Der 145. Freitag

Am 24. September 2021 können wir alle zusammen Geschichte schreiben: Der Klimastreik vor der Bundestagswahl ist einer der wichtigsten überhaupt. Wenn am Freitag vor der Wahl richtig viele Menschen für das Klima auf die Straße gehen, kann das etwas bewegen. Luisa Neubauer von Fridays for Future erklärt, warum es bei diesem Streik um alles geht.

Ich habe nachgezählt: Stand jetzt streike ich seit 143 Wochen jeden Freitag für das Klima – zu Fuß, auf dem Fahrrad, im Netz. Ich bin Luisa, 25 Jahre alt und Aktivistin von Fridays for Future. In diesen drei Jahren haben wir gezeigt, wie machtvoll wir sind, wenn wir uns zusammenschließen. Und wie viel wir erreichen können: Klima ist mittlerweile das Thema, das den Menschen am wichtigsten ist. Doch zu konsequenter Klimapolitik hat das bisher noch nicht geführt.

Seit Monaten arbeiten wir deshalb auf einen Tag hin: Den großen Klimastreik am 24. September. Er entscheidet, ob die Menschen Klimaschutz nicht nur wichtig finden – sondern auch danach wählen. Und macht einer neuen Regierung klar, dass sie handeln muss. Doch damit das gelingt, brauchen wir Dich – bitte demonstriere mit uns! Wir von Fridays for Future haben monatelang alles gegeben, damit Du an diesem Tag in nur wenigen Stunden einen großen Unterschied machen kannst.

Denn diese Wahl ist eine Jahrhundertwahl. Sie ist entscheidend, um die schlimmsten Klimakatastrophen noch abzuwenden – uns bleibt kaum Zeit, um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Die politischen Entscheidungen der nächsten vier Jahre werden das Schicksal meiner Generation bestimmen. Dürren, Stürme, Überflutungen: Das Klima kollabiert gerade vor unseren Augen. An vielen Orten der Welt sind Klimaextreme schon Alltag. Wenn wir jetzt nicht alle Kräfte bündeln, wird das Leben im Laufe dieses Jahrhunderts für Millionen Menschen immer mehr ein Kampf ums Überleben. Dieser Gedanke macht mir Angst – und vielleicht geht es Dir ja genauso.

Aber wir haben einen Plan. 48 Stunden vor der Wahl strömen wir mit Hunderttausenden in ganz Deutschland auf die Straßen und fordern konsequenten Klimaschutz. Unsere Botschaft ist klar: 1,5 Grad sind nicht verhandelbar! Und unsere Bewegung ist entschlossen: Um unsere Gegenwart zu schützen und unsere Zukunft zu retten, müssen wir jetzt richtig loslegen. Mit dem „Weiter so“ der GroKo muss endlich Schluss sein.

Doch wir jungen Menschen allein werden das nicht schaffen. Damit unser Protest den Weg in die Wahlkabine und die nächste Regierung findet, brauchen wir Mitstreiter*innen aus allen Generationen: Die Bankkauffrau, die in ihrer Mittagspause ein Stück mitläuft. Die Oma, die mit ihren Freundinnen selbstgenähte Fahnen schwenkt. Der Vater, der sein Kind im bunt geschmückten Bollerwagen zieht. Die Fußballerin, die mit ihrem Team ein großes Banner hochhält. Jeder Mensch zählt. Dieser Freitag zählt – wie kein anderer! Bitte komm auch Du am 24. September zum entscheidenden Klimastreik. Auch bei Dir in der Ecke ist was los – schaue vor Ort vorbei und mach den Protest stark.

Mit 13 Jahren habe ich in einer Erdkunde-Stunde gelernt, was der Treibhauseffekt ist. Damals habe ich mich gefragt, warum so ein gravierendes Problem in nur 90 Minuten abgehandelt wird. Ich wollte mehr wissen, studierte Geographie und kam zu einer erschütternden Erkenntnis: Wir sind an einem Punkt in der Geschichte angelangt, an dem die Menschheit die größte Zerstörungskraft der Erde ist. Durch unsere Emissionen erschaffen wir Wüsten. Wir verändern, wie Ozeane und Luftmassen zirkulieren. Wir vernichten Gletscher und terrorisieren die Ökosysteme, die wir zum Leben brauchen.

