, deren Züchtung nur auf Kreuzung und Selektion beruht, nicht mehr patentierbar sein.

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2 Kommentare

  • von Helga Mikosch

    Unfassbar, dass sich Konzerne erdreisten, in die Gesetze der Natur in einer Weise hinein zu pfuschen, indem sie die natürliche, Jahrtausende alte Vermehrung von Pflanzen verhindern, nur um daraus Profite zu erlangen! Damit nehmen Sie billigend in Kauf, dass der Hunger in der Welt zunimmt, Landwirte in ohnehin benachteiligten Ländern verarmen und in schändlicher Weise ausgepresst werden. Das ist der Gipfel an Unmenschlichkeit, und Raffgier, eine Schande für die Menschheit!- Überall da, wo der Mensch in seiner Überheblichkeit in die wunderbare Ordnung der Natur glaubt regulierend eingreifen zu müssen, hat er bisher Unheil gestiftet. Hier wird ein Naturgesetz außer Kraft gesetzt!

  • von Gerhard Wagner

    Kennt ihr die ‚Arche Noah‘? Die beschäftigen sich ebenfalls mit ‚altem‘ Saatgut und dessen Bewahrung. Sollten mit den Münchnern zusammenarbeiten, wenn sie das nicht schon tun.

Kommentare sind geschlossen.

Veröffentlicht von Anne Beny