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Campact mit Sternchen

Mitgemeint ist nicht mitgedacht: Campact streitet seit Jahren für die Gleichstellung der Geschlechter – dem wollen wir auch in unseren Texten nachkommen.

Gendern bei Campact / Foto: Campact e.V. [CC BY-ND 2.0]

Die Chefs der fünf größten Wirtschaftskonzerne treffen sich an einem Freitag zum späten Mittagessen im italienischen Restaurant. Nach Vitello Tonnato, Rumpsteak und schwerem Rotwein, fahren sie zurück ins Büro. Vor der Tür merken sie, dass sie ihre Schlüssel vergessen haben – sie haben ihre Handtaschen, inklusive Schlüssel, im Lokal liegen lassen.

Bist Du überraschst? Hattest Du direkt an fünf Männer gedacht? Das kleine Gedankenspiel zeigt, warum es wichtig ist, zu gendern.

Warum gendern sinnvoll ist

Deutsch ist eine Sprache, die das Geschlecht zum Ausdruck bringt. Sie kann ausschließend oder inklusiv sein. Campact streitet seit Jahren für die Gleichstellung der Geschlechter – dem wollten wir auch immer in unseren Texten nachkommen. Also haben wir Männer und Frauen separat angesprochen – als Bürgerinnen und Bürger oder als Unterstützer/innen.

Voll zufrieden waren wir damit nicht: Wenn Campact dazu einlädt, einen Appell zu unterzeichnen oder auf eine Demo zu kommen, dann möchten wir, dass sich alle angesprochen fühlen: Frauen, Männer und alle Menschen, die weder eindeutig männlich noch weiblich sind.

Das Gendersternchen

Also haben wir uns dazu entschieden, das Gendersternchen (*) zu nutzen. Das Sternchen wird zwischen der männlichen und weiblichen Endung eingesetzt. Es steht für alle, die sich nicht als männlich oder weiblich definieren – sondern als divers. Statt von Bürgerinnen und Bürgern schreiben wir also von Bürger*innen, statt von Politiker/innen von Politiker*innen. So beziehen wir nicht nur Männer und Frauen, sondern auch Menschen mit anderer geschlechtlicher Identität mit ein.

Damit wird Campact der gesellschaftlichen Wirklichkeit gerecht. Denn es gibt nun mal nicht nur zwei Geschlechter. Das hat auch der Bundestag erkannt – und 2018 eine dritte Geschlechtsoption im Gesetz verankert.

Warum das Gendersternchen?

Um andere Geschlechter mit einzubeziehen, gibt es viele Möglichkeiten. Man kann Bürger_innen schreiben oder von Menschen in Deutschland. Ob Sternchen, Doppelpunkt oder Unterstrich – sie haben alle ihre Vor- und Nachteile. Für Menschen aus dem Autismus-Spektrum kann der Stern beispielsweise leichter zu erkennen sein als der schlanke Doppelpunkt oder der niedrig gelegene Unterstrich. Wir haben uns dazu entschieden, das Gendersternchen zu nutzen.

Das Gendersternchen ist der Anglizismus des Jahres 2018. Feministische Magazine und Blogs oder Organisationen wie Pinkstinks nutzen das Sternchen schon lange. Doch was für uns vor allem für den Genderstern spricht: Er wird in einer Mehrzahl der Medien, die gendern, genutzt. Das ist nützlich, damit Leute sich schneller an eine andere Schreibweise gewöhnen – gerade dann, wenn sie generell mit der Idee eher fremdeln.

Mitgemeint ist nicht mitgedacht

Viele andere Organisationen oder große Tageszeitungen gendern nicht, sondern nutzen ausschließlich das generische Maskulinum. Frauen werden dann (wenn überhaupt) mitgemeint. Wir bei Campact finden, das reicht nicht. Zahlreiche Studien haben bewiesen, dass Menschen bei männlichen Berufsbezeichnungen an Männer denken. Sprache schafft eben Wirklichkeit.

Hierfür werden wir in Zukunft auch vermehrt auf genderlose Formen setzen – sogenannte Partizipien wie Studierende, Wahlberechtigte oder Kandidierende.

Für mehr Gendersensibilität

Campact will Politik bewegen und streitet seit Jahren für die Gleichstellung der Geschlechter. Wir sind davon überzeugt, dass Sprache dafür unabdingbar ist. Wir – als Campact – haben uns aus verschiedenen Gründen für den Genderstern als Eigenschreibweise entschieden. Für uns ist aber eben auch klar, es gibt nicht die „eine“ oder die „richtige“ Art zu gendern. Und selbstverständlich wollen und können wir niemandem vorschreiben, wie sie*er schreibt.

