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Zu klein für den Protest – 50.000 Menschen demonstrieren im Wendland gegen Atomkraft

Auf einem Acker östlich von Dannenberg, zwischen den Dörfern Nebenstedt und Splietau, war heute einiges los: Vor einer großen Bühne standen dicht gedrängt bis zu 50.000 Menschen, wehten hunderte Anti-Atom-Fahnen im Wind. Überall sah man auch das Symbol der „Freien Republik Wendland“: eine orangene Sonne auf grünem Grund. Seit mehr als dreißig Jahren wehren sich […]


Auf einem Acker östlich von Dannenberg, zwischen den Dörfern Nebenstedt und Splietau, war heute einiges los: Vor einer großen Bühne standen dicht gedrängt bis zu 50.000 Menschen, wehten hunderte Anti-Atom-Fahnen im Wind. Überall sah man auch das Symbol der „Freien Republik Wendland“: eine orangene Sonne auf grünem Grund. Seit mehr als dreißig Jahren wehren sich die Wendländer gegen die Pläne der Bundesregierung, hier im östlichsten Zipfel Niedersachsens ein Endlager für hochradioaktiven Atommüll zu bauen. Die heutige Demonstration war die größte, die es jemals im Landkreis Lüchow-Dannenberg gab. Und es schien als sei der Landkreis zu klein für den Ansturm der Atomkraftgegner/innen: So stauten sich die anreisenden Busse und Autos zeitweise durchgehend von Uelzen und Lüneburg bis nach Dannenberg.

Kundgebung

Foto: Jakob Huber

Beim letzten Castor-Transport vor zwei Jahren schon waren über 15.000 Menschen gekommen, um im Wendland gegen die Atompläne zu demonstrieren. Dass heute aber rund 50.000 Menschen kommen würden, damit hätte vor einiger Zeit noch niemand gerechnet. Doch der gesellschaftliche Konflikt um die Atomkraft, der mit dem „Atomkonsens“ der rot-grünen Regierung zu großen Teilen befriedet schien, ist durch die Atompolitik der schwarz-gelben Bundesregierung wieder voll aufgebrochen. Mit einem Unterschied: Der Protest ist viel breiter geworden als noch vor einem Jahrzehnt. Er geht durch alle Bevölkerungsschichten und Generationen. So stand heute Protestveteran/innen neben Senior/innen, jungen Familien mit Kindern, Student/innen, Schüler/innen, Landwirt/innen, Angestellten und Selbständigen.

Trecker

Foto: Jakob Huber

Heute ging es daher auch um viel mehr als um einen Castor-Transport: Es ging um den Protest gegen die Atompolitik der Bundesregierung. Mit den Laufzeitverlängerungen bürden wir nachfolgenden Generationen etliche Tausend Tonnen Atommüll zusätzlich auf – dabei wissen wir immer noch nicht, wohin damit. Die Bundesregierung will den Salzstock Gorleben unbedingt als Endlager durchsetzen und lässt ihn weiter erkunden – dabei haben neue Aktenfunde von Greenpeace über Gasvorkommen im Salzstock aktuell wieder einmal gezeigt, dass bei der Auswahl von Gorleben Tatsachen verharmlost oder ignoriert wurden.

Hier in Gorleben wird so deutlich wie sonst nirgends, dass Atomkraft keine Lösung ist, sondern ein Problem. Jede Industrie muss nachweisen können, dass ihr Abfall sicher entsorgt wird – doch bei der Atomkraft gilt das nicht. Deshalb hält die Regierung immer noch an Gorleben fest, denn sonst stünde sie mit völlig leeren Händen da – Alternativen wurden nie untersucht. Während die Konzerne weiter mit ihren abgeschriebenen Atomkraftwerken Milliardengewinne einfahren, bleibt den Menschen im Land das steigende Risiko von tödlichen Unfällen und zukünftigen Generationen über eine Millionen Jahre der strahlende Atommüll.

Trecker

Foto: Jakob Huber

Etliche tausende Menschen werden auch nach der Kundgebung im Wendland bleiben und weiter demonstrieren. Voraussichtlich MORGEN FRÜH soll der Castor-Zug im Wendland eintreffen. In den nächsten Tagen sind viele weitere Demonstrationen, Aktionen und gewaltfreie Sitzblockaden geplant. Gemeinsam zeigen wir der Bundesregierung, dass sie mit ihrem Atomkurs bei uns nicht durchkommt. Atomkraft – nicht mit uns!!

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Autor*innen

Dr. Felix Kolb ist Politikwissenschaftler. Er promovierte zwischen 2002 und 2005 an der FU Berlin über die politischen Auswirkungen sozialer Bewegungen. Seine Dissertation erschien im Campus-Verlag. Nach dem Studium war er Pressesprecher von Attac. Zusammen mit Christoph Bautz stieß er die Bewegungsstiftung an und initiierte mit ihm und Günter Metzges Campact. Er ist seit April 2008 Geschäftsführender Vorstand. Auf Twitter findet man ihn unter @felixkolb Alle Beiträge

27 Kommentare

Kommentare sind geschlossen
  1. Umweltschützer zeigen sich als Umweltverschmutzer. Die Kommunen waren nach Ender der Demonstrationen gezwungen Tonnen an Abfällen und Müll auf Kosten der Gemeindekasse zu entfernen und zu entsorgen.

