Caritas, wir müssen sprechen

Wenig Lohn, harte Arbeitszeiten, kaum Anerkennung – in der Altenpflege üblich. Ein bundesweiter Tarifvertrag sollte das ändern, doch die Caritas blockiert ihn. Gemeinsam mit über 200.000 Unterzeichner*innen forderten wir von der Caritas, dass sie faire Pflegelöhne nicht länger verhindert. Lies hier, wie die Caritas auf unsere Kampagne reagiert hat.

12-Stunden-Schichten bei lausiger Bezahlung und trotz Covid-Infektion arbeiten – die Arbeitsbedingungen in der Pflege sind hart. Vor allem in den Pflegeeinrichtungen, die großen Konzernen gehören – das sind mittlerweile fast 50 Prozent. Viele Beschäftigte berichten von geringer Bezahlung, unregelmäßigen Dienstzeiten mit vielen Überstunden und fehlenden Fachkräften. Das muss sich ändern: Die Menschen in der Pflege brauchen faire Löhne und bessere Arbeitsbedingungen.

Im Januar kam tatsächlich Bewegung in die Sache – die Gewerkschaft Ver.di, Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und sogar einige private Arbeitgeber*innen der Altenpflege einigen sich auf einen Tarifvertrag. Hubertus Heil will, dass dieser für die ganze Branche gilt: Endlich eine Chance auf faire Pflegelöhne für alle Beschäftigten in der Altenpflege! Damit der Tarifvertrag allgemeinverbindlich wird, muss ein Großteil der Arbeitgeber*innen im Bereich Altenpflege zustimmen. Deswegen kommt es besonders auf die Caritas und Diakonie als große kirchliche Träger an. Ihre Zustimmung ist entscheidend.

Caritas verhindert Tarifvertrag

Und dann der Schock: Ausgerechnet die Caritas lehnt den Tarifvertrag ab! Von einem kirchlichen Träger – der sich für Nächstenliebe rühmt – kam das überraschend. Schließlich setzen gerade sie sich oft für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege ein. Für uns bei Campact war klar: Wir starten einen Appell. Gemeinsam mit mehr als 200.000 Unterzeichner*innen forderten wir, dass die Caritas faire Pflegelöhne endlich für alle Beschäftigten in der Altenpflege ermöglicht.

Online regt sich Widerstand

Die Absage der Caritas an einen bundesweiten Tarifvertrag für die Altenpflege sorgte ganz schön für Wirbel: Tausende Menschen machen sich in den Sozialen Medien Luft, kritisieren die Entscheidung der Caritas. Viele Altenpfleger*innen und Angehörige von betreuten Personen teilen ihre Erfahrungen. Auch in den eigenen Reihen regt sich Unmut: “Wir bedauern die mangelnde Solidarität der Caritas-Dienstgeber”, sagt Caritas-Mitarbeiter Thomas Rühl. Die vielen kritischen Reaktionen bringen die Caritas in Erklärungsnot. Und genau da setzten auch wir an: Dank der Spenden vieler Campact-Unterstützer*innen brachten wir die Forderung nach dem Tarifvertrag genau vor die Caritas-Zentralen – und direkt in den Arbeitsalltag der Verantwortlichen.

Großplakate vor Caritas-Zentralen

Eines von zehn mobilen Großplakaten in Berlin / Foto: Campact e.V. [CC BY-ND 2.0]
Nicht nur eins, sondern gleich 15 Großplakate parkten wir rund um die Caritas-Zentralen in Berlin und Freiburg. Auf jeweils 4,88 mal 2,33 Meter Fläche stand unsere Forderung: “Faire Löhne für alle Pflegekräfte ermöglichen! Tarifverträge nicht länger blockieren!“. Morgens auf dem Weg ins Büro und abends beim Nachhausegehen – die Botschaft war nicht zu übersehen.

Appell-Übergabe an die Caritas

Über 200.000 Unterzeichner*innen, Großplakate, Social-Media-Posts – das konnte die Caritas nicht ignorieren. In einem digitalen Treffen mit einem Sprecher der Arbeitgeberseite der Caritas haben wir ihn mit unseren Forderungen konfrontiert. Und mit einer Frage: Wie können Arbeitnehmer*innen in der Altenpflege endlich faire Arbeitsbedingungen erhalten? Über das Ziel sind wir uns einig, über den Weg dorthin nicht. Die Caritas bleibt bei ihrem Nein zum Tarifvertrag.

Wie geht es weiter?

Da der Tarifvertrag nicht für allgemeinverbindlich erklärt wird, ist das Thema nicht vom Tisch. Ende Mai einigten sich SPD und CDU auf eine Änderung der Pflegereform. Die Reform enthält einige Verbesserungen – die reichen aber nicht aus. Mit den geplanten Änderungen bleibt unsicher, ob Löhne wirklich ansteigen werden. Und: Ob und wie die Reform wirkt, soll erst 2025 überprüft werden. Tut sie das nicht, werden vier Jahr verschenkt. Beschäftigte in der Pflege brauchen aber jetzt bessere Arbeitsbedingungen!

Wir beenden unseren Appell – doch unser Engagement als Bürgerbewegung braucht es weiterhin. Wir kämpfen weiter für gute Arbeitsbedingungen und faire Löhne in der Pflege.

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2 Kommentare

  • von Rasch

    Wirklich ärgerlich, wie undifferenziert Sie die Sache angehen. Mutet absichtlich an. Warum verschweigen Sie, dass die Caritas bundesweit eben gerade im Vergleich faire Löhne zahlt, aber eine Zustimmung genau diese mittelfristig abgesenkt hätte? Oder denkt wer, dass das Caritas-Lohnniveau neue Messlatte geworden wäre?

  • von Hans-Joachim Hauschild

    Was hat Campact mit Tariefverträgen in der Pfleg zu tun
    nemlich nichts,das geht nur denn Tariefparteien was an
    nur haben das Recht über einen Tariefvertrag zu reden
    das in der Pflege was getan werden muß weis man nicht
    erst seid Corona schon in vor Jahren hat man die Kranken-
    häuser und Altenheime zum sparen gezwungen und
    Personal abgebaut damit man mehr Geld mit dem Haus
    machen kann.

Kommentare sind geschlossen.

Veröffentlicht von Annabella McIntosh