Wie Deine Zahnpasta Meerestiere krank macht

Dieser Film zeigt, wie viele unserer Pflegeprodukte die Ozeane und ihre Bewohner bedrohen – aber auch, warum noch Hoffnung für die Meere besteht.

von  Anne Beny 2 Kommentare
Die Arte-Dokumentation macht deutlich, zu welch riesigem Problem das Plastik in den Meeren geworden ist: An Stränden und fernen Inselparadiesen werden Unmengen Plastikmüll angespült und gewaltige Müllstrudel treiben im Wasser. Der Effekt auf die Umwelt ist kaum abzuschätzen.

Von der Dusche in die Ozeane

Doch nicht nur Plastikmüll ist für die Verunreinigung der Meere verantwortlich. Unsere Körperpflegeprodukte tragen ebenfalls zur Verschmutzung bei.

Die Biologin Angela Köhler vom Alfred-Wegener-Institut zeigt es unter einem Mikroskop: Konventionelle Zahnpasta ist voll mit kleinen Kunststoffpartikeln. Diese sollen Verunreinigungen von unseren Zähnen schrubben. Letztendlich landen die winzigen Teilchen mit der Zahncreme im Abfluss und schließlich in Flüssen und Meeren. Gleiches gilt für unzählige andere Kosmetikprodukte wie Duschgel, Cremes, Shampoo und Make-up. Dort ist das Plastik nicht nur in Form von festen Partikeln enthalten, sondern wird auch in flüssiger Form zugesetzt. Für die Industrie zählt dieses flüssige oder gelförmige Plastik jedoch nicht als Mikroplastik. Das sehen Umweltschützer/Innen anders: Der BUND sieht auch in flüssigem Kunststoff eine unsichtbare Gefahr.
Lange nahm man an, dass die Teilchen kein Problem seien und das Mikroplastik von Tieren ausgeschieden würde. Doch Angela Köhler hat eine andere Beobachtung bei einer Untersuchung von Muscheln gemacht:

Ich bin schwer schockiert gewesen, diese heftigen Entzündungsreaktionen in den Tieren zu sehen.

Der Grund für die Entzündungen in den untersuchten Muscheln: Plastikpartikel, die wie Nahrung aufgenommen, aber nicht mehr ausgeschieden werden. Sie lagern sich ab und machen die Tiere krank. Dabei besonders pikant: Die Miesmuscheln sind auch als Nahrungsmittel beliebt.

Taxi für Giftstoffe

Aber nicht nur die Partikel selbst können gefährlich werden. An ihnen lagern sich zudem Giftstoffe in enormer Konzentration an. Der Chemiker Hideshige Takada hat bei seinen Untersuchungen sogar Polychlorierte Biphenyle (PCB) am Plastik entdeckt. Der Giftstoff ist seit 2001 weltweit verboten. Der Wissenschaftler war schockiert:

Wir hätten anfangs nicht geglaubt, dass PCB in hoher Konzentration überhaupt vorkommen könnte. Doch als wir an den Teilchen die Gifte in millionenfach höherer Konzentration als im Wasser fanden, waren wir sprachlos.

Wie mit einem Wassertaxi gelangen die verseuchten Teile mit den Meeresströmungen auch zu bisher gering belasteten Gebieten wie Hawaii oder auf die Kanaren.

Ein Hoffnungsschimmer bleibt

Doch der Film lässt auch etwas Hoffnung: Forscher glauben, dass es Mikroorganismen geben könnte, die das Plastik zersetzen und unschädlich machen.

Wir können schon heute aktiv werden

Die Drogerie-Kette dm verkauft unter der Eigenmarke Balea Kosmetikprodukte, die Mikroplastik in flüssiger und fester Form enthalten. Das möchte die WeAct-Petitentin Isabelle Braun ändern. Deshalb hat sie eine Petition gestartet, mit der sie dm dazu auffordert, Mikroplastik aus den Produkten zu verbannen. Hilf mit und unterzeichne ihre Petition.

Du hast schon unterzeichnet? Teile diesen Beitrag mit deinen Freundinnen und Freunden.

Diese Petition wurde auf WeAct, der Petitionsplattform von Campact, gestartet. Es ist also keine Kampagne von Campact. Da Campact aber die Ziele der Petition unterstützt, möchten wir Dich auf die Kampagne hinweisen.
WeAct Logo

2 Kommentare

  • von erik bb

    Es ist nicht möglich, bei allem was uns stört oder extrem wichtig ist wie dieses thema, man meint, das Ganze mit einer Unterschrift aus der Welt zu schaffen. Fakt ist, wir müssen das gesamte System ändern und uns umstellen, sonst ist die Erde nicht mehr zu retten.

    Mahnungen gab es schon vor 40 jahren – club of rom – zu allen möglichen umweltproblemen, aber die menschen machen weiter so wie bisher, siehe auto- dieselgipfel !!!

    schon die grünen haben vor üb 30 jahren gewarnt, dass die konzerne und industrie unsere umwelt vergiftet (alte wahlspots der grünen) und wirklich geändert hat sich nichts. auch elektroautos werden den planeten nicht retten, es ist längst 5nach12.
    letzte hoffnung ist die #postwachstumsgesellschaft oder engl. #degrowth (Wachstumsrücknahme).

  • Ich dachte immer, dass Zahnpasta für die Umwelt unbedenklich ist.

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Veröffentlicht von Anne Beny