Campact zeichnet Ministerpräsidenten mit Goldenem Taschenrechner aus – warum denn das?!

Einer in der SPD kann bei der Energiewende noch rechnen. Dafür gibt’s einen golden Taschenrechner. Lesen Sie mehr...

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Pünktlich zum Aktionsbeginn kommt die Sonne raus – und lässt den großen Taschenrechner am Kieler Ostseeufer golden erstrahlen. Für wen er bestimmt ist? Für Schleswig-Holsteins Ministerpräsidenten Torsten Albig. Warum er ihn bekommt? Weil er rechnen kann. Na und, das können doch viele. Ja, aber nicht in der Führungsebene der SPD: Dort haben sie bei der Energiewende alle das Rechnen verlernt – außer eben Albig.

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Kaum hatte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel seine Pläne für einen Ausbaudeckel für die Windkraft vorgelegt, rechnete Albig und kam zum Ergebnis: „volkswirtschaftlich unsinnig“. Mit der Windkraft ausgerechnet die kostengünstigste Energiequelle auszubremsen, damit Kohlekraftwerke mit hohen Umweltkosten weiterlaufen, macht keinen Sinn. Und so wurde er zum schärfsten Kritiker von Gabriels Plänen zur Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG).

Genau deshalb überreichten wir Albig gestern bei einer Aktion vor der Kieler Staatskanzlei einen goldenen Taschenrechner und die mittlerweile schon 219.000 Unterschriften unter unseren Appell „Energiewende nicht ausbremsen“. Zugleich forderten wir ihn auf, sich beim Energiegipfel am kommenden Dienstag in Berlin nicht von Merkel und Gabriel mit faulen Kompromissen über den Tisch ziehen zu lassen. Albig versprach zu kämpfen, auch wenn klar sei, dass auch er am Ende Kompromisse machen müsse.

Christoph Bautz übergibt den Campact Energiewende-Appell an Schleswig-Holsteins Ministerpräsidenten Torsten Albig. Foto: Jakob Huber/Campact
Christoph Bautz übergibt den Campact Energiewende-Appell an Schleswig-Holsteins Ministerpräsidenten Torsten Albig. Foto: Jakob Huber/Campact

Passend zu unserer Aktion meldete sich gestern dann noch die Denkfabrik Agora Energiewende zu Wort. Auch sie hat gerechnet und fordert, die Förderung der Windkraft weniger zu senken, als Gabriel dies vorhat. „Derartige Kürzungen könnten dazu führen, dass der Markt für Windkraftwerke in den südlichen Bundesländern zum guten Teil zusammenbricht“, sagte Agora-Direktor Patrick Graichen. Agora macht denn auch einen Vorschlag für geringere Kürzungen an Binnenlandstandorten. Der Denkfabrik zufolge sind die Zusatzkosten ihres Modells minimal. Statt 6,24 Cent pro Kilowattstunde soll die Ökoumlage dadurch auf 6,32 Cent im Jahr 2018 steigen.

Sie bestätigen damit Albig. Er hat zurecht erkannt, dass mehr Windkraft die EEG-Umlage mittlerweile nur noch minimal steigen lässt. Die Kostentreiber der Umlage – das sind die exzessiven Befreiungen für energieintensive Betriebe und der nicht funktionierende Emissionshandel, der Kohleverstromung viel zu billig macht.

Jetzt ist also Albig gefragt, zusammen mit anderen Ministerpräsident/innen Gabriel die Stirn zu bieten und ihm etwas Rechen-Nachhilfe zu geben. Wir sind gespannt, was beim Energiegipfel am nächsten Dienstag in Berlin herauskommt.

