#Dannibleibt: Dieser Protesttag macht Mut

Wer einmal in diesem lebendigen, duftenden Wald war, geht nicht unberührt. Tausende Menschen demonstrierten am Wochenende für den Erhalt des Dannenröder Forsts. Mitten im Wald hängen phantasievolle Hütten zwischen den Wipfeln - Widerstandsdörfer. Über 100 Menschen leben hier. Gemeinsam fordern sie: „Danni bleibt!“

Starke Windböen fegen über die Bäume und rütteln an den Zelten bei der Mahnwache und am Protestcamp. Ein Wetter zum Zuhause-Bleiben? Nein! Während dunkelgraue Wolken über den Himmel ziehen, füllen sich am Bahnhof Stadtallendorf, zehn Kilometer von Dannenrod entfernt, die Shuttle-Busse. Tausende Menschen haben sich auf den Weg zur Kundgebung und Demo am Dannenröder Wald gemacht – zum „Danni“.

Wald statt Asphalt

Ihr Protest ist dringend: Der Dannenröder Wald zwischen Kassel und Marburg in Hessen ist akut bedroht. Die hessische Landesregierung und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) wollen in diesem Monat noch Zehntausende von Bäumen fällen. Der Wald soll Platz machen – für ein Teilstück der Autobahn A49.

Das macht fassungslos. Eine neue Autobahn im Angesicht der Klimakrise zu bauen, ist vorgestrig. Für eine Betonpiste einen der wertvollsten Wälder Hessens zu zerstören, ist ein Skandal. Statt Autobahn-Neubau fordern die Demonstrant*innen den Ausbau von Schienenverkehr und ÖPNV – eine grundlegende Verkehrswende.

40 Jahre Widerstand

Der Konflikt um die Autobahn dauert schon 40 Jahre. Seit rund einem Jahr ist der „Danni“ besetzt. Seit Monaten laden die örtliche Bürgerinitiative und das Aktions-Bündnis „Wald statt Asphalt“ zu Sonntagsspaziergängen ein. Woche für Woche steigt die Zahl der Teilnehmer*innen an den Rundgängen. Wer kommt, bringt beim nächsten Mal weitere Menschen mit. Mitten im Wald sind Dutzende phantasievoller Hütten zwischen den Wipfeln entstanden, ohne einen einzigen Nagel im lebendigen Holz. Überall wehen Banner: „Danni bleibt!“

Räumung im Nachbarwald

Erst vor wenigen Wochen besetzten Aktivist*innen auch den Herrenwald nördlich des Dannenröder Waldes. Auch der Herrenwald ist durch den Bau der A49 bedroht. In luftiger Höhe errichteten sie Plattformen und erste Häuser in den Bäumen. Am 1. Oktober, dem Tag im Herbst, an dem das Naturschutzgesetz Rodungsarbeiten in Wäldern wieder erlaubt, begann die Polizei dort mit der Räumung. Begleitet von schwerem Gerät hinterließen sie eine erste Schneise der Verwüstung.

Ärger über die Grünen

Die Bilder dieser ersten Räumung macht viele Menschen nur um so entschlossener, den Wald zu retten. Die Grünen, die in Hessen mitregieren, bekamen ihren Unmut zu spüren. Lautstark forderten die Teilnehmer*innen der Kundgebung die Partei auf, sich entschlossen für einen Räumungs- und Rodungsstopp einzusetzen. Dass sich der in der Bundesregierung verantwortliche Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) noch für eine klima- und waldverträgliche Verkehrspolitik einsetzen könnte, glaubte auf und vor der Bühne niemand mehr. Umso wichtiger wird die Bundestagswahl im kommenden Jahr, die die Mehrheiten in Berlin umkrempeln könnte.

Ein ermutigender Tag

Den Protestruf „Danni bleibt!“ aus Tausenden von Mündern zu hören – das tat gut. Der ganze Tag hat Mut gemacht. Viele verschiedene Menschen und Gruppen sind für den Protest zusammen gekommen. Campact hat für die Demo ein bundesweite Bündnis initiiert und gemeinsam mit Fridays for Future, den Naturfreunden, dem BUND und dem lokalen Aktionsbündnis „Keine A49“ tatkräftig unterstützt. Die Waldbewohner*innen, die Camp-Crew und die lokale Bürgerinitiative ermöglichten die große Demo in enger Zusammenarbeit. Am Ende herrschte Einigkeit: Das war nicht der letzte große Protesttag am „Danni“.

Du willst dich mit an die Seite der Wald-Schützer*innen stellen und für die Verkehrswende streiten? Dann unterzeichne unseren Appell!

1 Kommentar

  • von Hans-Joachim Hauschild

    Wer glaubt das mit einer neuen Regierung
    die Verkehrswende kommt, der glaubt
    an denn Weihnachtsmann die Nachvollger
    werden so weiter machen wie bis her, Ihr
    wollt immer das der Nahrverkehr aus gebaut
    wird wenn dan gebaut wird ist es wider auch nicht
    recht.

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Veröffentlicht von Jutta Sundermann

Jutta Sundermann ist seit dem Abitur Vollzeitaktivistin. Sie gründete Attac in Deutschland mit und war acht Jahre im bundesweiten KoKreis des globalisierungskritischen Netzwerks aktiv. Außerdem entwickelte und begleitete sie Kampagnen mit Medico international und Aktion Agrar. Seit März 2019 ist sie bei Campact.