Das belegt auch wieder der neueste Weltklimabericht – keine Überraschung. 60 Jahre lang hat die Politik die Warnungen der Wissenschaft ignoriert. Man fragt mich dann freundlich, was wir von Fridays for Future zu dem Bericht sagen und ich antworte ruhig und fernsehtauglich. Aber innerlich bebe und wüte ich. Seit Jahren kämpfen wir für ein Ende der ökologischen Krisen. Und seit Jahren erklären uns politische Vertreter*innen, dass wir doch ein bisschen mehr Geduld und etwas weniger schlechte Laune haben sollen.

Dabei wissen wir, was uns in diese Krise manövriert hat: Profitgier, Machthunger und Skrupellosigkeit einiger weniger aus Politik und Wirtschaft. Doch die Ausbeutung der Natur und unserer Lebensgrundlagen funktioniert nur, weil die meisten Menschen bisher die Füße stillhalten. Gemeinsam können wir das jetzt ändern. Mit der Bundestagswahl haben wir die Chance, für mehr Klimagerechtigkeit zu stimmen. Auch wenn bisher kein Wahlprogramm für echten Klimaschutz ausreicht – je weniger Klimabremser*innen im nächsten Bundestag sitzen, desto erfolgreicher wird unser Protest sein.

Stell Dir nur vor, was irgendwann in den Geschichtsbüchern stehen könnte: Die Klimakrise eskalierte, die Menschheit raste in ihr selbstgemachtes Verderben. Aber dann gab es da diese riesige Bewegung von Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft, die aufstanden und etwas dagegen unternahmen. Schreibe mit uns Geschichte – und komme am 24. September zum großen Klimastreik.

PS: Im Lockdown bin ich monatelang für meine Großmutter zuhause geblieben, um ihr Leben zu schützen. Am 24. September geht sie jetzt für mich auf die Straße – um meine Zukunft zu schützen. Natürlich achten wir bei allen Demos auf die Corona-Regeln. Kann ich auch auf Dich zählen?

9 Kommentare

  • von Lisa Kober

    Ich bin dabei und werde tun was ich noch kann. Meine Generation, die Babyboomer, hat es in den letzten 30 Jahren verbockt. Wir haben unser Leben gegen Geld gegeben und uns mit Brot und Spielen zufriedengestellt. Dabei hatten wir es eigentlich gewusst: Ölkrise, Tschernobyl, Chemie in Lebensmitteln, Biafra, Schöne neue Welt, … Noch sind wir viele, noch können wir etwas bewirken. Wir wissen, dass unser Leben Ende der 70iger schon gut war. Wir könnten uns eingestehen, dass wir auch einfach mitgelaufen sind und die falschen Vorbilder für unsere Kinder und die Welt geschaffen haben. Anstatt an den Dingen festzuhalten und unser Leben zu rechtfertigen, könnten wir unsere Lebenserfahrung einbringen und Teil der Transformation werden. Jetzt!

  • von Karsten

    Einfach lächerlich diese Aktionen!! Es wird geglaubt ein Gas das zu 400ppm in einem m³ Luft vorkommt einen Klimawandel maßgeblich beeinflussen kann!!! Lachhaft!! Und für diesen Irrsinn weiter zu fördern, werden nun Solaranlagen die sich im Sommer auf über 65 Grad erwärmen auf grüne Wiesen gestellt und wirken dort wie riesige Heizflächen. Um Biogasanlagen zu betreiben werden jetzt schon fast 50% unserer Agrarflächen genutzt. Wir verheizen lieber unsere Lebensmittel um die Regale dann mit Dingen zu füllen die vorher um die halbe Welt gereist sind. Wenn die Kartoffel aus Ägypten und der Knoblauch aus China kommt ist die Welt für uns scheinbar erst in Ordnung!! Und wenn wir abends 19Uhr nach Sonnenuntergang den Strom aus Polen und der Tschechei aus dem Kohle und Atomkraftwerk kaufen müssen weil unsere Solaranlagen gerade „null“ MW produzieren und der Strompreis auf 190€/MW hochschnellt, dann freut man sich das Klima gerettet zu haben :)))))))

    • von Campact Team

      Hallo Karsten,

      danke für Deine Nachricht.

