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Eine Erde – klimagerechte Digitalisierung für alle

Der Tag der Erde am 22. April ist ein guter Anlass, um über klimagerechte Digitalisierung nachzudenken, die allen Menschen auf dem blauen Planeten hilft. In der Digitalpolitik könnte das helfen, neue relevante Ziele zu formulieren.

Zum Tag der Erde im April schreibt Friedemann Ebelt im Campact-Blog dazu, wie Digitalisierung nachhaltig funktionieren kann.
Quelle: deepmind / Unsplash

Der Tag der Erde am 22. April ist ein globaler Aktionstag, an dem es darum geht, sich bewusst zu machen, dass es für alle Lebewesen nur diese eine Erde gibt. Die Prognosen für unsere Zukunft hier auf dem blauen Planeten sind alarmierend: Der steigende Meeresspiegel wird Städte und ganze Inseln unbewohnbar machen. Starkniederschlag, Trockenheit und extreme Temperaturschwankungen werden Ernteausfälle, den Wassermangel, das Wald- und Artensterben und den Hitzestress im Sommer weiter verschärfen. Schon jetzt haben zwei Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser bei zunehmenden Temperaturen und Trockenheit.

Alle Beiträge im Blog zu Klimakrise und Digitalisierung findest Du hier:

Glitzer- und Lametta-Digitalisierung

Je weniger es gelingt, alle gesellschaftlichen Bereiche auf Nachhaltigkeit umzustellen, desto größer werden die ökologischen, menschlichen, sozialen und ökonomischen Verluste in der Zukunft ausfallen. Später reparieren geht nicht. Bei der Energie und im Verkehr ist der Lösungsweg klar und geradlinig: Raus aus fossilen Energieträgern.

Aber für eine nachhaltige Digitalpolitik fehlt die Vision. Wir haben keine Vorstellung davon, wohin es gehen muss, damit Digitalisierung einen spürbar wirksamen Beitrag zur Abmilderung der eigentlichen Kernprobleme leistet. Es gibt keinen Leitsatz.
Klar ist aber: Weder Menschen noch Planeten ist mit einer Glitzer- und Lametta-Digitalisierung geholfen, die lediglich unsere derzeitige klimaschädliche und ungerechte Lebensweise auf Bequemlichkeit optimiert. Mehr Effektivität bei der Herstellung von Konsumgütern hilft genauso wenig wie digital gesteuerter Autoverkehr oder noch weiter aufgeblasene Unterhaltungsangebote. Das Wesen der Digitalisierung muss nachhaltig werden. Jedes Bit muss klimagerecht werden. Aber was heißt das?

Eine Digitalisierung für alle

Mittlerweile wird zunehmend in den Blick genommen, dass die Einspareffekte, die wir durch Digitalisierung erzielen, durch mehr digitalen Konsum überholt werden können. Es ist gut, wenn Geräte weniger Strom verbrauchen, es bringt unterm Strich aber nichts, wenn es immer mehr Geräte werden, die immer häufiger genutzt werden, während ihre Lebenszeit immer kürzer wird.
Ein Aspekt, der noch kaum mitgedacht wird ist, dass Digitalisierung nur nachhaltig sein kann, wenn sie global gerecht ist.

Denn es ist nichts erreicht, wenn ein kleiner Teil der Weltbevölkerung von Digitalisierung profitiert, während die Digitalisierung die Interessen aller anderen Menschen und den Zustand des Planeten weitgehend ignoriert. Wer lediglich an die eigene Welterfahrung denkt, wird zu keiner nützlichen Vorstellung von nachhaltiger Digitalisierung gelangen. Digitalisierung muss sich an den Realitäten der Menschen orientieren, die als erste und am stärksten von den Folgen unserer energie- und resourcenintensiven Lebensweise leiden. Nachhaltig ist nur eine Digitalisierung für alle.

Die digitale Kluft

Die sogenannte digitale Kluft ist im Grunde nichts anderes als globale Ungerechtigkeit. Dass das ein Problem für nachhaltige Entwicklung darstellt, hat der Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) erkannt:

Die bestehende digitale Kluft, insbesondere in den Entwicklungsländern, und das Fehlen einer angemessenen Steuerung der digitalen Revolution können die Rolle behindern, die die Digitalisierung bei der Erreichung strenger Klimaschutzziele spielen könnte.

