Atomkraft
Endlager-Symposium im Regen
„Die Asse säuft ab!“ – davor warnen Atomkraftgegner, seitdem im Sommer die katastrophalen Zustände im Atommülllager bei Salzgitter bekannt wurden. Auch unsere gestrige Probebohrung vor dem Endlager-Symposium des Bundesumweltministeriums in Berlin drohte abzusaufen: Es goss aus Kübeln und stürmte. Widrige Bedingungen auch für die Großballons, die vor dem Konferenzgebäude Argumente von Campact-Aktiven zur ungelösten Endlagerfrage […]
„Die Asse säuft ab!“ – davor warnen Atomkraftgegner, seitdem im Sommer die katastrophalen Zustände im Atommülllager bei Salzgitter bekannt wurden. Auch unsere gestrige Probebohrung vor dem Endlager-Symposium des Bundesumweltministeriums in Berlin drohte abzusaufen: Es goss aus Kübeln und stürmte. Widrige Bedingungen auch für die Großballons, die vor dem Konferenzgebäude Argumente von Campact-Aktiven zur ungelösten Endlagerfrage emporhoben.
Die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg hatte den ganzen Tag einen sieben Meter hohen Bohrturm errichtet. Nach dem Motto: „Asse ist undicht, Gorleben löchrig wie ein Schweizer Käse – dann bohren wir jetzt mal in Berlin nach einem Endlager! Irgendwo muss der Müll ja hin.“ Hinter dem Turm wehten unsere Argumente im Wind: „Energie für heute – Probleme für 1.000.000 Jahre!“ – „Asse: Zugegeben, die ersten Jahre Endlagerung waren nicht ideal. Aber die übrigen 999.959 laufen sicher perfekt.“ Immerhin ließen NDR und Tagesschau sich nicht vom schlechten Wetter abhalten und schauten mit Fernsehteams bei unserer Aktion vorbei.
Ziel des Symposiums ist es, die verhärteten Fronten im Streit um die Entsorgung des hochgiftigen Abfalls aufzuweichen und in einen Dialog einzutreten. Eigentlich hatte nämlich die Bundesregierung im Koalitionsvertrag vereinbart, bei der Endlagerfrage in „dieser Legislaturperiode zu einer Lösung zu kommen“. Doch seitdem die Atomlobby allenthalben ein Comeback der Atomenergie predigt, ist eine Annäherung von Atomkraftgegner/innen, Regierung und Betreibern unwahrscheinlicher denn je geworden.
Im Interview mit der Frankfurter Rundschau steckte der Chef des Deutschen Atomforums denn auch die bisherige Linie erneut ab: Alle „Zweifelsfragen zur Eignung von Gorleben“ seien geklärt. „Es gibt nichts, was der Fortsetzung der Erkundung des Salzstocks widerspricht.“ Dabei ist klar: Der Salzstock kann genauso wenig wie das Salzbergwerk Asse auf Dauer den Eintritt von Grundwasser verhindern – und damit das Entweichen von Radioaktivität in die Umgebung.
Umweltminister Sigmar Gabriel (im Bild) will trotz der prekären Eignung an Gorleben festhalten – allerdings nur, wenn an andere Standorte auf ihre Eignung untersucht wurden und sich diese als nicht geeigneter erwiesen. Mögliche andere Standorte wären in Tongesteinsformationen, die sich in Bayern und Baden-Württemberg befinden. Doch die Fans der Atomenergie in der CDU/CSU wollen allzu ungern die Hinterlassenschaften ihrer „Ökoenergie“ im eigenen Bundesland übernehmen. Deshalb blockieren sie Gabriels Suche nach dem besten Standort und setzen auf Gorleben.
Sicherlich – es braucht eine Debatte darüber, wie man den hochgefährlichen Müll so ungefährlich wie möglich einlagert und hunderttausende Generationen nach uns davor warnt. Doch sie darf nicht darüber hinwegtäuschen: Es gibt keine wirklich sichere Endlagerung über Millionen Jahre. Solange jährlich alleine in deutschen AKWs 450 Tonnen hochradioaktiver Müll entsteht, muss es erstmal darum gehen, so schnell wie möglich raus zu kommen aus dieser Wahnsinns-Technologie.
Einen neuen Hebel dafür hat gestern Eurosolar präsentiert: Nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts sind die Betreiber dafür verantwortlich, den Schutz der Bevölkerung vor möglichen Terrorangriffen auf AKWs zu gewährleisten. Die ältesten sieben Atomkraftwerke sind weder gegen Flugzeugabstürze noch gegen panzerbrechende Waffen geschützt. Die Aufsichtsbehörden der Bundesländern könnten jetzt in Zusammenarbeit mit dem Bundesumweltministerium für die Atomanlagen hohe Auflagen erlassen oder die Betriebsgenehmigung entziehen (Mehr in der taz).
Wir die Regierung Ysilanti kommende Woche gewählt, so will der designierte Wirtschafts- und Energieminister Hermann Scheer genau hier ansetzen. Doch Gabriel zaudert bisher. Dabei könnte der Minister hier endlich was tun, statt nur Symposien abzuhalten, wo alle am Ende bestenfalls sagen: Gut, dass wir mal drüber geredet haben.