    Diese Hinterlassenschaften stellen die Verursacher in ein gänzlich anderes Licht. Nämlich solche „Umweltschützer“ braucht niemand in Deutschland. Der Beweis ist damit angetreten, es geht nur darum Rabatz zu machen um den allgemeinen sozialen und politischen Frust abzubauen. Die Castoren ware dazu im wahrsten Sinen des Wortes nur die „Vehikel“!

    Den Teilnehmern gehts nur um ihre Staatsverdrossenheit, aber nicht um angebliche Atomgefahren. Denn für diese können sie sowieso keine neutralen und wissenschaftlich haltbaren Beweise auf den Tisch lagen. Denn wer glaubt, das Castoren strahlen, kettet sich nicht vor ihnen an die Gleise und sucht auch nicht ansonsten ihre Nähe, sondern bleibt zig Kilometer weit weg..

  2. Interessant finde ich das Selbstverständnis der Anti-AKW Bewegung, wie es in diesem Blog auch öfters zum Ausdruck kommt:

    ein paar tausend oder sagen wir ruhig ein paar zehntausend Leute treffen sich, behaupten, die aus demokratischen Wahlen hervorgegangene Regierung kümmere sich nicht um das Wohl der Bürger – weil die Regierung nicht das macht, was man selber für das einzig richtige hält – und mit dieser Überzeugung ausgestattet, empfindet man sich selber als den wahren Vertreter der Bevölkerung und den Hort der Demokratie – ohne Mandat, ohne Legitimation einfach per Akklamation.

    Demokratische Legitimation wird in Wahlen erteilt und es ist nun mal so, daß die jetzige Regierung – und nicht die Grünen oder eine andere Partei – von der Mehrheit der Bevölkerung gewählt wurde – daran ändern auch Umfragen, die von wemauchimmer in Auftrag gegeben wurden, rein gar nichts. Schon die erste Demokratie der Geschichte hat sehr schlechte Erfahrungen mit Politik auf der Grundlage von „Meinungsumfragen“ gemacht; nur so zur Erinnerung, falls das hier jemand vergessen haben sollte, … ich meine: könnte doch sein, daß ihr „Demokratie“ mit „Ochlokratie“ verwechselt – macht nix, geht der Grünen Parteiführung mal wieder genauso…

    Aber wenn man auch für die Rettung der gesamten Menschheit kämpft, dann kann man ruhig mal auf Demokratie und Verfassung scheißen – Scheiße ist braun, wie die letzten großen Reichs-Retter.

  3. Gut gemacht, Anti Castor Aktivisten !

    Hoffentlich ist Frau Merkel angesichts der
    massiven friedlichen Proteste aufgewacht.

    Schlecht gemacht, Bild-Zeitung !

    Wer so einseitig, reisserisch und aufhetzend
    gegen den zu 99% friedlichen Massenprotest
    berichtet, gehört angezeigt, oder besser noch ignoriert.

  4. Hallo,

    hier mein (durchaus ernst gemeinter!) Vorschlag:

    Da die Erde durch uns Menschen sowieso zu einer der größten Dreckschleudern im All geworden ist, sollte sich die derzeitige Regierung -deren Farben übrigens fast dieselben sind wie die Warnschilder vor atomarer Strahlung..- einmal überlegen, (sofern sie denn überhaupt zum Überlegen fähig ist, was ich Frau Merkel abspreche, da sie wahrscheinlich sogar aushäusigen Rat bei der Bekleidungsindustrie einholt bei ihrer morgendlichen Kleiderwahl…) ob der Atommüll nicht am besten in der Weite des Weltalsl aufgehoben wäre.

    Man könnte auf diese Art und Weise noch manch anderes entsorgen. Aber ich stelle diese Gedanken dem/der geneigten Leser/in anheim.

    Ich wünsche keinen strahlend schönen Tag.

    Beste Grüße
    Michael Hamm
    Journalist „a.D.“ + Schriftsteller

    PS.: Ich schreibe nur Fantasy – realitätsnahes Schreiben brächte mich wahrscheinlich zu sehr in die Gefahr eines Suicides…

  5. Hallo,
    2 kurze Vorschläge zu dem geplanten Spot:

    1. Wie wäre es, wenn der Zug den Schlafenden/Träumenden bevor er dann aufwacht – mit riesengroß werdender Lokomotive – überrollt?
    2. Redet den Mann nicht mit Herr Wulff an. Es geht nicht um Herrn Wulff. Sondern um die Verantwortung und Macht des jetzigen Bundespräsidenten.

    Beste Grüße

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