8 Kommentare

  • von Reinhard Glanzer

    Die Energiewende ist schon längst gefloppt! Eine zuverlässige und ausreichende Energieversorgung mit EE ist praktisch nicht machbar. Die mit den EE erzielten Gewinne der Investoren beruhen auf den, dem Bürger von seinem bereits versteuerten Einkommen auferlegten Subventionen für die EE. Jetzt sollen Bürgergenossenschaften die ideologisch geprägte, auf der Ängstigung der Bevölkerung mit den angeblichen Bedrohungen durch Klimawandel und Atomkraft beruhende, sogenannte Energiewende retten. Was dabei herauskommt hat erst jüngst der Absturz von Prokon gezeigt. Windkraftanlagen sind technisch und wirtschaftlich gesehen unrentabel und ein Rückschritt in Richtung Mittelalter.
    Jetzt jedoch hat eine Gemeinde in der Pfalz offiziell und eigenständig über die gigantischen Subventionen der EE und deren ökologischen und wirtschaftlichen Sinn nachgedacht, bevor sie sich blindlings vor den politischen Karren der Energiewende spannen lässt und speziell die Windkraftanlagen kritisch hinterfragt.
    Die Gemeinde Weisenheim am Berg hat in dem der Email angefügten Windpark-Flayer mit einfachen Worten klar die Faktenlage zu Bürgergenossenschaften am Beispiel der Windenergie ihren Bürgern transparent gemacht. Hier ist der Link: http://www.vernunftkraft.de/de/wp-content/uploads/2014/02/Windpark-Flyer.pdf
    Der Ortsvorstand in Weisenheim am Berg ist damit seiner Verantwortung zum Wohl der Gemeinde zu handeln in Vorbildlicherweise gerecht geworden. Verantwortungsvolle Gemeindvertreter orientieren sich nicht an einem technischen, wirtschaftlichen und ökologischen Unsinn oder Reibach-Risiko sondern am Wohl ihrer Bürger und deren Nachkommen und dem für deren Erholung wichtigen Schutz der Natur.

    • von Marina

      Wer sagt denn, dass jeder freie Platz in Deutschland – ob dafür geeignet oder nicht – mit Windkraftanlagen zugespargelt werden sollte?!
      Die Standortfrage müsste eben vorher geklärt werden. Dann ist auch die Frage zu klären:
      Welche Alternativen gebe es dazu? Die Kostenfrage würde ich nicht an allererster Stelle sehen …
      Hier sind eben nicht nur Politiker gefragt, sondern vor allem Experten vor Ort (u.a. Natur-, Umweltschutz u.dgl.)! Ich denke, das sind doch Selbstverständlichkeiten, dass man vorher fragt,
      ob die Umgebung um eine Kommune überhaupt dafür geeignet ist, sonst müsste man nach weiteren Alternativen suchen.
      Und was ist mit Herrn Oettinger, dem EU-Kommissar für Energiefragen? Ist er nicht ohnehin
      für weiteren Ausbau von AKW EU-weit? Er ist der völlig falsche Mann in der EU, da er eine vollkommen einseitige Sichtweise zu vertreten scheint, dann wundert es mich auch nicht, dass einige EU-Länder immer noch Atomkraft wollen – bei solch einer EU-Energiepolitik seitens des Herrn Oettinger!
      Und was wollen Sie schon von Madame Alternativlos und Herrn Gabriel erwarten, der der SPD-
      Zeitschrift „Vorwärts“ nicht gerade alle Ehre macht und lediglich beweist, dass es mit Energiefragen in Deutschland im Grunde rückwärts läuft?! Haben diese Politiker überhaupt ein Energie-Konzept?
      Stattdessen lassen sie sich von der (Energie-)Wirtschaft sagen, wo es lang geht …
      Und wer berät denn die maßgeblichen Politiker – wohl doch nicht die Energiekonzerne wie z.B. die Atomkraftbetreiber (Lobbyisten …)?! Das sind die falschen Berater, denn die wollen schließlich nur eins:
      Ihre Profitgier befriedigen.
      Wo sind denn nun die wahren Experten, die sachlich und neutral die ganze Sache von allen Seiten betrachten?
      Wo sind die geblieben …?
      Jedenfalls nicht bei Merkel & Co!
      Armes Deutschland – nach 3 Jahren seit der Fukushima-Katastrophe immer noch nichts zustandegebracht, nein – im Gegenteil, jetzt geht man vielmehr rückwärts – und das alles nur, um bei den Energiekonzernen lieb Kind zu machen!
      Diese sogenannte Hörigkeit seitens der Politik gegenüber der Wirtschaft gibt mir schon zu denken …
      Gibt es denn keinen runden Tisch, an den sich alle maßgeblichen Politiker setzen (Bund, Länder)
      und sich ein gemeinsames Konzept erarbeiten (Rahmenbedingungen schaffen) und je nach Beschaffenheit der Lokalität in und um den Kommunen wird entsprechend gehandelt?
      Es gibt außer Windkraft auch noch andere regenerative Energieformen, man sucht sich eben die optimalpassende davon für seinen Ort aus, das sind neben Experten auch unbedingt die Bürger
      gefragt … Sie müssen mit ins Boot genommen werden, und zwar von Anfang an.
      Wichtig sind vor allem reinsachliche Überlegungen – und keine parteipolitische Spielereien!
      Vergessen Sie bitte nicht, es geht um unser aller Zukunft, und wenn wir jetzt nicht ernsthaft aus den Puschen kommen – wann – bitte schön – dann? Wenn es zu spät ist, wenn alles nicht mehr anders geht …?
      Den Klimawandel können wir wohl nicht mehr stoppen, wohl aber verlangsamen.
      Der weltweite Klimawandel – ist keine nationale, sondern eben eine internationale Frage, es ist schon ein regelrechtes Armutszeugnis für all die Staaten auf den vergangenen Klimagipfeln, die sich dort erbärmlich und nahezu hinterwäldlerisch verhalten haben, sorry, wenn ich dies so krass ausdrücke!
      Eine echte Schande – in Anbetracht, dass sich die betreffenden Politiker dieser Länder nicht in der Lage sahen, nein zum Klimawandel zu sagen und dementsprechendes auf den Weg zu bringen, damit sich folgerichtige politische wie auch wirtschaftliche Handlungen ergeben können!
      Und zwar weltweit!
      Und noch zum Schluss:
      Deutschland sollte sich endlich von seiner unrühmlichen Rolle, wie es sie leider in der Vergangenheit allzu oft gespielt hat (auf den besagten Gipfeln!), verabschieden – und endlich fortschrittlich denken und –
      handeln!
      Es geht tatsächlich ums Ganze …

