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Schufa zu verkaufen 🏷️

Um die Schufa herrscht ein Bieterkampf. Es geht um viel Geld – und um die Daten von rund 70 Millionen Deutschen. Die Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben ein Vorkaufsrecht. Das müssen sie jetzt nutzen und sich gegen einen schwedischen Investor durchsetzen, der noch mehr Gewinn aus der Auskunftei pressen will.

Der Investor EQT will die Schufa kaufen – um mit den Daten von Millionen Deutschen maximale Profite zu machen. Campact startet einen Appell.

Wie ist Dein Kontostand? Hat Dein Kollege Schulden? Was verdient Deine Nachbarin? Das alles geht niemanden etwas an – und doch könnten diese Informationen bald dem schwedischen Investor EQT gehören. Das Unternehmen will die Schufa kaufen – und mit ihr intime Daten von Millionen von Konsument*innen. Die Süddeutsche Zeitung hat aufgedeckt, was EQT mit der Kredit-Auskunftei plant: datengetriebene Geschäftsmodelle, die massig Rendite abwerfen sollen.

Was kaum jemand weiß: Die Schufa ist keine Behörde, sondern eine Aktiengesellschaft. Noch ist sie im Besitz von Kreditinstituten; größtenteils vertrauenswürdigen Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Das könnte sich jetzt ändern. Eine französische Großbank will ihren Anteil an den Finanzinvestor EQT verkaufen. Beim Bundeskartellamt hat das Unternehmen sogar Interesse angemeldet, die Schufa komplett zu übernehmen.

Die Sparkassen und Genossenschaftsbanken können den Deal noch platzen lassen – indem sie die französischen Anteile kaufen. Ihr Vorteil im Bieterkampf: Sie haben ein Vorkaufsrecht. Entscheiden sie sich zum Kauf, zieht EQT den Kürzeren. Lassen sie aber zu, dass sensible Informationen über Millionen Deutsche einfach so verkauft werden, wäre ihr Ruf als verantwortungsvolle Banken in Gefahr

Die Verhandlungen zum Verkauf der Schufa laufen auf Hochtouren. Deshalb machen wir Sparkasse und Co. jetzt klar: Ein Verkauf kommt nicht in Frage. Wenn mehr als 100.000 Unterschriften zusammen kommen, ziehen wir vor die Zentralen von Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken. Gemeinsam fordern wir: Stoppt den Ausverkauf der Schufa!

PS: Mehr als 200 Millionen Euro Jahresumsatz macht die Schufa aktuell – EQT will mit der Auskunftei sogar noch mehr Rendite erwirtschaften. Fordere mit uns: Daten schützen statt Profite maximieren! Unterzeichne auch Du den Appell.

In einer vorherigen Fassung dieses Textes haben wir uns missverständlich ausgedrĂĽckt – tatsächlich kann EQT nach dem Kauf die Schufa-Daten nicht einfach einsehen. Eine ausfĂĽhrliche Klarstellung findest Du hier.

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Autor*innen

Antonia Becher

Antonia Becher weiß als Umweltpsychologin um die Macht der Sprache und hat sie im Bezug auf die Klimakrise wissenschaftlich untersucht. In einer Berliner Werbeagentur lernte sie von der Pike auf wie schlagkräftige Kampagnen funktionieren. Dieses Wissen setzt sie in der Pressearbeit für Ende Gelände und seit Mai 2019 für Campact ein.