Feedback und Anmerkungen liest die Redaktion gerne unter: blog@campact.de

Darum gibt es bei Campact auch einen Ort, an dem ein Gender-Doppelpunkt oder andere Schreibweisen vorkommen können – und zwar hier im Campact-Blog. Unsere Gastautor*innen sollen ihre Einschätzung, ihre Meinung und ihr Wissen auf ihre Art einbringen. Deshalb wollen wir, dass sie ihre eigene Sprache nutzen können. Wichtig ist uns dabei nur, dass sie gendergerechte Sprache nutzen. Denn sie bringt uns einen kleinen Schritt näher in Richtung Gleichstellung aller Geschlechter.


Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist erstmalig im April 2019 erschienen. Wir haben den Text aktualisiert und erneut veröffentlicht. 

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Autor*innen

Vera Kuchler arbeitet seit 2017 als Redakteurin bei Campact. Die ausgebildete Soziologin und gelernte Journalistin beschäftigt sich im Blog vor allem mit dem Thema „Arbeit und Geschlecht“. Alle Beiträge

13 Kommentare

Kommentare sind geschlossen
  1. Ich möchte gerne den Menschen ins Gesicht schauen. Wenn sie mir dann erklären möchten, dass sie ein anderes Geschlecht haben als ich, dann ist das „ok“. Aber generell interessiert mich das nicht. Das ist eine so persönliche Sache und wird jetzt von Wenigen ans Tageslicht gezerrt. Wer will mir weiß machen, dass das von der Allgemeinheit gewünscht ist?

    An welchem * kann ich dann noch erkennen, dass hier eine recht männliche Frau angesprochen wird, oder ein recht weiblicher Mann? Oder ein oder eine ???

    Schreiben Sie ruhig Ihre Sternchen weiter. Mich stört das beim Lesen. Ich fühle mich bei jedem * unangenehm vom Schreiber in eine Ecke gedrängt, die nicht meine ist. Ich werde entsprechende Texte meiden und weiterhin jedem Menschen freundlich ohne Vorurteile ins Gesicht schauen. Neugierig auf das was er mir erzählen will.

    Neutrale Sterne grüßen

  2. Frau, Mutter, alleinerziehend als zahnmedizinische Prohylaxeassistentin (ZMP) in Berlin Zehlendorf – Gendersternchen hilft hier leider nicht

    Eben habe ich 20 Minuten daran gesessen, das Wort „Vertreter“ im Genitiv mit Sternchen zu gendern. Das geht dann so los, dass man des*r Vertreters*in schreibt und findet, dass sich das nicht liest. Man probiert es mit Schrägstrich, aber dann müsste der restliche Text ja auch angepasst werden…
    Ja, Sprache ist eine Waffe und ja, es ist wichtig, dass wir darauf achten, wie wir Worte benutzen. Aber Macht ist auch eine Waffe, die im Moment so ausgenutzt wird, dass einem Hören uns Sehen vergeht. Vor einer halben Stunde rief mich meine Freundin an, sie sei fristlos entlassen worden. Grund: Sie hat es gewagt, nach einem Betriebsunfall zum Arzt zu gehen. Sie ist alleinerziehend mit 3 Kindern, hat einen typischen Frauenberuf und wird dermaßen schlecht bezahlt, dass sie teilweise auf Sozialleistungen angewiesen ist.
    Hilft ihr das Gendersternchen?

    • Hallo,

      Du hast recht: Es ist für diese Frau gerade besonders wichtig, gegen andere Ungerechtigkeiten zu kämpfen. Das Gendersternchen ist verständlicherweise aktuell nicht ihr größtes Problem. Auch wir streiten jeden Tag gegen diese Formen der Ungerechtigkeit. Doch die Sprache, die wir dabei nutzen, ist auch wichtig. Denn Sprache schafft Wirklichkeit. Wenn zum Beispiel Mädchen durch Sprache, Medien und Erziehung von Beginn an gezeigt wird, dass sie alles werden können und Jungen ebenso, dann haben sie echte Wahlfreiheit und können das tun, was ihnen am meisten liegt.

      Viele Grüße
      Das Campact-Team

  3. Wie spricht man das Sternchen verbal aus?
    Im südl. Afrika gibt es bei einigen Stämmen Knacklaute. Wie wär`s damit?