  • Der Taschenrechner ist wohl schon hin! Wie kann man nach wie vor behaupten, Windkraft sei kostengünstig und klimaneutral. Das ist fern jeglicher Realität. Kaum ein Politiker beschäftigt sich ernsthaft mit den volkswirtschaftlichen Folgen als auch die für Umwelt und Bürger durch den radikalen und falsch geplanten Ausbau der Windenergie. Wir haben in Deutschland bereits so viel regenerativen Strom, dass dieser in´s Ausland verkauft wird weil wir ihn wegen fehlender Infrastruktur nicht verbrauchen können. Später wird er wieder teuer zurückgekauft. Was ist das für eine Logik? In 2013 wurde dank der Windkraft und Co. mehr CO2 in Deutschland ausgestoßen als noch vor 10 Jahren. Jeder, der sich ernsthaft mit den Hintergründen beschäftigten will soll mal ein paar Stunden im Internet recherchieren. Er wird sich wundern, wie die Realität des EEG und der maßlosen Projektierung von Windparks etc. aussieht. Dort werden Standortgutachten für Windenergie positiv gerechnet. Die Anleger sehen selbst nach 10 Jahren keinen Euro Rendite – im Gegenteil. Hier in Bayern läuft kaum ein Windrad wirklich wirtschaftlich. Die meisten kreisen um die Verlustzone. Trotzdem soll kräftig ausgebaut werden und jedes weitere Windrad kostet den Steuerzahler die nächsten 20 Jahre Millionen. Und das für nichts. Schaut man sich die Einspeisewerte der Netzbetreiber an, dann sieht man, dass es niemals möglich ist Deutschlands Stromversorgung mit rein regenerativen Energien zu sichern. Dazu braucht es wesentlich neuerer Technologien, Speichermöglichkeiten (keine Pumpwasser-Kraftwerke oder Power-to-Gas-Fantasteleien – das ist ineffizient und kann jede Uni bestätigen, die sich damit beschäftigt), Netzinfrastruktur (keine großen Trassen sondern lokalen Netzausbau). Und liebe Windkraft-Befürworter: Spart euch eure flachen und inkompetenten Äusserungen „wollt ihr lieber ein Atomkraftwerk vor der Tür oder ein Gaskraftwerk“. Das zeigt nur die Engstirnigkeit. Unsere Nachbarn bauen fröhlich Ihre Atomkraft weiter aus. Und das mit wesentlich unsicherer Technologie als hier in Deutschland. Und sie schließen sich nicht, und werden es auch nicht tun, dem „grünen“ Beispiel Deutschlands an.
    Also liebe Politik. Lasst die Politik vor der Tür und denkt mal mit gesundem Menschenverstand und informiert euch bei denen die sich wirklich mit den Details auskennen und bisher nicht gehört wurden, weil sie keiner Lobby oder anderen Gruppierungen angehören und auch nur ihren Reibach machen wollen.

