Hartz IV für Alleinerziehende: Zuschlag für die Papa-Tage

Papa oder Hose? Für viele alleinerziehende Hartz-IV-Empfänger/innen stellt sich diese Frage leider immer noch. Denn für die so genannten “Papa-Tage” wird ihnen Geld gestrichen. Anna Petri-Satter will das jetzt endgültig ändern – und sogar einen Zuschlag erkämpfen.

Papa oder Hose? Für viele alleinerziehende Hartz-IV-Empfänger/innen stellt sich diese Frage leider immer noch. Denn für die so genannten “Papa-Tage” wird ihnen Geld gestrichen. Anna Petri-Satter will das jetzt endgültig ändern – und sogar einen Zuschlag erkämpfen.

Umgangsmehrbedarf bei Hartz IV - WeAct-Petition. Grafik: Sascha Collet/WeAct

Es wird weiter für die “Papa-Tage” gekürzt – als Anna Petri-Satter das erfährt, ist sie tief enttäuscht. Alleinerziehende Hartz-IV-Empfänger/innen schreiben ihr und berichten: Für jeden Tag, den ihr Kind mit dem anderen Elternteil verbringt, wird ihnen Geld gestrichen. Weil bisher eine klare rechtliche Regelung für Trennungsfamilien im Hartz-IV-Bezug fehlt, kann willkürlich gekürzt werden – und genau das passiert auch.

WeAct-Petition: Schluss mit Hartz-IV-Kürzungen

Erst vor kurzem hat Anna Petri-Satter mit einer Kampagne verhindert, dass diese Kürzungen für alle alleinerziehenden Hartz-IV-Empfänger/innen gesetzlich verbindlich festgeschrieben werden. Doch die Abzüge sind damit nicht endgültig vom Tisch. Deshalb ist Anna Petri-Satter fest entschlossen: „Wir haben verhindert, dass bei allen gekürzt werden muss. Jetzt müssen wir dafür kämpfen, dass niemandem mehr Geld für die Papa-Tage abgezogen wird!“ Sie hat eine neue Petition auf WeAct, der Petitions-Plattform von Campact, gestartet und fordert: Schluss mit den Hartz-IV-Kürzungen, Trennungsfamilien brauchen sogar einen Zuschlag für die Papa-Tage!

Aktuell verhandelt die Bundesregierung über eine Gesetz, mit dem die Regelsätze für Hartz-IV-Empfänger/innen neu ermittelt werden. Was fehlt: Die Kosten, die in Trennungsfamilien zusätzlich entstehen, werden nicht berücksichtigt. Anna Petri-Satter will das ändern: Wenn im Ausschuss für Arbeit und Soziales über das Gesetz verhandelt wird, will sie den Verantwortlichen zehntausende Unterschriften persönlich überreichen. „Wir haben die Politiker/innen schon einmal zum Umdenken bewegt. Das schaffen wir wieder, wenn viele Leute mitmachen!“ Jetzt kommt es auf Sie an:

Tausende unterstützten Protest gegen ungerechtes Hartz-IV-Gesetz

Anna Petri-Satter kennt die Situation der Betroffenen nur zu gut: Die alleinerziehende Mutter war bis vor kurzem selbst auf Hartz-IV angewiesen. Dass sie ein ungerechtes Hartz-IV-Gesetz stoppen würde, hat sie vorher nicht geglaubt. Und allein hätte sie es auch nicht geschafft: Tausende Unterstützer/innen unterschrieben ihre Petition, beteiligten sich an Facebook-Aktionen und schickten E-Mails an Bundestagsabgeordnete. „All diese Menschen haben mir soviel Mut gemacht und mir den Rücken gestärkt, dass ich jetzt einfach weitermachen muss.“

Auch dieses Mal hofft Anna Petri-Statter auf das Engagement vieler Unterstützer/innen, die ihre Idee teilen: „Ich möchte in einer Gesellschaft leben, in der alle Eltern auch nach einer Trennung weiter gemeinsam die Verantwortung für ihre Kinder übernehmen können – und zwar unabhängig davon, wie viel sie verdienen!“ Unsere Bundesregierung hat mit der Überarbeitung der Hartz-IV-Regelsätze jetzt die Chance, das möglich zu machen. Sorge dafür, dass sie sie auch nutzt.

PS: Die Kinderarmut in Deutschland wächst – das zeigt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Bundesweit wachsen 14,7 Prozent aller Kinder in Familien auf, die von Hartz IV leben – die Hälfte davon in alleinerziehenden Haushalten. Lassen Sie nicht zu, dass Trennungskinder durch Kürzungen weiter benachteiligt werden.


WeAct Logo

Diese Petition wurde auf WeAct, der neuen Petitionsplattform von Campact, gestartet. Es ist also keine Kampagne von Campact. Da Campact aber die Ziele der Petition unterstützt, möchten wir Dich auf die Kampagne hinweisen.

7 Kommentare

  • von Heivlei

    Kinder leiden unter der Trennung der Eltern. Ein möglichst ausgeglichener Aufenthalt bei beiden Elternteilen wäre ideal, zumindest sollte unterstützt werden, dass Kinder mit beiden Elternteile möglichst viel Zeit verbringen kann. Eine Kürzung der Bezüge verhindert das und ist auch aus diesem Grunde nicht nur unfair – vor allen den Kindern gegenüber – sondern auch kontraproduktiv.