      Detaillierte Informationen zu diesem Thema findest Du hier:
      https://www.klimafakten.de/fakten-statt-behauptungen/fakt-ist
      Durch einen Klick auf die einzelnen Aussagen gelangst Du auf die Seite mit Hintergrundinformationen.

      Oder schau Dich auf der Seite vom Umweltbundesamt um:
      http://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimawandel

      Unzählige Studien zeigen: Wir können uns schon in wenigen Jahren komplett mit Energie aus Sonne, Wind und Wasser versorgen. In Deutschland werden schon heute über 40 Prozent unseres Stroms mit Erneuerbaren Energien gewonnen. Wenn wir diese sauberen Energiequellen weiter ausbauen, brauchen wir weder Atom- noch Kohlekraftwerke.
      Dass eine klimaneutrale Energieversorgung, insbesondere ohne Kohle und Atom möglich und auch kurzfristig zu realisieren ist, hat das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie unter anderem in dieser umfassenden Studie vorgerechnet: https://wupperinst.org/a/wi/a/s/ad/5169

      Herzliche Grüße
      Ihr Campact-Team

  • von Frank

    regirt/regiren/Regirung wird im Duden anders geschrieben.

  • von Ulf Rosenthal

    Wir werden das Klima nicht verändern, aber können uns auf die Katastrophen einstellen und die Weichen für einen vernünftigen Umgang mit den Ressourcen dieser Welt stellen. Dabei gilt es vor allem den Lobbyismus in allen Parteien zu beenden und wirklich Innovation zu fördern. Die E-Mobilität ist jetzt schon veraltet und es ist der größte Fehler diesen Strukturwandel mitzumachen um in 10 oder 15 Jahren den nächsten zu vollziehen, nur um die Taschen der Aktionäre weiter zu füllen. Last endlich wieder Verstand walten und wirkliche Innovationen fördern und nicht einem Elon Musk eine Milliarde in den Hintern zu stecken.

  • von Chris

    Um die Klimakrise evidenzbasiert und ideologiefrei zu gestalten, müssen die wissenschaftlich Erkenntnisse marketing und Interessensbefreit analysiert werden. Treibhauseffekt und CO2 sind unhaltbare Parameter die sofern sie entgegen evidenzbasierter tatsächlich Auswirkungen haben sollten wie sich in einer Reihe von Faktoren die bedeutungslosigkeit teilen. Anhand dieser Ideologie werden lediglich schôngelogen Scheintechniken zu unser aller Schaden maskiert (E Autolüge durch CO2

  • Ich werde gerne kommen und danke den Veranstaltern und allen Helfern.
    Es ist wichtig weiter Druck zu machen, um die auf uns zukommende Klimakatastrophe und Erderhitzung möglichst klein zu halten.
    Rolf Disch, Freiburg

  • von Ola Bo

    …mit der Bundestagswahl ist es auch nicht vorbei. Dann heißt es die Menschen weiter für das Thema sensibilisieren und mobilisieren. In der Geschichte der Menschheit gab es schon viele Revolutionen, es mussten nur genug auf die Straße gehen.

  • von Hans-Joachim Hauschild

    Der Klimastreik wird auch wider sein
    Ziel verfehlen,es werden wider die selben
    Parteien gewählt die jezt die Regirung stellen
    ich erwarte von einer neuen Regirung nichts
    man weis nicht mal welche Partei man noch
    Wählen soll,wo die Grünen mit der SPD zu
    sammen regirt haben sind keine Umweltschutz-
    masnahmen gemacht worden,bis her hat keine
    Partei in ihren Wahlpogran gesagt wie sie die
    Klimazile erreichen will es sind nur ungenaue
    angaben wo keiner von schlau wird.

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Veröffentlicht von Luisa Neubauer