  • von Jürgen Blumenkamp

    Ich finde es richtig, das Windkraft weiter ausgebaut wird. Ob wir unbedingt neue Stromleitungen brauchen, bezweifle ich noch. AKWs müssen ausgeschaltet werden, Kohle-KW auch. Es ist durchaus möglich, ohne die „herkömmlichen“ Techniken auszukommen: http://www.bmmh.de/autarkie/

    Wenn ICH sowas schaffe, warum können anderes es nicht auch schaffen?

  • von Udo Hahn

    Die Auszeichnung an Herr Albig ist ein Hohn. Dieser Mann mutet tausenden Bürgern in Ostholstein eine neue internationale Güterbahntrasse zu, die die Gesundheit der Bevölkerung an der 80 km langen Bahntrasse nachweislich schädigt. Umweltschäden verursacht, indem er in Kauf nimmt, dass das Aufzuchtgebiet der Schweinswale im Belt vernichtet wird.
    Außerdem setzt sich Albig für den Bau einer 380 KV-Leitung ein, die einen ganzen Landstrich in Ostholstein ökologisch und ökonomisch vernichtet.. Eine max. 220 KV-Leitung oder ein Seekabel täte es auch. Aber Albig lässt sich gern von Großunternehmen leiten, da er m.E. eben nicht rechnen kann!
    Compact sollte zukünftig etwas besser recherchieren und nicht unfähige Politiker auf den Sockel heben.
    Udo Hahn

  • von Rainer Hertig

    Da lebe ich wohl im falschen Bundesland. In NRW möchte Frau Kraft die Energiewende am liebsten ganz rückgängig machen. Vielleicht wurde sie ja von Eon und RWE darauf aufmerksam gemacht, daß sonst in Zukunft kein Geld mehr für üppige Parteispenden an die SPD da ist. Was mich in NRW am meisten ärgert ist, daß die Grünen Gabriels und Krafts Kröten ohne Widerworte geschluckr haben. So ist das eben, wenn man sich an die weichen Ministersessel gewöhnt hat. Ebenso übrigen wie neben Kraft auch der sooo wichtige Innenminister und der grüne Umweltminister an ihre gepanzerten Luxuslimousinen mit 6,3 Liter-Motor. Jawohl, 6,3 Liter – das muß man sich erst mal auf der Zunge zergehen lassen. Vielleicht sollte der Steuerzahler mal zu einem Praktikum zu Pabst Franziskus schicken, Der weiß, daß man auch ein paar Nummern bescheidener ganz flott vorankommt. Muß ja nicht gleich ein FIAT 500 sein … ;)

    • von dietmar

      Ich finde Kritik an den gruenen in NRW unangebracht,denn gerade der Umweltminister macht im Kabinett ein gute Figur! zb. NRW hat in Deutschland dank ihm das einzige Bundesland mit einem verbindlichem Klimaschutzgesetz! oder dank ihm, in naher Zukunft werden keine mänlichen Kücken mehr vergast oder geschreddert!
      und ganz aktuell: der 4.abschnitt von Garzweiler2 ist gerettet.300 mio.tonnen Kohle bleiben in der Erde! mit 11,3 % zu 39% ist man nicht auf Augenhöhe innerhalb der Koalition.
      „nur mit starken Gruenen kann man noch mehr rausholen“ Deshalb mein Tipp: SchießenSie sich lieber auf die 2großen volksparteien ein! Denn das sind die bremsen der Energiewende…

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