· von
mal gelesen · 3 Kommentare · Artikel kommentieren

Wikileaks: Der Boykott der Finanzkonzerne

Seit dem Wochenende weigert sich also auch die US-Großbank Bank of America Überweisungen an Wikileaks weiterzuleiten. Damit boykottiert ein weiterer Megaplayer der Finanzindustrie die Enthüllungsplattform. Das Ziel: Wikileaks soll finanziell auf Grund laufen. Die Bank of America ist die größte Bank in den Vereinigten Staaten.

Die Privatjustiz von Kreditinstituten und wichtiger Internetdienstleister sind eine Zäsur für die Pressefreiheit und für die Demokratie. Bisher hat Wikileaks – soweit bekannt – gegen kein Gesetz verstossen, es gibt kein Gerichtsverfahren gegen die Plattform und damit auch kein in einem rechtsstaatlich fairen Prozess zustande gekommenes Urteil. Doch um die Veröffentlichung von geheimen Dokumenten zu unterbinden, soll Wikileaks ohne jede rechtsstaatliche Grundlage durch den Entzug überlebensnotwendiger Dienstleistungen mundtot gemacht werden. Ein Oligopol aus mächtigen Konzernen probt den Boykott.

Boykott – ein Wort mit dem viele Bürgerbewegte und Aktivisten eigentlich große Hoffnungen verbinden; Hoffnungen darauf, dass die Konsumenten endlich die eigene Macht begreifen und übermächtigen Konzernen mit verändertem Konsumverhalten zu einer sozialeren, umweltfreundlichen, den Menschen dienenden Politik zwingen. Boykott – ein Mittel für eine bessere Welt. Funktioniert hat es bisher selten. Als herausragendes Beispiel dient in der Regel der Verweis auf die verhinderte Versenkung der Ölplattform Brent Spar durch den Shell-Konzern. Es geht hier um einen Boykott der eigentlich Ohnmächtigen gegen einen zunächst übermächtigen Gegner. Es geht um David gegen Goliath.

Der Unterschied zum Wikileaks-Boykott ist offensichtlich: Geht der Boykott von unten aus, von den Ohnmächtigen, von den gesellschaftlich Schwachen, die um ein legitimes Anliegen kämpfen, ist er erträglich – ja im besten Fall symphatisch emanzipativ. Er wird dagegen zur unterträglichen Tyrannei, wenn sich die Mächtigen zusammenschließen, um per Boykott den beschwerlichen und disziplinierenden Weg des Rechts zu umgehen, das dazu da sein sollte, die Schwächeren vor der Willkür der Stärkeren zu schützen. Ist dieser Schutz nicht mehr gewährt, wird Widerstand legitim.

Naturgemäß ist ein Boykott von Monopolunternehmen schwierig. Ich kann eben nicht einfach woanders tanken. Klar – alles spricht ohnehin dafür – seine Konten zu kleineren, weniger zentralisierten, vielleicht ethisch verpflichteten Banken zu verlagern. Aber auch der Gebrauch von Kreditkarten lässt sich auf die wirklich unumgänglichen Transaktionen reduzieren. Und natürlich kann ich meine Bücher auch woanders als bei Amazon kaufen.

Veröffentlicht von

Dr. Günter Metzges, Jahrgang 1971, ist Politikwissenschaftler und Erwachsenenpäda­goge. Mitgründer von Campact und MItglied im dreiköpfigen geschäftsführenden Vorstand. Vorher: Gründung des Ökologischen Zentrums in Verden/Aller und Mitwirkung in verschiedenen politischen Kampagnen. 2000-2003 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Internationale und Interkulturelle Studien (InIIS) an der Universität Bremen. Dissertation: „NGO-Kampagnen und ihr Einfluss auf internationale Verhandlungen“ (Nomos Verlag, 2006).

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Boykott ist die einzig wirkende Funktion!
    Nur indem wir entschlossen und geschlossen die Nahrungsgrundlage entziehen, können wir diese Eigenmächtigkeit revidieren lassen.

    Wie heißt es so schön: “Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing’…“

    Ansonsten hift nur auf die digitale Barrikade gehen!
    Z.B.; bei WOT oder anderen Community-Ranking-Systemen abstrafen, Account und Geschäftsbeziehungen kündingen / löschen und PayPal boykottieren!!!

    PS: Da PayPal ja als Luxemburger Bank residiert, wäre ein kleiner Brief an die dortige Finanzaufsicht nicht verkehrt…

    Hoffentlich wird WikiLeaks bald auf alternative Spendendienstleister wie Flattr umsteigen…

  2. Geld verschwendet?! Ich habe die Anzeige in der Süddeutschen gelesen und mich auch an der Aktion beteiligt. Ich finde die Anzeige sehr schlecht. Das Geld hätte man sich sparen können. Warum ist das Logo von Amazon im Weihnachtsgeschäft nicht vertreten und ganzseitige Anzeigen kann man auch an Firmen direkt richten finde ich da die Aufmerksamkeit hier gewiss ist und der Leser das Gefühl hat hier greift eine mächtige Institution die andere an. Bei der kleineren Anzeigen finde ich sollte man das Image direkt angreifen. (sofern das auch erlaubt ist) Man hätte zum Anton Boykott aufrufen können oder die Leute bitten ihre amzon Bestellungen zurückzuschicken (da wäre die Aktion etwas früher besser gewesen.) oder die Konten bei Paypal oder Amazon zu löschen. Außerdem finde ich könnte man bei solchen Anzeigenaktionen uns Spendervieh mehr mit einbeziehen. Sammelt doch im Vorfeld Vorschläge oder stellt welche zur Auswahl. Dank aber für eure anderen Aktionen ich bin sehr froh das es euch gibt und Spende auch gerne mal. Diese war meiner Ansicht nach einen Schuß indem Ofen.

  3. Habe heute meine Konten bei PayPal und Amazon gelöscht.
    Verräter an der demokratie werden von mir nicht mehr unterstützt.
    Es reicht!