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Kein Endlager in Gorleben: Ein gelbes X und rollende Atommüllfässer

Die Hebebühne reckt sich in die Höhe, recht behäbig. Zu langsam für die Journalist/innen darin, sie wollen schnell aus 10 Metern Höhe ein Foto schießen. Der Andrang der Fotograf/innen und Filmer ist groß, der Platz auf der Hebebühne klein. Doch die Mühe lohnt sich. Gut schaut die Aktion aus von oben. So kann man es wunderbar erkennen, das 20 Meter große gelbe X aus Menschen – direkt vor dem Brandenburger Tor.

Das X ist das traditionelle Symbol des Widerstandes gegen ein Endlager in Gorleben. Zahlreiche Atomkraftgegner/innen sind dafür gekommen und wurden gleich mit gelben Leibchen eingekleidet und mit Musik aus dem Antiatom-Bus empfangen. Sie protestieren mit der Aktion für einen Neustart in der Endlagersuche und fordern ein klares Aus für Gorleben als möglicher Standort für ein Atommüll-Endlager. Der Gorlebener Salzstock hat Kontakt zum Grundwasser und liegt direkt über einem großen Ergas-Vorkommen. Denkbar schlechte Voraussetzungen für eine sichere Verwahrung von hochradioaktiven Atommüll. Deswegen geht es nun zu Minister Röttgen, also zum Umweltministerium. Dort wird gleich Röttgen mit VertreterInnen der Bundesländer über einen „Neustart“ bei der Suche nach einem Endlager für radioaktiven Atommüll verhandeln.

Die Demonstrant/innen rollen die Fässer mit „radioaktiven Müll“ vom Brandenburger Tor bis zum Umweltministerium. Die Straße vom Brandenburger Tor hin zum Potsdamer Platz Richtung Anhalter Bahnhof ist vollständig gesperrt – auch die Gegenfahrbahn. Als es los geht und das Foto des Demozuges in Echtzeit bei Twitter verbreitet wird, schreibt Mohnblume2000 : „@campact #Solidarische Grüße aus Frankfurt – Ihr seid klasse – viel Erfolg beim #Widerstand gegen das Endlager #Gorleben!!!“ Doch das Lob gebührt einem ganzen Bündnis aus Organisationen: .ausgestrahlt, BI Umweltschutz, NaturFreunde, der BUND, Anti Atom Berlin, Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg und Campact sind die Organisatoren der Veranstaltung.

Hopp, hopp, hopp – Gorleben stopp! Wir ziehen an den Hochhäusern vorbei, die Atommüll-Fässer donnern über den Asphalt. Aus den Fenstern schauen Menschen, bei dem Tumult könnte es mit dem Arbeiten in den Büros schwierig werden. Passanten machen große Augen und bekommen gleich Flyer in die Hand gedrückt. Vor dem Umweltministerium gibt es dann heiße Getränke und kurze Reden. Als die ersten Politiker eintreffen steigt der Energiepegel nochmal enorm: Der Atommüll wird als Schlagzeug umfunktioniert, Pfiffe ertönen, die Rufe werden lauter. Und wie reagieren die für die Verhandlung mit Röttgen eintreffenden Politiker? Anstatt sich den ansehnlichen Atommüllberg und die Banner von Nahen anzuschauen, nehmen sie den Nebeneingang ins Gebäude. Doch eines ist klar: Die Botschaft haben sie trotzdem nicht überhören oder übersehen können: Kein Endlager für Gorleben! Um das durchzusetzen, zählt weiter jede Unterschrift – hier können Sie den Appell unterzeichnen!

++ Update: Die Ergebnisse des Treffens sind enttäuschend: Zwar hieß es, es werde mehr Beteiligung der Bürger geben. Aber inwiefern das umgesetzt wird ist fraglich. Und vor allem: Gorleben bleibt weiterhin im Topf möglicher Endlagerstandorte. Anscheinend soll „in einem eigenen Beratungsprozess“ über den Salzstock entschieden werden. Berichte über die Verhandlungen gibt es unter anderem auf tagesschau.de, im Hamburger Abendblatt und in der Süddeutschen Zeitung.