    • Hallo Lothar!
      Man spricht das Sternchen in der Regel nicht oder macht eine sehr kurze Pause. Da glottale Verschlusslaute für die meisten Erwachsenen nicht oder nur sehr schwer zu erlernen sind, bieten sie sich wohl nicht an.
      Beste Grüße vom Campact-Team

  4. Das Partizip Präsens (studierend, singend, laufend, radfahrend, mitarbeitend oder mithelfend) bezeichnet ein momentanes Geschehen, das seinem Wesen nach gerade abläuft. Das ändert sich auch nicht durch die Substantivierung. Beim Mitarbeiter oder Sänger handelt es sich um einen Status. Das Problem zeigt sich, wenn das Substantiv mit einem Partizip Präsens verbunden wird. Wenn berichtet wird, Mitarbeiter seien im Schlaf ermordet worden, handelt es sich nicht um schlafende Mitarbeitende, sondern um schlafende Mitarbeiter. Niemand kann gleichzeitig schlafen und mitarbeiten. Singende können auch nicht gleichzeitig schlafen! Sänger können schlafen und dann singen. Radfahrende können nur dann gleichzeitig Singende sein, wenn sie auf dem Rad fahrend singen. Bei Radfahrenden ist das Schlafen allerdings lebensgefährlich. Gibt es tote Radfahrende?
    Studierende können ebenfalls nicht schlafen und gleichzeitig studieren. Schlafend studieren bleibt ein Traum.
    Zurück zur Zeichensprache? Nein danke!

    • Hallo!

      Wie Du, beschäftigen auch wir uns intensiv mit Sprache. Und es ist schön zu sehen, wie unterschiedlich Menschen sie nutzen und ihre Regeln interpretieren. Über das Partizip I steht im Metzler-Lexikon Sprache (Metzler, 2000), dass es “einen Verlauf charakterisiert”. Wie lange dieser Verlauf sein kann, wird nicht spezifiziert. So kann man eine Studierende sicherlich als eine Frau interpretieren, die jetzt in diesem Moment ein Buch liest oder einer Vorlesung lauscht. Es ist aber ebenso denkbar, die komplette Phase des Studiums als Verlauf zu betrachten.
      Zudem sollten wir bei solchen Diskussionen im Kopf behalten: Sprache ändert sich. Wir schreiben im Deutschen das “Tor” nicht mehr mit “Th”, “Goethe” nicht mehr mit “ö” und die aktuelle Grammatik des Dudens erlaubt es, “das Mädchen” nicht nach dem Diminutiv “es” zu nennen, sondern das Pronomen des natürlichen Geschlechts zu wählen und “sie” zu schreiben. (Belege: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm sowie Duden). Auch der Gebrauch des Partizip Präsens ist Änderungen unterworfen – die wir alle zusammen als Gesellschaft bewirken.
      Jede*r von uns kann kreativ sein – und sich überlegen, wie starke, unkomplizierte Sprache aussehen kann. Deutsch ist sehr biegsam, das hat die Sprache über viele Jahrhunderte bewiesen. Neue Konventionen und Phänomene brauchten stets neue Ausdrücke und Regeln, und sie fanden sich.
      Da wir uns sicher einig darin sind, dass sich alle Menschen in dieser schönen Sprache wiederfinden sollten, bin ich sehr gespannt auf Deine Vorschläge für gute inklusive Formulierungen. Wir sind für Anregungen offen!

      Liebe Grüße vom Campact-Team

    • Lieber Lothar,

      sehr genau beobachtet – genau diese Annahme, dass es sich um einen männlichen Restaurantbesitzer handelt, würden die meisten Menschen wohl treffen. Im Beispiel wird das generische Maskulinum gezielt genutzt, um genau das zu zeigen. Das ist auch der Grund, warum wir in unseren Texten gendern. In dem Fall würden wir wohl am ehesten die Formulierung „im italienischen Restaurant“ wählen.

      Lieben Gruß
      Das Campact-Team

  5. > „Die Chefs der fünf größten Wirtschaftskonzerne treffen sich an einem Freitag zum späten Mittagessen beim Italiener. […] sie haben ihre Handtaschen, inklusive Schlüssel, im Lokal liegen lassen.“
    >
    > Bist Du überraschst?

    Nein.

    > Hattest Du direkt an fünf Männer gedacht?

    Ja. Die Chefs der fünf größten Wirtschaftskonzerne *sind* Männer.

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