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Fracking Auswärtsspiel in Deutschland: Wie es unser Trinkwasser gefährdet

Pünktlich zum Start der Bundesliga zeigen wir das Spitzenspiel 1. FC Fracking gegen die Eintracht Erneuerbare. Anpfiff erste Halbzeit, es geht um das Trinkwasser. Fracking tut sich bei seinem Auswärtsspiel in Deutschland schwer, die Solarenergie nutzt den Heimvorteil.

Pünktlich zum Start der Bundesliga zeigen wir das Spitzenspiel 1. FC Fracking gegen die Eintracht Erneuerbare. Anpfiff erste Halbzeit, es geht um das Trinkwasser. Fracking tut sich bei seinem Auswärtsspiel in Deutschland schwer, die Solarenergie nutzt den Heimvorteil. Die Fracker suchen hektisch den vertikalen Pass, doch die Spielerinnen der Eintracht verteidigen besonnen. Und beim Trinkwasser haben die Eneuerbaren die Konterchance. Zur Pause steht es 1:0.

Lesen Sie hier den Spielbericht zur ersten Halbzeit…

Fracking gefährdet unser Trinkwasser

Fracking wird als Hochrisikotechnologie bezeichnet. Unter anderem, weil es verheerende Auswirkungen auf unser Grundwasser haben kann.

Bei einzelnen Fracks kann soviel Wasser zum Einsatz kommen, wie die Stadt München an einem Tag verbraucht. Diesem Wasser werden zudem Chemikalien zugesetzt, ohne die Fracking nicht funktionieren würde. Zu den eingesetzten Chemikalien gehören unter anderem Biozide und weitere Substanzen mit toxischer, krebserregender und mutagener Wirkung. Diese Chemikalien können in das oberflächennahe Grundwasser eintreten

und sich ausbreiten. Doch auch wenn keine Chemikalien eingesetzt würden, bestünde eine Gefahr: In dem durch Fracking hinaufbeförderten Wasser aus tieferen Erdschichten können

Schwermetalle und radioaktive Stoffe enthalten sein, die in den Wasserkreislauf eindringen.

Vor allem für die Entsorgung ist bislang keine zufriedenstellende Lösung gefunden worden: Derzeit werden sowohl beim Fracking in konventionellen als auch in unkonventionellen Vorkommen die entstandenen Abwässer meist schlichtweg in die Erde geleitet. Das Umweltbundesamt schreibt dazu:

Die Aufbereitung des so genannten Flowback (Rückflusswasser) ist laut UBA-Gutachten bislang ungelöst. … Ein tragfähiges Entsorgungskonzept hat bislang kein Unternehmen vorlegen können.

Selbst mögliche Aufbereitungsverfahren auf dem Stand der Technik entsprechen nicht den Anforderungen des Wasserhaushaltsgesetzes. Daraus resultierende Schäden würden unter Umständen zunächst gar nicht zu bemerken sein, sondern erst nach mehreren Jahren sichtbar werden. So könnten laut Umweltbundesamt Trinkwasserversorgung und grundwasserabhängige Ökosysteme großräumig, dauerhaft und irreversibel geschädigt werden.

Wie hoch die Risiken genau sind und wie sie technisch beherrschbar sein könnten, konnte aufgrund fehlender Informationen von Unternehmen und Zulieferern bisher nur unzureichend erforscht werden, wie das Umweltbundesamt weiter ausführt. Der Wissenschaft fehlen beispielsweise zuverlässige Angaben über Identität und Konzentration der eingesetzten Flüssigkeiten oder ihrer Abbauprodukte.

Das Umweltbundesamt verweist ebenfalls auf klare Defizite in der Gesetzgebung, beispielsweise was die Anforderungen von Umweltverträglichkeitsprüfungen oder die Anwendung des Wasserrechts anbelangt. Bei der Beschaffenheit von Bohrlöchern oder der Zementierung setzen Betreiber von Frackinganlagen teilweise ihre eigenen Sicherheitsstandards an – denen wir letztlich vertrauen müssen.

Erneuerbare Energien hingegen stellen kein Risiko für das Trinkwasser dar

Bei Wind-, Wasserkraft und Solarenergie fallen keine regelmäßigen Abfallprodukte an, die entsorgt werden müssten; unser Grund- und Trinkwasser bleibt sauber. Photovoltaik-Anlagen enthalten zwar toxische Materialien, wenn auch in geringen Mengen und nur bei der Entsorgung nach mehreren Jahren Nutzung. Die am 13. August 2012 in Kraft getretene Fassung der europäischen WEEE-Richtlinie (Waste Electrical and Electronic Equipment Directive) verpflichtet jedoch Produzenten, mindestens 85% der PV Module kostenlos zurückzunehmen und zu recyceln.

Unterm Strich daher ein klarer Treffer für die Erneuerbaren: 1:0

Sie wollen mitkicken und Fracking aus dem Wettbewerb schießen?

Jetzt den Appell gegen Fracking unterzeichnen…

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Autor*innen

Jana Pittelkow

9 Kommentare

Kommentare sind geschlossen
  1. soviel zu dem thema informationspflicht der medien: http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2014/Brennende-Wasserhaehne-Wie-gefaehrlich-ist-Fracking,fracking576.html. es hat mich echt ein bischen sprachlos gemacht einen derart einseitigen, unkritischen und unwissenschaftlichen beitrag auf ard zu sehen. warum findet sich denn keine qualifizierte person, die mal die risiken zur haubsendezeit auf nem öffentlich rechtlichen verständlich erklährt? das kann doch alles garnicht sein.

    • Danke für den Brief, das liest sich ja sehr interessant! Ändert aber natürlich nichts an unserer Kritik am Gesetzentwurf.

  2. Ich möchte den Film „Gasland“ von Josh Fox empfehlen. In den USA werden mit Fracking Umwelt und Grundwasser in einem unvorstellbaren Ausmaß zerstört. Es erfordert einen extrem hohen Energieeinsatz und scheint allein für die Energiekonzerne sehr profitabel zu sein.

  3. toller Artikel, was mir nicht so sehr gefällt ist, dass hier Trinkwasser mit PV erzeugt dargestellt wird. Heizungen und Trinkwassererwärmung sollten doch wohl mit thermischer Solarenergie erzeugt werden, sonst laufen wir Gefahr, dass die Menschen wieder auf Stromheizungen umsteigen, um möglichst viel der erzeugten Energie selbst zu verbrauchen. Und das hätte schwerwiegende Folgen.

    • Danke! So weit haben wir gar nicht gedacht. Für uns ist einfach klar: PV-Module schädigen das Trinkwasser nicht so wie Fracking. Wie man das Wasser erwärmt, darum ging es uns hier gar nicht. Aber wenn man das so weiterdenkt, ist das sicher richtig!

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