“Wir schwänzen nicht. Wir kämpfen!”

Linus Steinmetz ist 15 Jahre alt und geht in Göttingen zur Schule - oder besser: Er geht nicht zur Schule. Wie 30.000 andere Kinder und Jugendliche hat er vergangene Woche den Unterricht bestreikt - damit sich beim Klimaschutz endlich etwas bewegt. Hier erzählt Linus, warum er am Freitag wieder auf die Straße geht und sich in der #FridaysForFuture-Bewegung engagiert.

Linus, Du bist am vergangenen Freitag nicht in die Schule gegangen. Warum?

In der Schule lernen wir jeden Tag, dass wir uns an unsere Pflichten halten müssen. Dabei halten sich die Erwachsenen selber nicht an ihre Pflichten! Sie tun nichts für den Klimaschutz und lassen zu, dass wir ungebremst auf eine Katastrophe zusteuern. Damit setzen sie unsere Zukunft aufs Spiel.

Deswegen streiken wir jungen Menschen – und zwar während der Schulzeit. Denn wieso sollten wir für eine Zukunft lernen, wenn es die vielleicht gar nicht gibt?

War das mit dem Streik Eure Idee?

Nicht ganz. Unser Vorbild ist Greta Thunberg. Sie hat im August angefangen zu streiken und geht seitdem jeden Freitag nicht in die Schule. Man könnte denken: Nur ein paar Kinder, die nicht zur Schule gehen – was soll das schon bringen? Aber mittlerweile machen überall auf der Welt junge Menschen mit: Wir sind die #FridaysforFuture-Bewegung geworden. Und wir merken plötzlich: Wir Kinder haben auch Macht! Unsere Streiks bewirken was. Das hat uns richtig motiviert.

Und an diesem Freitag wollt Ihr wieder streiken?

Ja, genau. Der Termin am 25. Januar ist besonders wichtig, weil da die Kohlekommission eine besonders wichtige Sitzung hat, bei der über den Kohleausstieg entschieden wird. Und natürlich wollen wir versuchen, die Politik der Erwachsenen zu beeinflussen. Wenn das irgendwann geht, dann diesen Freitag.

Dafür fahrt Ihr extra von Göttingen nach Berlin?

Bei den Streiks in den vergangenen Wochen haben wir gelernt: Wir können zusammen ganz viel schaffen. Beim ersten Klimastreik im Dezember waren wir nur ein paar Leute, aber letzten Freitag waren wir 350 Kinder und Jugendliche vor dem Rathaus in Göttingen. Und das passiert nicht nur in unserer Stadt, sondern überall in Deutschland, in 55 Orten! Jetzt haben wir uns selbst einen Bus nach Berlin organisiert. Es sind nicht nur die Erwachsenen, die Politik machen und Dinge bewegen können – sondern wir können das auch!

„Wieso sollten wir für eine Zukunft lernen, wenn es die vielleicht gar nicht gibt?“

Gibt das nicht Ärger in der Schule? Was sagen Eure Lehrerinnen und Lehrer dazu?

Naja, man muss das eben abwägen: Vielleicht hat man einen Fehltag auf dem Zeugnis – aber ist es nicht wichtiger, unsere Zukunft zu sichern? Da ist ja schnell klar, was einem selbst wichtiger ist. An unserer Schule machen deswegen auch richtig viele mit. Man traut sich auch eher hinzugehen, wenn Freunde mitmachen. Bei uns sind die Lehrer auch ziemlich entspannt. Auch wenn Streiken nicht erlaubt ist, finden das viele eigentlich gut.

Was fordert Ihr von der Kohlekommission und den Politiker/innen?

Die Erwachsenen haben ja eigentlich selbst schon Ziele beschlossen. Aber sie setzen sie einfach nicht um. Wir fordern, dass die nicht nur reden, sondern auch endlich etwas tun und die Klimaziele umsetzen! Konkret heißt das zum Beispiel, dass Deutschland so schnell wie möglich aus der Kohle aussteigen muss. Deswegen ist auch der Termin der Kohlekommission so wichtig.

Du hast in den vergangenen Wochen Deine gesamte Freizeit in die #FridaysForFuture-Bewegung gesteckt. Warum?  

Es macht mich einfach wütend, dass die Erwachsenen immer sagen: Der Klimawandel ist ein ernsthaftes Problem. Aber in Wahrheit nehmen sie ihn gar nicht ernst! Es passiert nichts und die Emissionen steigen einfach weiter. Ich glaube, wenn wir jetzt nichts machen, dann macht niemand etwas. Deswegen müssen wir jetzt anfangen.

Alle Infos zum Schulstreik für das Klima gibt es unter https://fridaysforfuture.de.

14 Kommentare

  • von Ute Valentin

    Meinen Segen habt Ihr auch. Macht weiter so. Ich bin zwar Rentnerin, gehöre einer ökologischen Partei an. Aber euch gehört die saubere Zukunft. Die Demos bringen bestimmt was.

  • von Burga Stautner

    Ich, ehemalige Lehrerin, finde die Freitagsdemo beeindruckend. Endlich beziehen junge Menschen zu einem wichtigen Thema Stellung und nehmen dafür Sanktionen in kauf. Ich wünsche, dass die Bewegung wächst, vielleicht ähnlich wie seinerzeit die Friedensbewegung oder zuletzt PulseofEurope. Wurde schon bei Campact eine Petition gestartet? Ich habe keine gefunden und würde sie auf jeden Fall zeichnen. Es sollte möglich sein, dass sowohl Lehrer, Eltern und viele andere diese Bewegung unterstützen? Wie wäre es mit regelmäßigen gemeinsamen Kundgebungen an Wochenenden. Ich wäre dabei. Bitte weitermachen.

