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Ideenwerkstatt: Campact-Ermöglicher in Aktion

Wie arbeitet Campact und wie werden die Themen ausgewählt? Wer sind die Menschen, die die Kampagnen starten und wie ticken sie? Mit diesen Fragen im Hinterkopf sind letztes Wochenende gut 50 Campact-Fördererinnen und Förderer von überall aus Deutschland nach Katlenburg gereist – um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und über die Perspektiven bundesweiter, online vernetzter Kampagnenarbeit zu diskutieren. Förderer sind Campact-Aktive, die Campact mit einer regelmäßigen Spende unterstützen. Sie sind es, die unsere Arbeit überhaupt erst möglich machen. Der erste Förderer, dem wir am Bahnhof begegnen, ist direkt aus Ostfriesland gekommen. Zwei Tage mit Gesprächen im Plenum, Kleingruppen-Diskussionen, Impulsvorträgen und die Wahl der Campact-Förderer-Vertretung liegen vor uns.

Ideenwerkstatt heißt Mitmachen von Anfang an
Am Freitag nach dem Willkommensessen stellen wir Campact-Mitarbeiter/innen uns vor. Wir treffen uns im “Pferdestall” der Burg, der uns als Plenar-Saal dient und mit riesigen Rösler- und Aigner-Masken geschmückt ist, wie sie bei den Aktionen zum Einsatz kommen. Antibiotika-Hühnchen und Demo-Transparente zieren die Wände. Die Aktiven, die schon früher angereist sind, helfen uns, dem Saal den letzten Schliff zu geben. Bei der Campact-Ideenwerkstatt sind alle stark inhaltlich involviert, nicht nur das Campact-Team. Am Samstagabend ist dann bei der traditionellen Förderer-Party “einfach Abschalten” und “Abrocken” angesagt. Doch noch ist es nicht soweit.

Ausstellung „8 Jahre Kampagnenarbeit“ für Neulinge
Wer noch nicht so lange dabei ist, findet im Pferdestall einen “Ritt” in Form einer kleinen Ausstellung durch acht Jahre Campact-Kampagnen und Pinnwände, die zum Nachdenken und Partizipieren einladen. Schon zücken die ersten Förderer/innen Stifte und Papier, notieren Themenvorschläge und Ideen. Florian aus München regt beispielweise an, Podcasts zum Herunterladen zu produzieren und häufiger Erklär-Videos für Kampagnen-Themen einzusetzen. Ihm gefällt die Art, wie Campact sich gegen Ungerechtigkeiten einsetzt: “Ihr geht Dinge direkt an, undogmatisch und zielstrebig” meint der Physiker im Gespräch. Wir freuen uns über die vielen Ideen und die konstruktive Kritik.

Improvisieren wie bei unseren Aktionen
Als wir auf Großleinwand Aktions-Videos vorführen wollen, macht uns plötzlich die Technik einen Strich durch die Rechnung. Besser gesagt der Ton. Wie kann das sein? Wir haben es doch vorher noch mehrfach getestet. Während Rupert systematisch das Kabel prüft, holt Luca für Plan B schon neue Lautsprecher und schließt sie an. Carsten, der für die Förderer-Kommunikation zuständig ist und die Veranstaltung moderiert, bewahrt die Ruhe. Als Liveton zu den Videos gibt er Innenansichten aus der Kampagnen-Arbeit zum besten. Und wie bei Ministerin Aigner während der Agrar-Kampagne bleiben wir bei der Panne ebenfalls hartnäckig dran. Dabei tauschen wir uns mit den Förderern im Plenum aus, die uns mit Ratschlägen und einer Taschenlampe :) unterstützen – und schaffen es so doch noch, die Technik ins Laufen zu bekommen. Sogar Astrid, unsere Agrar-Campaignerin, die nicht persönlich da sein konnte, ist so mit dabei – auf Leinwand bei der “Wir haben es satt”-Demo.