IPCC, eigene Übersetzung

Wie kann diese angemessene Steuerung aussehen? Im Zuge einer Konferenz der grünen Bundestagsfraktion gab Dr. Konstantin von Notz (Grüne) auf Mastodon (sein Account) folgenden Impuls:

Eine wirklich nachhaltige Digitalisierung zeigt sich offen und transparent statt sich abzuschotten (…). Sie bindet zivilgesellschaftliches Know-How ein. (…) Digitale Nachhaltigkeit weiß (…) um den Wert von Openness als Grundprinzip der Digitalisierung insgesamt. [Sie] findet Überholspuren im Netz für diejenigen, die eben etwas mehr zahlen können nicht richtig sondern falsch. (…) Sie weiß, dass es gerade in verfassungsrechtlich heiklen Feldern sicherheitspolitisch absurd und auch menschenrechtlich nicht tolerabel ist, öffentliche Kohle in Programme von extrem windigen IT-Firmen zu stecken, die auch von allen Despoten dieser Welt sehr gerne genutzt werden. (…) Sie weiß, dass wir davon wegkommen müssen, dass wir Geld in Lizenzgebühren weniger großer Firmen statt in freie und offene Software stecken, die der Allgemeinheit zu gute kommen. (…) [U]nd sie weiß, was die digitale Allmende ist und fördert diesen Bereich entschlossen und steckt Public Money in Public Code. All das gehört eben auch zu einer wirklich gerechten und nachhaltigen Digitalisierung.

Konferenz der grünen Bundestagsfraktion am 10. März 2023 zum Thema „Nachhaltig by design – für eine klimaneutrale digitale Zukunft“

Klimagerechte Datenpolitik

Digitalisierung hilft uns bei unserem existenziellen Klimaproblem nicht, wenn es lediglich darum geht, jeden Gegenstand in einen Computer umzubauen. Digitalisierung hilft uns nur, wenn wir jeden Computer so umbauen, dass er mit jeder Datenverarbeitung Gerechtigkeit und Klimaschutz fördert. Auch der Weltklimarat stellt die Machtfrage, die bereits jetzt in der Digitalpolitik Streitfrage Nummer eins ist:

Eine zentrale Frage ist, wer die Daten kontrolliert und verwaltet, die im Alltag anfallen (Anrufe, Einkäufe, Wetterdaten, Nutzung von Dienstleistungen usw.). Regelungen, die die Enteignung und Verwertung von Verhaltensdaten, die über Smartphones gewonnen werden, einschränken oder verbieten, sind neben der Möglichkeit, Klimabewegungen und politischen Druck von Seiten der Zivilgesellschaft zu erzeugen, entscheidende Aspekte der Digitalisierung. Es müssen Governance-Mechanismen entwickelt werden, um sicherzustellen, dass digitale Technologien wie KI ethische Entscheidungen übernehmen.

IPCC, eigene Übersetzung

Noch kommen die Perspektiven des Weltklimarats und anderer Klimaakteure zu digitalpolitischen Debatten wie Plattformregulierung, Marktmacht, Tracking und Konsum im Internet und die Rolle der (auch digital engagierten) Zivilgesellschaft viel zu kurz. Schön zu sehen ist aber gleichzeitig, dass immer mehr Nichtregierungsorganisationen aus den Bereichen Entwicklung, Wirtschaft, Umwelt und Grundrechte in diese Debatten einsteigen.

Danke dafür und weiter so! Denn im Grunde ist jeder Tag ein Tag der Erde!

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Autor*innen

Friedemann Ebelt engagiert sich für digitale Grundrechte. Im Campact-Blog schreibt er darüber, wie Digitalisierung fair, frei und nachhaltig gelingen kann. Er hat Ethnologie und Kommunikationswissenschaften studiert und interessiert sich für alles, was zwischen Politik, Technik, und Gesellschaft passiert. Sein vorläufiges Fazit: Wir müssen uns besser digitalisieren! Alle Beiträge

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