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Radfahren im Winter

Radfahren ist gesund – besonders im Winter. Allerdings ist das Wetter meist schlechter und die Straßen gefährlicher als sonst. Wie Du trotzdem sicher auf zwei Rädern durch den Winter kommst, erfährst Du hier.

Fahrradfahren im Winter: Bei verschneiten oder glatten Straßen kann das ganz schön gefährlich sein – wir erklären dir, wie du trotzdem sicher auf dem Fahrrad durch den Winter kommst.
Foto: IMAGO / bodenseebilder.de

In dicken Wintersachen in den überfüllten Bus mit beschlagenen Scheiben? Morgens mit frierenden Händen die Autoscheiben freikratzen? Wer sich trotz winterlicher Temperaturen auf das Rad schwingt, muss sich um diese Dinge nicht scheren. Trotzdem lassen viele ihr Rad in der kalten Jahreszeit stehen. Dabei ist Radfahren nicht nur gut für Umwelt und Klima, sondern gerade im Winter auch für die eigene Gesundheit.

Gut für die Gesundheit

Radfahren ist immer gesund. Die gelenkschonende Bewegung ist gut für Herz und Kreislauf und hält die Muskeln aktiv. Außerdem stärkt Radfahren das Immunsystem, was uns besonders im Winter zugute kommt. Erkältungserreger haben dadurch weniger Chancen. Wer außerdem im Tageslicht radelt, kann Vitamin-D-Mangel vorbeugen und die Gefahr einer Winterdepression verringern. Um bei ungemütlichem Wetter nicht durchzufrieren, empfehle ich Regenjacke, Regenhose und je nach Schuhwerk wasserfeste Überzieher. Denn nichts macht schlechtere Laune als mit nassen Füßen im Supermarkt oder im Büro anzukommen. Wichtig bei der Kleidung ist aber vor allem auch die Sicherheit.

Sehen und gesehen werden – das ist im Straßenverkehr grundsätzlich wichtig und in der dunklen Jahreszeit besonders. Da Winterkleidung meist dunkel ist, empfehle ich, extra Reflektoren zu tragen. Die gibt es beispielsweise als kleine Manschette für den Arm oder das Bein oder noch besser als Weste. Teilweise verfügen Reflektoren sogar über leuchtende Lampen. Vor allem bei Kindern sollte man darauf achten, dass sie trotz der geringen Größe gut gesehen werden. Besonders für sie eignen sich Helme mit eingebauter Rückleuchte.

Das Fahrrad fit machen

Apropos Rückleuchte: Sie sollte beim Fahrrad in einwandfreiem Zustand sein – ebenso wie die Frontleuchte natürlich. Wer Stecklichter verwendet, sollte auf jeden Fall dafür sorgen, dass die gut aufgeladen sind, bzw. rechtzeitig die Batterien wechseln. Neben den Lichtern sind vor allem die Bremsen wegen der längeren Bremswege auf nasser Fahrbahn wichtig. Sie sollten zeitnah nachgezogen werden, sobald die Bremskraft nachlässt. Voll aufgepumpte Reifen sind grundsätzlich gut, um den Widerstand auf dem Asphalt zu verringern, im Winter jedoch erhöhen sie die Rutschgefahr. Drum einfach ein wenig Luft herauslassen, um die Auflagefläche zu vergrößern. Darüber hinaus gibt es für Fahrräder auch extra Winterreifen, einige Modelle sogar mit kleinen Metallstiften, sogenannten Spikes. Diese sind aber wirklich nur für den Einsatz bei Schnee und Eis gedacht. Ob der Einsatz sich lohnt, hängt von den örtlichen Gegebenheiten ab – für Hamburg lohnen sie sich auf jeden Fall nicht.

Doch egal wie gut das Equipment: Genauso sicher wie im Sommer ist Radfahren im Winter bei uns leider nicht. Das müsste aber nicht so sein.

Rutschige Fahrradwege

Laut der Studie „Mobilität in Deutschland“ des Bundesverkehrsministeriums nimmt der Radverkehr im Winter um etwa 50 Prozent ab. Woran das liegt, deutet das Ergebnis einer ADAC-Umfrage an, wonach die Hälfte der Winterradler*innen angibt, dass sie besonders schlecht geräumte Radwege nerven. Anders als Straßen werden sie naturgemäß nicht so schnell durch das Verkehrsaufkommen frei gefahren. Vor allem aber werden sie nicht so oft gestreut. 

Bei mir in Hamburg beispielsweise verpflichtet das Hamburgische Wegegesetz (HWG) nicht zur Durchführung eines Winterdienstes auf Radwegen. So wird nur auf „einem ausgewählten, zusammenhängenden Radwegenetz“ ein Winterdienst durchgeführt. Zu dem muss man aber erstmal hinkommen. Dabei sollten aus Sicherheitsgründen die Radwege möglichst umfassend und noch vor den Straßen geräumt werden, wie der ADFC fordert. Fachleute plädieren außerdem für die sogenannte Schwarzräumung, das heißt die komplette Räumung der Radwege, sodass der schwarze Asphalt wieder sichtbar wird. So muss kein Splitt gestreut werden, der für Radfahrer*innen eine Rutschgefahr darstellt.

Safety first!

Solange Radwege nicht freigeräumt werden, heißt es Aufpassen. Denn was haben frischer Schnee, festgefahrener Schnee und gefrorener Schnee gemeinsam? Genau, rutschig sind sie alle. Fahr darum vorsichtig, vorausschauend und mit angemessener Geschwindigkeit. Es ist besser früher schon leicht zu bremsen, als später bei einer starken Bremsung über die rote Ampel auf die Kreuzung zu rutschen. Wenn Dir die Verhältnisse zu unsicher sind, lass das Rad stehen und weise deine Stadt oder Gemeinde auf den schlechten Zustand der Radwege hin – damit sich das hoffentlich in Zukunft ändert.

Egal ob zu Fuß, mit Rad, Bus oder Auto: Komm gut durch den Winter!

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Autor*innen

Matthias Flieder ist studierter Geisteswissenschaftler und seit 2017 Campaigner bei Campact. Nachdem er zuvor für Greenpeace hauptsächlich für Klima- und Umweltschutz aktiv war, versucht er jetzt in allen Politikfeldern progressive Politik voranzubringen. Für den Campact-Blog schreibt er über die Freuden und Leiden des Fahrradfahrens und die deutsche Verkehrspolitik. Alle Beiträge

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