Glyphosat: Diese Skandale muss das EU-Parlament jetzt aufklären

Bei der Glyphosat-Zulassung Ende 2017 wurde getrickst und getäuscht. Doch jetzt will das EU-Parlament die Skandale mit einem Sonderausschuss untersuchen. Lies hier, welche Forderungen wir gemeinsam mit 23 Organisationen an den Ausschuss stellen.

Glyphosat-Ausschuss nimmt Arbeit auf

PEST committee heißt der Sonderausschuss, mit dem das EU-Parlament die Skandale bei der Glyphosat-Zulassung aufklären möchte. Das EU-Parlament hat den Ausschuss eingerichtet, nachdem der Skandal um die Monsanto-Papers die Öffentlichkeit erschüttert hatte. Diese Woche ist die erste ordentliche Sitzung der 30 Mitglieder. Ihr Auftrag: aufklären, was bei der Zulassung von Pestiziden schief läuft und Reformvorschläge für die Zukunft entwickeln. Wenn der Ausschuss seine Arbeit ordentlich macht, könnte das weitreichende Konsequenzen haben.

Illegitimer Einfluss von Monsanto und Co.

Aufzuklären gibt es eine Menge. Deshalb haben wir den EU-Abgeordneten gemeinsam mit Partnerorganisationen einen offenen Brief geschrieben. Hier eine Auswahl der Kritikpunkte, die der Ausschuss jetzt aufklären muss:

  • Bei ihrer Bewertung, ob Glyphosat Krebs verursacht oder nicht, hat sich die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA allein auf geheime Industrie-Studien gestützt. Schlimmer noch: die EFSA hat mehrere Hinweise auf Krebsgefahr in diesen Studien übersehen. Als der Wissenschaftler Christopher Portier die Studien einsehen konnte, fand er eine größere Zahl Tumoranstiege bei Tieren, die Glyphosat ausgesetzt waren. Die EFSA hat sich offensichtlich allein auf die Interpretation der Daten durch die Industrie verlassen – und die hat von der Krebsgefahr nichts gesehen.
  • Große Teile des Glyphosat-Bewertungsberichts waren direkt aus dem Antrag der Hersteller kopiert. Das führte dazu, dass die EFSA praktisch alle unabhängigen Studien zur Krebsgefahr durch Glyphosat ignoriert hat. Die Behörde hätte die Studien eigentlich objektiv überprüfen sollen – doch sie hat einfach die Sichtweise von Monsanto und Co. übernommen. Dort wo die Chemiekonzerne Studien zu gesundheitlichen Gefahren von Glyphosat als “irrelevant” oder “unzuverlässig” einstufte, tat es die EFSA genauso.
  • Zudem wurden bei der Glyphosat-Zulassung die Gefahren für die Artenvielfalt ignoriert. Die EFSA hat zwar festgestellt, dass Glyphosat ein Risiko für Wirbeltiere an Land darstelle. Und die Europäische Chemikalienagentur ECHA hat Glyphosat als giftig für Wasserlebewesen eingestuft. Trotzdem kam die Europäische Kommission zum Schluss, dass von Glyphosat keine Gefahren für Ökosysteme ausgehen würden.

Zerstörtes Vertrauen wiederherstellen

Trotz der Gefahren für Mensch und Umwelt hat die EU-Kommission Glyphosat wieder zugelassen. Damit hat sie die Bedenken von unabhängigen Wissenschaftlern, des EU-Parlaments und zahlreicher EU-Bürger/innen ignoriert.

Die unglaublichen Vorgänge bei der Glyphosat-Zulassung haben eine Menge Vertrauen in die EU und ihre Behörden zerstört. Anstatt die Gesundheit der EU-Bürger/innen zu schützen, hat die EU-Kommission die Interessen von Monsanto bedient.

Es liegt jetzt an der Arbeit des Glyphosat-Ausschusses, die Fehler bei der Glyphosat-Zulassung aufzuarbeiten. Nur durch eine rigorose Aufklärung und konsequente Reformen des Pestizid-Zulassungsverfahren, kann das zerstörte Vertrauen wieder hergestellt werden.

4 Kommentare

  • von ulrike-Hilke Albrecht

    Wir sind verpflichtet unseren Kindern und Enkel eine gesunde Natur zurück zu lassen. Wer bestäubt denn eines Tages die Blüten. Wird es so kommen, wie in Japan ? Wir sind nicht so wendig, wie die Japaner.
    Also, ohne Chemie !!!!

  • von Thomas Teichmann

    Diese Aktion wurde gestartet zu einem Zeitpunkt, da die EU den militärischen Angriff auf Syrien mit getragen hat, und einzelne Länder den Angriff mit vorbereitet haben.

    Ich habe am letzten Samstag nach einer Aktion von Campact gesucht, die zur Wahrung des Friedens aufruft. Wenn die ständige Hetze gegen Russland und einzelne Länder, die das Pech haben, strategisch wichtig zu sein, nicht aufhört, mach ich mir über Glyphosat keine Gedanken mehr.

    Es sind zwei Paar Schuhe: festzustellen, dass Russland nicht demokratisch regiert wird, oder dass das Regime in Syrien üble Methoden zur Aufrechterhaltung seiner Macht einsetzt. Und andererseits daraus den Schluss zu ziehen, man müsste auf mangelhaft begründeten Verdacht in ein vom Krieg verheertes Land noch mehr Waffen bringen und dort mitschießen.
    Wo sind die Pflugscharen hin ? Sind daraus handliche Maschinenpistolen geworden, Leopard-Panzer, Marschflugkörper ?
    Und Campact drückt sich.

  • von Thomas Teichmann

    Leider nur zu berechtigt, diese Aufforderung, zum englischen Original die deutsche Übersetzung zu stellen.

    und, wenn ich das hier richtig sehe, gab es darauf nicht mals eine Antwort. Das ist traurig. War die Aktion ernst gemeint ?

    Dabei finde ich es gut und richtig, dass eine solche Aktion innerhalb der EU Länder übergreifend organisiert wird. Aber dann muss sie eben auch organisiert werden.

    schade
    viele Grüße
    Thomas Teichmann

  • von Hans-Joachim Hauschild

    Was soll ich mit einen offenen Brief an die EU-Kommission,
    den ich nicht lesen kann weil ich die englischen Sprache nicht
    behersche wen Ihr schon so ein Brief schreibt muß er für Leute
    zu lesen sein die kein englisch können ob der Brief etwas bringt
    wage ich an zu zweifelen wie man weis ist die Eu nicht immer
    einer Meinug

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Veröffentlicht von Gerald Neubauer

Campaigner – Gerald Neubauer, Jahrgang 1975, ist seit über zwanzig Jahren aktiv in Protestbewegungen. Er organisierte gewaltfreie Aktionen gegen Castortransporte und war einer der Gründungsstifter der Bewegungsstiftung. Nach einem Studium der Politik, Philosophie und Soziologie arbeitete er im Sonderforschungsbereich Staatlichkeit im Wandel zum Thema internationaler Verrechtlichung. In seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit zivilem Ungehorsam in der internationalen Politik. Von 2012-2014 arbeitete Gerald als Campaigner für Greenpeace zum Thema Kohleausstieg.