7 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Atommüll-Lagerung…
    Da man dort eh schon atomar verseuchte Landschaften hat:

    Wie wär’s mit dem Erzgebirge?
    Die Wismut-AG hat da doch über Jahrzehnte Uran abgebaut und jede Menge kontaminiertes Land hinterlassen.
    Kann man da nicht ein paar hundert Tonnen einlagern?

    Klingt vllt. zynisch, ist aber ehrlich gemeint…

    • Welchen Kriterien ein Endlager genau aufweisen muss, um für Milliarden von Jahren hochradioaktiven Müll aufnehmen zu können und dabei die größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten, das müssen Wissenschaftler erst noch herausfinden.

  2. Nach meiner Meinung war die bisherige Endlagersuche keine Suche nach einem Endlager . Sie hatte nur den einzigen Zweck die Genehmigung für den Bau und Betrieb der AKW´s zu bekommen .
    Nach meiner Meinung ist es auch kein Problem ein sicheres Endlager zu bauen . Einen oder wahrscheinlich mehrere ABC-sichere Bunker und den hochradioaktiven Müll rein . Der muss zum Teil ständig gewartet werden (z.B. die radioaktive Säure zerfrisst selbst die beste Glaskokillen in 15- 20 Jahren , habe ich gelesen . Die wiederaufgearbeiteten Brennstäbe bestehen u.A. aus Plutonium aus dem man pro Brennstab ca 3 Atombomben bauen kann habe ich ebenfalls gelesen . Da das die Begehrlichkeiten sämtlicher Radikalinskies dieser Welt , sei es nun religiöser oder nur krimineller Art , wecken wird , muss das ganze von Polizei oder Bundeswehr bewacht werden . Keinesfalls , wie von der schwarz -gelben Koalition vorgeschlagen ,von privaten Wachgesellschaften .
    Wenn man die dafür anfallenden Kosten von jetzt bis in 1 Million Jahren auf den erzeugten Atomstrom umlegen würde , könnte keiner mehr von billigem Atomstrom reden und die Kürzung der Einspeisevergütung für Alternative Erzeugung verlangen . Ganz zu schweigen von einer Versicherung des Restrisikos , dass uns so einfach zugemutet wird .
    Fazit nach meiner Meinung ist der Atomstrom Der teuerste jemals erzeugte Strom .Vermutlich werden unsere Enkel noch nach 1000 Generationen über uns fluchen über dieses Erbe .£

  3. Was mir wirklich fehlt ist eine KLARE POSITION UND IDEE der Atomkraftgegner – zu denen ich auch gehöre – was mit dem Müll geschehen soll.

    Das ist meine Position:

    #) Eine sichere Lagerung ist unter Tage nicht möglich
    – geologische Veränderungen nicht kalkulierbar
    – eventuell kostspielige, aufwändige Rückholaktionen

    #) Lagerung in einer zentralen, riesigen Deponie hat nur Nachteile
    – Müll muß quer durch Deutschland transpotiert werden
    – eine Katastrophe führt automatisch zu einer RIESEN-Katastrophe (siehe Asse)

    Daraus resultieren meine Überlegungen für eine mögliche kontrollierte Lagerung:

    #) oberirdische Lagerung an Ort und Stelle wo der Müll produziert wurde

    – Lagerung auf AKW-Gelände
    – Es ist bereits “Fachpersonal” an Ort und Stelle
    – es existieren bereits “Sicherheitsmechanismen” – die man sicher noch weiter ausbauen müßte…
    – die Akzeptanz der Bevölkerung vor Ort dürfte größer sein – schließlich hat man dort schon Jahrzehnte mit der Gefahr der atomaren Verseuchung vor der eigenen Haustür gelebt
    – keine kostspieligen und gefährlichen Mülltransporte quer durch die Republik

    Wir dürfen uns nicht nur auf die Position des Protests versteifen, sondern konstruktive Vorschläge liefern, wo der Dreck gelagert werden soll – KONKRETE VORSCHLÄGE!
    Das Blockieren von Castor-Transporten reicht nicht aus…

    Also, eine Frage an CAMPACT und alle Atomkraftgegner:

    Wo in Deutschland ist ein “guter” Standort für den Müll?