Anregungen von Außen zu Web 2.0 und Eurokrise
Für Samstag haben wir zwei Expertinnen für Impuls-Vorträge gewinnen können: Social Media-Strategin Paula Hannemann zum Thema Online Mobilisierung und Autorin und Journalistin Ulrike Herrmann zur Eurokrise, die sie als vierfache Krise analysiert und so leichter durchschaubar macht. Außerdem wollen wir in einer Session ein Gefühl dafür vermitteln, wie mögliche Kampagnen-Themen in unserer Campaigner-Sitzung auf Herz und Nieren geprüft werden. Zum Einstieg schreiben die Teilnehmer/innen ihre gewünschten Kampagnenthemen auf Karten. Drei Favoriten aus der Runde machen schließlich das Rennen, etwa das Thema “Unmenschliche Arbeitsbedingungen in der Textilproduktion”. Der Initiator des Themas hält ein Plädoyer, warum es seiner Meinung nach dazu eine Kampagne geben muss. Nachfragen beantwortet er gekonnt.

Mögliche Kampagnen-Themen in der Mangel
Doch ganz so einfach ist es nicht: Andere Förderer/innen und Mitarbeiter/innen von Campact spielen den Advocatus Diaboli – sie wenden nun die Campact-Kriterien für Kampagnen an. Felix Kolb, einer der drei Geschäftsführer aus dem Campact-Team, hat sie vorher anhand von Beispielen erläutert. Denn jede Entscheidung für eine Kampagne ist zwangläufig auch eine Entscheidung gegen eine andere – die Ressourcen sind begrenzt. Und so entspinnt sich eine turbulente Diskussion: Gibt es überhaupt einen Politikprozess, den man beeinflussen könnte? Wer muss der Adressat der Kampagne sein, um eine Änderung zu erreichen? Kann man die Problematik für jeden verständlich machen? Mit Nachdruck bringen die Teilnehmenden ihre Argumente vor. Andere ergänzen oder geben Hinweise, wie das Thema aufbereitet werden müßte, damit es funktioniert. Nach den ganzen Diskussionen geht es abends rund: Ob „Rauch-Haus-Song“ oder „entre dos tierras“ – die Campact-Förder/innen zeigen sich musikalisch vielfältig interessiert und setzen die beste Tanzenergie aller bisheriger Ideenwerkstätten frei.

Förderer-Beteiligung bei Campact
Viele Gespräche und eine wilde Party später ist Sonntag dann die Wahl für die Mitgliederversammlung. Die Kandidat/innen stellen sich vor: Ein Energie-Experte, eine Gründerin, eine Lehrerin, ein NGO-Berater, ein junger kritischer Geist sind darunter. Die meisten Stimmen bekommen die vielfach und langjährig engagierte Ingeborg, der auf Anhieb die Herzen zufliegen und Christoph, der viel Erfahrung in der Arbeit in Gremien mit bringt. Gleich nach der Wahl stecken beide die Köpfe zusammen. Schon diesen Freitag will Ingeborg bei der finalen Campact-Aktion zum Steuerabkommen in Berlin dabei sein. Besonders spannend für Ingeborg ist die Aktion, da sie bereits beim Brainstorming mitdiskutiert hat. Dort entstand die Aktions-Idee, die unsere Campaignerin Susanne jetzt umsetzen wird. Eine dermaßen schnelle Umsetzung einer Werkstattidee hat’s bisher noch nicht gegeben.

Anstrengend aber motivierend
Am Ende der Ideenwerkstatt sind wir alle sehr müde und glücklich. Und unseren Campact-Ermöglichern hat es auch gefallen scheint’s, wenn man sich das Stimmungsbild anschaut!

