Kino-Thriller: Die packende Geschichte des Edward Snowden

Edward Snowden löste 2013 einen weltweiten Skandal aus. Er enthüllte, wie der US-amerikanische Geheimdienst NSA die ganze Welt ausspioniert. Star-Regisseur Oliver Stone hat aus der Geschichte des Whistleblowers einen Kinofilm gemacht. Ein packender Spionage-Thriller.

Edward Snowden löste 2013 einen weltweiten Skandal aus. Er enthüllte, wie der US-amerikanische Geheimdienst NSA die ganze Welt ausspioniert. Star-Regisseur Oliver Stone hat aus der Geschichte des Whistleblowers einen Kinofilm gemacht. Und dieser packende Spionage-Thriller kann sich wahrlich sehen lassen!

Das enthüllt der Snowden-Film

Der Film nimmt den Zuschauer mit auf die Reise des jungen Edward Snowden, der vom einfachen Soldat zum Whistleblower wird. Nach einer Trainingsverletzung bei der US-Army ändert sich für ihn alles. Statt in den Irak-Krieg zu ziehen, feilt er im Trainingslager der NSA an Computersystemen. Von dort aus führt ihn seine berufliche Karriere immer tiefer in das undurchsichtige Geflecht aus Politik, Geheimdiensten und Wirtschaft. Neben den NSA-Machenschaften spielt vor allem die Beziehung zu seiner Freundin Lindsay Mills im Film eine große Rolle. Sie bringt ihn dazu, Dinge zu hinterfragen – und steht auch unter schwierigsten Bedingungen zu ihm.

Was Snowden geprägt hat, nimmt auch den Zuschauer mit

Die Entzauberung der NSA für Edward Snowden ist für den Zuschauer nachfühlbar. Ein NSA-Mitarbeiter in Genf klinkt sich etwa ganz selbstverständlich in den ausgeschalteten Laptop einer unschuldigen Frau ein. Und schaut ihr seelenruhig dabei zu, wie sie sich auszieht. Als Snowden am selben Abend mit seiner Freundin schläft, verfällt er in Panik, als er den aufgeklappten Rechner mit der auf beide gerichtete Kamera sieht. Später beginnt er Kameras in der gemeinsamen Wohnung abzukleben – und behauptet gegenüber seiner Freundin, ausländische Hacker würden ihm Sorgen bereiten.

Dabei war es sein eigener Arbeitgeber, den Snowden zunehmend als Bedrohung empfindet. Längst ginge es bei dem globalen Überwachungsnetz nicht mehr um den Krieg gegen den Terror, gibt ein hochrangiger Geheimdienstmitarbeiter gegenüber Snowden freimütig zu, sondern um knallharte geopolitische und wirtschaftliche Interessen.

Wie es sich anfühlt Kriegs-Drohnen zu lenken

Snowden ist zumindest im Film nicht der einzige innerhalb der NSA, der sich zunehmend unwohl in seiner Haut fühlt. Am Lagerfeuer erzählt ein NSA-Mitarbeiter seinen Kollegen wie es sich anfühlt, Kriegsdrohnen zu lenken. Er könne nicht anders, als zu verdrängen, dass regelmäßig Zivilisten ins Fadenkreuz geraten, gibt er deprimiert zu. Später entdeckt Snowden, dass mittlerweile mehr US-Amerikaner überwacht werden als Menschen in Afghanistan oder dem Irak. Als er seine Kollegen damit konfrontiert, sind diese ebenfalls entsetzt.

Der Film erzählt die bewegende und vor allem spannende wahre Geschichte bis zum Moment von Snowdens Flucht nach Russland – und liefert dabei viele neue Fakten über einen der bewegendsten Menschen unserer Zeitgeschichte. Prädikat: Besonders sehenswert.

Warum sich Snowden bei Campact-Aktiven bedankte

Zum 10. Geburtstag von Campact bedankte sich Edward Snowden in einem persönlichen Brief und schreibt: „Keine Gruppe hat härter als Campact darauf hin gearbeitet, meine Rückkehr nach Deutschland möglich zu machen.“ 231.000 Menschen unterstützen den 2013 von Campact gestarteten  Appell „Schutz für Edward Snowden in Deutschland!“. Als die Bundesregierung darüber beriet, ob Snowden in Deutschland aussagen darf, protestierten die Unterzeichner mehrfach mit bildstarken Aktionen vor dem Reichstag – und die Tagesschau berichtete darüber. Mehr als 42.936 Campact-Aktive boten Edward Snowden schließlich zum ersten Jahrestag der Enthüllungen einen Schlafplatz, also “Asyl”, bei sich zu Hause an. Dieses Engagement bewegte Edward Snowden zutiefst.

Trotz seiner verzweifelten Lage (seine Aufenthaltsgenehmigung in Russland ist nur befristet) macht die persönliche Botschaft von Edward Snowden an die Campact-Aktiven vor allem Mut. Er schreibt:

Zitat von Edward Snowden - Auszug aus einer Botschaft an Campact-Aktive. Grafik: Zitrusblau/Campact

Sein Brief endet mit den Worten: „Wir sehen uns bald.“

Warum es sich lohnt ins Kino zu gehen

Wer den Mut von Edward Snowden beeindruckt findet, sollte sich den Film auf jeden Fall ansehen. Denn er vermittelt viele neue überraschende Fakten über den mutigen Whistleblower. Aber auch wer mit Snowden bisher nichts anfangen konnte, wird nach diesem Film besser verstehen, warum der junge Mann bereit war sein Leben für die Aufdeckung einer unbequemen Wahrheit zu riskieren. Wer das Thema Überwachung anderen Menschen nahe bringen will, der sollte Freunde und Familie zu einem gemeinsamen Kinobesuch einladen. Denn die wohl größte Stärke dieses Films ist, dass er anschaulich erklärt, wie die Massenüberwachung der NSA und ihrer Verbündeter funktioniert.

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PS: Mehr Aufklärung – das ist nach wie vor notwendig. Denn auch drei Jahre nach den Snowden-Enthüllungen ist der Kampf gegen ausufernde Überwachung noch lange nicht gewonnen. Oliver Stone musste das Geld für die Produktion des Films wohl auch aus politischen Gründen vor allem aus Europa organisieren. Die NSA spioniert heute weitgehend ungehindert weiter. Und in Deutschland berät die große Koalition derzeit darüber den Auslandsgeheimdienst BND zu einer deutschen NSA umzubauen. Es bleibt viel zu tun – nicht nur für Edward Snowden.

4 Kommentare

  • von Jürgen Schmidt-Foß

    Ich wünschte mir, das Edward Snowden in Deutschland Asyl bekommt und den Friedensnobelpreis.

Kommentare sind geschlossen.

Kahtarina Nocun
Veröffentlicht von Katharina Nocun

Katharina Nocun ist studierte Ökonomin und beschäftigte sie sich mit den Auswirkungen der technologischen Revolution auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Sie engagiert sich in der digitalen Bürgerrechtsbewegung für eine lebenswerte vernetzte Welt. Sie war 2013 Politische Geschäftsführerin und Themenbeauftragte für Datenschutz der Piratenpartei Deutschland und arbeitete als Referentin und Campaignerin u.a. für den Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), Campact e.V. und Wikimedia Deutschland e.V.. Katharina Nocun ist Botschafterin für die Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen und Mitglied im Beirat des Whistleblower-Netzwerks und bloggt regelmäßig unter http://www.kattascha.de. Folge Katharina auf Twitter: https://twitter.com/kattascha