    • Es braucht natürlich mittelfristig ein Endlager in Deutschland. Aber statt einer überstürzten Endlagersuche braucht es erst einmal eine breite öffentliche Debatte. Und die fundierte Erarbeitung wissenschaftlicher Kriterien für eine Endlagersuche. Es muss zuallererst nicht um das „Wo“ gehen, sondern um das „Wie“. Welche Vor- und Nachteile hat welches Gestein? Soll der Müll rückholbar gelagert werden und damit über Tage oder oberflächennah? Oder soll er in möglichst tiefe Erdschichten vergraben werden? Diese Fragen sind in der Wissenschaft derzeit noch umstritten. Zudem muss geklärt werden, wie ein transparentes Verfahren zur Endlagersuche aussehen kann, an dem die Bürger/innen ernsthaft beteiligt werden.

      • „Es braucht natürlich mittelfristig ein Endlager in Deutschland. “

        Meiner Ansicht nach führt das Wort „Endlager“ zu einer falschen Sicht der Dinge. Es legt die Assoziation nahe, es gäbe irgendwo, irgendwas, das nicht dem Naturgesetz der ständigen Veränderung sämtlicher Materie unterläge.
        Weder wird es „ein“ Endlager geben noch wird damit die Angelegenheit zu einem „Ende“ kommen.
        Die Lösung kann m.E. nur in mehreren kleinen Lagerstätten liegen.

        Werden die Überlegungen, die (ehemaligen) AKW-Gelände als „Endlager“ zu nutzen, mit einbezogen?
        Oder gibt es dahin gehend keine Konzepte?
        Gibt es bisher schon irgendwelche Konzepte, die annähernd Akzeptanz bei Umweltschützern finden?

        • Für die unterschiedlichen Aktivitätslevel – schwach, mittel und hochradioaktiver Atommüll – werden auch unterschiedliche Endlager-Standorte gesucht. Mit „einem Endlager“ ist in meinem Kommentar zuvor ein Endlager für hochradioaktiven Abfall gemeint.

          Ja, es gibt Konzepte, z.B. vom Arbeitskreis Endlagerung, den Trittin noch ins Leben gerufen hatte. Aber wir finden: Zunächst sollte das „Wie“ geklärt werden und dann das „Wo“. Es müssen Kriterien entwickelt werden, erst dann gilt es, Standorte zu vergleichen. Für die Langzeitsicherheit muss Sorgfalt vor Geschwindigkeit gehen. Es geht darum eine Lösung für eine Millionen Jahre zu finden – das ist ein immenser Zeitraum.

          Welchen Kriterien ein Endlager für hochradioaktiven Müll aber genügen muss, um so sicher wie möglich zu sein, das sollten Wissenschaftler herausfinden. Und zwar bevor Politiker sich voreilig auf die Suche nach neuen Standorten machen. Es gibt Orte, die beispielsweise geologisch nicht geeignet sind, wie die Alpen.

          Ehemalige AKW-Gelände eignen sich höchstens als Zwischenlager, nicht als „Endlager“. Für Endlager braucht es eine Umgebung, durch die der hochradioaktive Müll keinen Kontakt zur Biosphäre hat, also z.B. nicht mit Grundwasser in Berührung kommt. Mögliche Umgebung für „Endlager“ sind Standorte, wo Ton, Salz oder Granit vorliegt.

          Gorleben ist nachweisbar nicht geeignet als Endlager – obwohl es ein Salzstock ist. Deswegen dürfen dort auch nicht Fakten geschaffen werden, indem weiter Geld investiert wird. Es wäre katastrophal, wenn Gorleben als Standort ausgewählt würde. Das muss verhindert werden – auch wenn es noch keinen konkreten Gegenvorschlag für ein Endlager gibt.