  • von Dörte

    Hallo, ich war alleinerziehend und finde es fair, dass nicht doppelt gezahlt werden soll. Ich habe jetzt verstanden, dass das Kind nur Hartz bekommt, wenn der Unterhalt nicht reicht und oder der Vater auch vom Hartz lebt, dann sollte er auch an den Tagen das Geld für Essen u.s.w. bekommen an denen das Kind bei ihm ist. Auch auf die Gefahr hin mich unbeliebt zu machen, der Staat, Steuerzahler sollte nicht doppelt zahlen, also für die Tage jeweils dort wo die Kinder sind nur einmalig. Ich mag nicht noch mehr Steuern zahlen……

  • von Norbert Laubenstein

    Auf gar keinen Fall unterstütze ich diese Petition!
    Meine Ex-Frau geht fremd, verlässt mich und nimmt mir das liebste was ich hatte, meine Tochter .
    Als Vater habe ich keinerlei Rechte mehr aber die Pflicht zu zahlen.
    Die Ex zieht mit ihrem Lover zusammen, beide arbeiten und verdienen gut und ich zahle den Unterhalt für die Tochter, der nicht mal gänzlich der Kleinen zugute kommt.
    Wenn ich mit der Tochter mal drei Wochen im Urlaub war, musste ich den Unterhalt trotzdem für den ganzen Monat zahlen.
    Was für eine unglaubliche Schweinerei, denn ich hätte mich sehr gerne alleinerziehend um meine Tochter gekümmert, aber als Vater hat man in diesem Land keine Chance.

  • von Rene

    Hallo,
    Ich bitte um Aufklärung denn ich verstehe das Problem nicht?

    Warum sollte der Elternteil (ich sage mal Mutter, weil das der üblichere Fall ist, es kann natürlich auch der Vater sein), bei dem das Kind hauptsächlich lebt, Geld für das Kind für die Tage erhalten an denen es gar nicht da ist? Steht dieses nicht eigentlich dem Elternteil (hier Vater, siehe oben) zu bei dem es dann gerade ist? Zudem erhält die Mutter ja vollen Unterhalt vom Vater (ja gut, wenn er zahlt), da interessieren die Tage ja auch nicht. Warum sollte die Mutter für diese Tage doppelt Geld bekommen? Ich bin z.B. ein Vater, habe meine Tochter zusammen 11+- Tage im Monat, sie hat bei mir ein eigenes Zimmer mit allem drum & dran, ein Fahrrad & wir machen auch Urlaub. Das heißt, ich zahle der Mutter anteilig Kost & Logie, Urlaub usw. über den Unterhalt – eben auch für die 11 Tage in denen sie bei mir ist. Ich habe also die monatlichen Kosten, die Kosten für die 11 Tage & zahle dazu ihr die 11 Tage auch…

    • von Peter Alexander

      Rene, wenn das Kind Unterhalt vom Vater erhält, wird dieses voll auf H4 angerechnet. Ist der Unterhalt hoch genug, erhält das Kind gar kein H4. In diesem Fall bekommt das Kind also unabhängig vom gelegentlichen Aufenthalt beim anderen Elternteil „volle“ finanzielle Unterstützung am gewöhnlichen (ersten) Aufenthaltsort.
      Erhält das Kind keinen Unterhalt vom Vater, oder einen geringeren, als ihm nach H4 zustehen würde, bekommt es den „Fehlbetrag“ vom Amt.
      Eine Kürzung für H4-Kinder bedeutet also eine weitere zusätzliche Diskriminierung.
      Das ist nicht hinnehmbar.

      Das Ihre Meinung nun reflektiert, dass Sie wegen anteiliger Kinderbetreuung einen geringeren Unterhalt zahlen sollten oder möchten, ist eine ganz andere Betrachtung, um die es hier nicht geht.

    • von Bernd

      Rene was ist dein Problem ? Bist du so sehr mit deiner Ex im Zoff auseinender, dass du ihr, respektive deinem Kind nicht den Dreck unterm Fingernagel gönnst ?

    • von Katharina Morik

      Ich denke, dass der zweite Elternteil tatsächlich auch Unterstützung bekommen sollte, wenn er/sie auch auf Hartz IV ist. Kein Vermieter senkt die Miete für jeden Tag, den man nicht zu Hause schläft. Deshalb haben oft beide Elternteile ein Kinderzimmer für das Kind, das mal bei dem einen, mal bei der anderen übernachtet. Also haben beide einen Aufwand für das Kind und sollten dafür einen Mietzuschuss und einen höheren Betrag erhalten.

Kommentare sind geschlossen.

Veröffentlicht von Simone Katter

Simone Katter, Jahrgang 1979, hat Soziologie mit dem Schwerpunkt Entwicklungspolitik studiert und ist ausgebildete Journalistin. Sie hat für das Deutsche Institut für Menschenrechte, Oxfam und zuletzt als Referentin für Online-Kommunikation beim INKOTA-netzwerk gearbeitet. Nach Stationen in Mexiko und Nicaragua lebt die gebürtige Ruhrgebietlerin heute in Berlin. Ob bei der Antifa, Anti-Atombewegung oder attac – gemeinsam mit anderen für Gerechtigkeit zu streiten, das treibt sie an. Bei Campact betreut sie die Petitionsplattform WeAct.