6 Kommentare

Kommentare sind geschlossen
  1. Aktuell fechte ich, die ich lt. Bank, das beste Rating habe, dass man als Kundin haben kann, einen Kampf mit der SCHUFA und eben jener Bank aus. Das „Geschäftsgeheimnis“, wie die SCHUFA zu ihrem Score kommt (von obersten deutschen Gerichten bestätigt, dass sie das dĂĽrfen!!!) können sie mit ins Grab nehmen. Was mich empört: es gibt ĂĽberhaupt keine Transparenz, wie es zu negativen Einschätzungen kommt und das selbst bei herausragender Bonität.
    Nur die Deutschen haben eine SCHUFA. Banken, Geschäfte, ect. in anderen Ländern überleben ganz offenbar ohne so eine Firma. Deswegen geht es nicht um die Frage, ob und an wen die SCHUFA verkauft wird, sondern warum wir dulden sollen, dass eine Aktiengesellschaft mit meinen Daten 1. permanent Geld verdient und 2. Bürger/innen, selbst die, die einen tadellosen finanziellen Leumund haben, in Verruf bringt.

  2. Die Sammlung persönlicher Daten – zu welchem Zweck auch immer – gehört in staatliche Hand und ist auf der Grundlage klarer gesetzlicher Bestimmungen zu regeln, die jederzeit parlamentarisch ĂĽberprĂĽft werden können. Die Schufa macht deutlich, welche Gefahren mit einer privatrechtlich organisierten Datensammlung zusammenhängen. Auf völlig legalem Weg kann ein solches Unternehmen in die Hände neuer EigentĂĽmerinnen und EigentĂĽmer ĂĽbergehen, von denen niemand weiĂź, wer hinter ihnen steht. Heute Schweden – morgen eine andere an persönlichen Daten interessierte Einrichtung. Es wird höchste Zeit, dieses sensible Gebiet in den öffentlichen Dienst zu ĂĽberfĂĽhren.

  3. Macht Campact sich jetzt zum Sprachrohr von Finanzinteressen deutscher Banken und Sparkassen? „Wie ist Ihr Kontostand? Hat ihr Kollege Schulden? Was verdient Ihre Nachbarin?“ steht in der eMail von Campact. Haben Sie oder ich etwa Zugriff auf diese Daten? Nein. Aber die Schufa und interessierte Unternehmen. War die französische SociĂ©tĂ© GĂ©nĂ©rale etwa eine Verbraucherschutzorganisation? Die Sparkassen in Deutschland sollen „halbwegs seriös“ sein? Mit „Zinsberechnung auf Gutsherrenart“? (rnd, 28.01.2022) Und jetzt auf einmal Angst, weil ein schwedisches Private-Equity-Unternehmen die lukrative Datenkrake Schufa kaufen will? Die Schweden sind doch berĂĽhmt fĂĽr eine in ihre Verfassung geschriebene Offenheit und Transparenz. „Der Blick in die Steuererklärung der Nachbarn ist kein Problem […]“ (SĂĽddeutsche Zeitung, 21. Mai 2010) – ganz ohne Schufa. – Deutsche Datenkrake gegen schwedisches Private-Equity-Unternehmen. Und Campact auf der Seite einer Datenkrake? Beenden Sie diese Kampagne!

  4. Die SchuFa hat jahrelang ungefragt unsere persönlichen Finanzdaten gesammelt, und fast jeder hat irgendwann einmal Ă„rger wegen ihr und persönliche finanzielle EinbuĂźen hinnehmen mĂĽssen! Und nun soll sie verkauft werden!? Ich bin der Meinung: Der Staat hat jahrzehnte lang zugesehen wie unsere persönlichen Daten gesammelt wurden, ohne dass man sich effektiv dagegen wehren konnte, jetzt sollen sie verdammt nochmal auch diese Daten schĂĽtzen: Bundesregierung: kauft die Scheiss Schufa und sorgt dafĂĽr dass die Daten nicht an dritte weitergegeben werden können , so wie in der Datenschutzverodnung festgelegt! WEG mit der Schufa, wndgĂĽltig! …. aber bitte nicht verkaufen!

  5. Den Verkauf der Schufa wird man nicht verhindern können
    da helfen auch keine Unterschriften wenn die Banken sich
    nicht gegen die Investoren durch setzen können wird es
    fĂĽr die Kunden der Banken nicht gut aus sehen niemand
    gehen die Daten von Kunden etwas an.

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