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Kompromiss im Krippenstreit: Rechtsanspruch ab 2013

Nun hat sich der Koalitionsausschuss also doch geeinigt: Nach monatelangen Streitigkeiten vereinbarten die Spitzen von SPD und CDU gestern einen Rechtsanspruch auf Krippenbetreuung ab 2013, wenn das Ziel von 750. 000 Krippenplätzen bis dahin tatsächlich erreicht ist. Jedem dritten Kleinkind stünde dann ein Krippenplatz zur Verfügung, was dem ermittelten Bedarf nach Krippenplätzen entspricht. Dann würde für Eltern endlich mehr Wahlfreiheit bestehen, ob sie ihre Kinder allein zu Hause umsorgen oder zeitweise einer Krippe anvertrauen wollen.

Dass der Ausbau jetzt ernsthaft vorangetrieben wird, ist angesichts des massiven Widerstands sowohl von Haushalts- als auch konservativen Politikern der Koalition ein Erfolg. Ihnen gelang es nicht, das Thema auf die lange Bank zu schieben oder die Verantwortlichkeit ganz auf die Bundesländer abzuschieben. Der öffentliche Druck auf den Koalitionsausschuss, sich endlich zu einigen, scheint zu groß gewesen zu sein – die E-Mails von Campact-Aktiven an die zuständigen Politiker/innen waren sicherlich ein Teil dessen.

Einigen konnten sich die Koalitionsspitzen darauf, dass für den Ausbau 12 Milliarden Euro veranschlagt werden, von denen der Bund immerhin 4 Mrd. trägt während Länder und Kommunen 8 Mrd. aufbringen müssen. Der Bund will dabei nicht nur – wie noch vor kurzem verlautet – in den Ausbau von Einrichtungen investieren, sondern sich auch an den Betriebskosten der geschaffenen Krippenplätze beteiligen. Der Weg des Geld vom Bund zu den Ländern ist indes vermint: Seit der Föderalismus-Reform darf sich der Bund nicht mehr an den Betriebskosten der Länder direkt beteiligen darf. Hier wird aktuell geprüft, ob das Grundgesetz den Umweg über eine „Familienstiftung des Bundes“ zulässt.

Die entscheidende Frage, woher das Geld kommen soll, lässt der Beschluss indes offen. Von der Leyen verwies auf die „demographische Rendite“ – durch sinkende Geburtenzahlen erfolgende Einsparungen. Doch das wird nicht reichen. Somit ist die Gefahr nicht gebannt, dass der Ausbau der Kinderbetreuung auf Kosten des Kindergeldes geht. Etliche Koalitionspolitiker/innen hatten dies in der Vergangenheit ins Spiel gebracht.

Hinten runter gefallen scheint vorerst auch das Thema Qualität der Krippenplätze zu sein. Dabei müsste hier mindestens genauso viel getan werden wie bei der Quantität. Doch Verbesserung des Betreuungs­schlüssels (3 bis 4 Klein­kinder auf eine Fach­kraft), flexiblere Öffnungs­zeiten, hohe Anforderungen an das Ausbildungsniveau der Fachkräfte und eine bessere Bezahlung der Beschäftigten sind Fehlanzeige im Beschluss des Koalitionsausschusses.

Große Aufregung gibt es indes über ein Betreuungsgeld an Eltern, die ihre Kinder in den ersten 3 Lebensjahren zu Hause erziehen. Die CSU hat versucht, dieses in den Koalitionsbeschluss herein zu verhandeln. Doch erscheint dies eher als Strategie, um Teile der CSU-Wählerschaft mit dem Krippenausbau zu versöhnen als ein ernst gemeintes Unterfangen. Denn endgültig beschlossen werden soll das Betreuungsgeld erst 2013 – abhängig von der dann bestehenden Haushaltslage.

Mehr Krippenplätze soll es also künftig geben – ob sie auch besser werden, bleibt leider offen. Nachdem der Koalitionsausschuss jetzt befunden hat, schließen wir unsere E-Mail-Aktion an dessen Mitglieder ab. Wir danken den vielen Campact-Aktiven, die eine E-Mail versendet haben, für ihre Unterstützung – und denen, die mit dieser Campact-Kampagne nicht so ganz einverstanden waren, für die sachliche und spannende Diskussion.

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  1. Um 12 mrd. in perspektiv zu setzen, müssen wir eine höherre Mathe rätzel lösen. Im Raum stehen sollen €16.000 pro Krippenplatz weil € 12.000.000.000 ausgegebne werden sollen für 750.000 Krippenplätze. Bei ein 1 Betreuer/in pro 4 Kinder macht das € 64.000. Keine frage Kinder betreuung ist erforderlich. Geht es auch günstiger und besser? Ja, es geht. Es muss gehen. € 64.000 für 4 Babies können selbst wir uns eine Reiche Deutschland nicht leisten. Ich hoffe in diese Zahlenwerk entweder eine Fehler eingeschlissen ist oder dahinter etwas anderes steckt.