7 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hollo liebes Team,
    danke das ich die Möglichkeit habe in diesem Rahmen meine Meinung zu äusern und mich an Aktionen zu beteidigen.
    Mich beschäftigt zur Zeit das Thema über die Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und den Umgang mit diesem Thema.
    Es ist für mich nicht nachvollziehbar, in welchem Masse selbst eine Ehe unter gleichgeschlechtlichen Paaren auf Dinge reduziert werden, z.B. keinen Nachwuchs zeugen, die dazu führen eine andere Wertigkeit der EHE deutlich zu machen um so Steuervorteile und Erbrechte nicht im gleichen Masse geltend machen zu müssen.
    Wer hat das Recht Partnerschaften abzuwerten und es ist eine Wertung, wenn nicht gleiches Recht für alle gilt?
    Wir sollten doch einmal einen Denkanstoss für dieses Thema geben, denn wann immer von Freiheit in unserem Land gesprochen wird, fängt die doch genau bei der Partnersuche an, die Familie ist die kleinste Zelle in unserer Gesellschaft und sollte geschützt werden und nicht auf das Geschlecht reduziert werden.

  2. Hallo liebe Campaigner,
    sehr gern wär ich auch zur Ideenwerkstatt gekommen aber leider gab es schwerwiegende Gründe die das verhinderten.
    Ich habe eine grundlegende Kampangne über die „BRD/Deutsches Reich“.
    Im Www finde ich keine anderslautenden Info’s als daß die BRD seit dem 17.06.1990 als besatzungsrechtliches Provisorium nicht mehr existiert!
    Mit Streichung der Präambel und des Artikel 23 GG durch den damaligen Außenminister der USA James Baker am 17. Juni 1990 in Paris, ist der territoriale Geltungsbereich des Grundgesetzes für die BRD insgesamt mit Wirkung vom 18.061990 erloschen.
    (BGBI. 1990, Teil II, Seite 885, 890, vom 23. September 1990).
    Dies war nur auf Grund der Alliiertej obliegenden Vorbehaltsrechten möglich.
    Damit war die Aufgabe, welche die BRD seit dem 23.Mai 1949 hatte, erfüllt.

    Was sagen Sie dazu, wäre das nicht eine Kampagne wert!?

    Vielen Dank und weiter so
    Jens Nagel

  3. Pingback: Campact Rundmail: Klimakonferenz darf nicht an Rösler scheitern!‏ | Ollie sagt …

  4. Guten Tag,

    „Nur Atomkonzerne meckern über`s EEG“….

    Ich glaube, dass diese Formulierung defensiv ist und vor allem einen Leser nicht richtig aktiviert.
    Ich habe lange über etwas Besseres nachgedacht. Hier mein Ergebnis, das vielleicht eine bessere Richtung aufzeigt:
    „Zeigen Sie den Atomkonzernen Ihre Rote Karte!
    Lassen Sie sich nicht belügen!“

    Gruß
    Robert

  5. Hallo Sandra,

    da hast du aber eine sehr schöne und gelungene Zusammenfassung geschrieben.

    Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, die Diskussionen und Vorträge waren sehr interessant und ich habe mich wohlgefühlt. Es gibt einem Kraft, Hoffnung und Zuversicht, wenn man sich unter so vielen Gleichgesinnten befindet und deren Engagement und Ideen mitbekommt. Der Blick hinter die Kulissen und das Kennenlernen des sympathischen Campact-Teams (auch wenn leider nicht alle da sein konnten) war äußerst interessant und unterhaltsam. Ich hoffe, dass ich das nächste Mal auch wieder dabei sein kann.

    Macht weiter so und vielen Dank an das gesamte Campact-Team!

    • Hallo Stefan,

      das freut uns sehr, vielen lieben Dank, das werde ich gleich ans ganze Team ausrichten! :))) Und wir waren begeistert von Eurem Engagement und den tollen Gesprächen und die Energie, die Ihr rein gebracht habt! Danke an Euch, Ihr habt ja die Ideenwerkstatt zu dem gemacht, was sie war: Ein Ort der Inspiration.

      Herzlich

      Sandra

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