Glyphosat in Wein gefunden

Wie viel Glyphosat steckt in unserem Wein? Wir wollten‘s genau wissen - und haben 12 Weine unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Alle untersuchten Stichproben enthalten Rückstände des Gifts.

von  Lina Gross 6 Kommentare

Chemische Brandspuren im Weinfeld

Ob rot, weiß oder rosé – Deutschland ist bekannt für seinen Qualitätswein. Die Weinbauregion Rheinland-Pfalz ist dabei besonders beliebt unter den Feinschmecker*innen. Weinreben erstrecken sich dort über sanfte Hügel bis hinunter an die Ufer der Mosel. Doch wer in diesen Tagen durch die Weingegend spaziert, macht eine unschöne Entdeckung: Am Fuß des Weins wächst kein Gras, kein Gänseblümchen mehr. Die Erde entlang der Rebzeilen wirkt wie ausgebrannt. Schuld daran ist Glyphosat. Jetzt im Frühjahr spritzen die Winzer das Gift zwischen die Weinstöcke, wo es alle dort wachsenden Kräuter und Gräser abtötet.

Ackergift im guten Tropfen

Glyphosat ist ein aggressives Totalherbizid mit bedenklichem Gesundheits- und Umweltrisiko. Wir wollten wissen: Schafft das Gift auch den Weg in unser Weinglas? Um das herauszufinden, haben wir 12 Weinflaschen aus konventionellem Anbau von einem unabhängigen Labor mit der notwendigen Akkreditierung (DIN EN ISO/IEC 17025) untersuchen lassen. Das Ergebnis fiel eindeutig aus: Alle 12 Weine enthalten Glyphosat.

Gerichte sehen Gesundheitsgefahr von Glyphosat

Für Glyphosat im Wein gibt es keine Grenzwerte. Zur Bewertung von möglichen Risiken hat die Europäische Kommission jedoch einen Wert für die „erlaubte Tagesdosis“ für die Aufnahme durch Lebensmittel festgelegt. Dieser sogenannte ADI-Wert (Acceptable Daily Intake) liegt für Glyphosat bei 0,5 mg/kg Körpergewicht/Tag. Die gefunden Mengen im getesteten Wein sind im Nanogramm-Bereich und damit laut EU-Regel so gering, dass kein Gesundheitsrisiko besteht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt den Wirkstoff jedoch als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. Das Bayer-Produkt „Roundup“ ist das meist verwendete glyphosathaltige Herbizid auf der Welt – und auch im deutschen konventionellen Weinbau allgegenwärtig.

In den USA sieht sich der Chemiekonzern Bayer mit mehr als 11.200 Klägern wegen des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels konfrontiert. In zwei Fällen wurde das Unternehmen bereits zu millionenschweren Schadenersatzzahlungen verurteilt. Nun entschied auch ein Berufungsgericht in Frankreich gegen Bayer. Der glyphosathaltige Unkrautvernichter „Lasso“ sei die Ursache von gesundheitlichen Problemen eines Landwirts ist, der das Produkt versehentlich eingeatmet hat. Das zeigt: Der Wirkstoff ist hochgiftig.

Klöckner blockiert den Glyphosat-Ausstieg

Die untersuchten Weine stammen von unterschiedlichen, zufällig ausgewählten Weingütern in Rheinland-Pfalz – der Heimat von CDU-Agrarministerin Julia Klöckner. Sie selbst kommt ebenfalls aus einer Winzerfamilie und war schon Weinkönigin in der Region. Immer noch zeigt sie sich gerne für Pressefotos zwischen Weinreben ihres Weinguts, bemüht ein naturverbundenes Image zu vermitteln. Doch statt sich an den Koalitionsvertrag zu halten und den Glyphosat-Ausstieg in Deutschland voranzutreiben, lässt sie im Alleingang ein weiteres glyphosathaltiges Pestizid zu.

Glyphosat muss endlich vom Acker

Im November 2018 hat Bundesumweltministerin Schulze (SPD) einen Plan vorgelegt: Glyphosat soll in Parks, Privatgärten und Naturschutzgebieten sofort untersagt werden. Auf den Äckern soll der Einsatz zunächst eingeschränkt und ab 2023 komplett verboten werden. Doch Agrarministerin Klöckner (CDU) ignoriert Schulzes Plan und lässt unverfroren Glyphosat weiter zu. Wir fordern: Glyphosat muss endlich von unseren Äckern verschwinden!

6 Kommentare

  • Ist doch alles eine große Verarsche die Lobbyisten regeln das schon…. aber ist halt auch wirklich die Frage welche Alternative gibt es oder gibt es überhaupt eine ?

  • von Nevets

    “ Der glyphosathaltige Unkrautvernichter „Lasso“ sei die Ursache von gesundheitlichen Problemen eines Landwirts ist, der das Produkt versehentlich eingeatmet hat. Das zeigt: Der Wirkstoff ist hochgiftig.“

    Ohne Unwahrheiten geht es bei euren Kampagnen offensichtlich nicht. „Lasso“ enthält kein Glyphosat sondern Alachlor: „In den USA wurde Alachlor 1969 erstmals zugelassen und von der Firma Monsanto unter dem Namen Lasso auf den Markt gebracht.“ (Wikipedia)

    Gerichte haben auch nicht darüber zu befinden, ob ein Stoff giftig oder nicht ist. Dafür sind Naturwissenschaftler zuständig. Alachlor ist als „schwach giftig“ eingestuft und nicht als „hochgiftig“, egal was irgendein Gericht sagt.

  • von Wolfgang Giebel

    Ein 60 kg Mensch dürfte täglich 0,03 Gramm oder 30000 Nanogramm Glyphosat aufnehmen. Sie haben einige Nanogramm in der Flasche feststellen lassen. Daraus einen Bohau gegen Weinanbaumethoden zu machen ist Populismus, den Sie anderweitig mit Recht bekämpfen.
    Ehrlich wäre zu hinterfragen, warum keine Pflanze neben den Rebstöcken wachsen darf und was einen Weinanbau ohne Unkrautvernichter ermöglicht. Notfalls wird der Wein deklariert und ist teurer.

  • Die Industrie veräppelt doch wo sie können echt traurig und man kann nichts machen : (

  • von Renate Riedl

    Ich vermisse eine Angabe, wie viel Glyphosat im Wein festgestellt wurde. Dann könnte man ausrechnen, wie viel Liter Wein pro Tag getrunken werden kann, um in die Nähe des zitierten ADI-Wertes zu kommen. Das gäbe dann eine realistische Einschätzung dieser Meldung. Wird wohl ähnlich wie bei ähnlichen Testungen sein. Das Risiko durch Alkohol ist wohl deutlich höher.

  • von Hans-Joachim Hauschild

    Ich gebe Euch Recht wen Ihr sagt,
    das Glyphosat nicht mehr verwendet
    werden darf Ihr ruft nur immer zu Demos
    und Unterschriftensammlungen auf,ich
    frage mich manch mal hab Ihr schon
    mal mit den Landwirten über Alternativen
    gespräche gefürt Ihr sagt immer wir sind
    da gegen aber vorschläge wie es besser
    werde kann,kommen von Euch über
    haubt nicht.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert

1000 Zeichen verbleiben

Veröffentlicht von Lina Gross