  • von Agnes

    Schön, wenn hunderte junge Menschen sich um ihre Zukunft sorgen. Noch schöner wird es, wenn zigtausende Jugendliche beginnen ihr eigenes Tun und Handeln zu reflektieren. Ich kenne euch nun nicht persönlich und will auch niemanden zu nahe treten. Doch was ich in meinem täglichen Leben so wahrnehme, nimmt mir die Luft zum Atmen. Whatsapp wohin ich gucke, bezahlt wird per Handy. Bargeld = Freiheit ? Bedienung des Fernsehens erfolgt über das Handy, Sportschuhe über Internet beziehen. Amazon ist besonders günstig! Arbeitsbedingungen? Lieferanfahrt? Schon mal darüber nachgedacht, woher der Strom fürs Handy kommt? Welche Ressourcen zur Herstellung dieses Gerätes verbraucht werden? Gibt es sauberen Strom? Inwieweit unterstützt jeder Klick Macht und Kontrolle von Google, facebook. Buchtipp: Harari: Homo Deus. Ihr habt in der Tat Grund zur Sorge für eure Zukunft!! Gebt euer Gehirn nicht an smarte Geräte ab, last euch nicht manipulieren. Nicht überall wo Umwelt draufsteht ist Zukunft drin.

    • von Alfred Kalb

      Ach ja, und sie treten im Keller das Fahrrad um den Strom für ihr Posting zu erzeugen?

  • von A. Krautfelder

    Frage an Campact: setzt ihr schon KI ein? Meine schärfsten Komments werden nicht geschaltet…

    • von Campact Team

      Hallo,

      wir arbeiten mit einem Bad-Word-Filter. Manche Kommentare werden also von uns direkt freigegeben. Das war auch hier der Fall. Allgemein gilt: Für jedes Forum gibt es Regeln – so ist das auch beim Campact-Blog. Mehr dazu findest Du hier: https://blog.campact.de/diskussionsregeln/

      Viele Grüße
      Das Campact-Team

    • von A. Krautfelder

      Danke für die Antwort! Mit meinen „schärfsten Kommentaren“ meinte ich natürlich die, welche unbequemen Widerspruch enthalten.

  • von A. Krautfelder

    Zu 24.01.2019 11:55 von Daniel:
    Das ist auch Unsinn. Wenn man das Weltgeschehen genau betrachtet, entsteht der Eindruck, daß Demos v.a. dann wirksam waren und sind, wenn sie mit mächtigen Interessen konform gehen. Die Weltpolitik war bereit für den Mauerfall, das Volk durfte ihn dann auch fordern. Wäre es anders gewesen, hätte man wohl gefeuert/niedergeschlagen, wie bei einigen früheren Unruhen im damaligen Ostblock.
    Es gibt noch viele Beispiele für willkommene Demos: Atomausstieg wurde nur in D. bewilligt – Erfolg (in andern Ländern nicht). Ähnlich wird es mit dem Kohleausstieg passieren – der Erfolg ist schon jetzt garantiert, weil sowieso vorgesehen. Stellen Sie sich mal unerwünschte Demos vor, z. B. gegen NATO, gegen EU, für ein faires Geldsystem etc. Oder S21 – keine Chance.
    Bis zum Feudalismus hatte das Volk noch Macht und konnte allzu ausbeuterische Tyrannen stürzen. Heute nicht mehr – ist vielleicht besser so. Gewalt schadet nur; wir brauchen geistige Erneuerung!

  • von A. Krautfelder

    Hatte zuvor versehentlich ‚gemeldet‘, Entschuldigung!

  • von Michael H.

    In die Schule geht man, um etwas zu lernen. Und da macht es auch gar nichts aus, wenn nun massenhaft Jugendliche am Freitag fernbleiben, um für ein hohes Ziel zu demonstrieren.
    Denn eines haben sie schon gelernt: nämlich daß es so nicht weitergehen kann. Im Gegensatz zu vielen – viel zu vielen – Erwachsenen, Politikern und Leuten aus Industrie und Wirtschaft.

    Und davor hab ich Respekt und Achtung und hoffe, daß es noch viel viel mehr werden, bis es endlich auch der letzte Ignorant kapiert hat, daß es reicht.

    Danke, daß es Euch gibt und lasst Euch nicht unterkriegen.

  • von Jean

    Sehe ich genau wie Daniel! Erst wenn is im realen Leben für die Politiker unbequem wird, tut sich etwas ändern. Demos sind ein erprobtes Mittel dazu (komme selber aus einem per Demonstration abgeschafftem Land). Unbequem wird es wenn Menschen im Weg stehen. Und das sollten wir reichlich tun. Und wenn dann noch unsere Meinung wahrgenommen und berücksichtigt wird, steht sogar die Tür offen für echten Dialog und damit Veränderung. Macht weiter, ich bin dabei! :-)

  • von Hans-Joachim Hauschild

    Demos haben noch nie was gebracht
    die Kohlekomission wirt wider kein Ternien
    für den Kohleausstieg nennen,wir werden
    wohl noch viele Jahre mit der Kohle leben
    müssen bis sich die Politik bewegt ich werde
    den Tag aus Grund meine alters nicht mehr
    erleben.

    • von Daniel

      Sorry, aber was für ein Quatsch. Wenn man ein bisschen in Geschichte aufgepasst hat, weiß man, dass Demonstrationen als Teil sozialer Bewegungen bereits zig Regierungen gestürzt haben und Mauern zu Fall gebracht haben…Wenn sich Menschen auf der Straße organisieren ist sehr vieles möglich. Lasst euch nicht aufhalten! #FridaysForFuture

    • von E. M. Hooijer

      Pardon, aber das ist auch Unsinn. Wenn man das Weltgeschehen genau betrachtet, entsteht der Eindruck, daß Demos v.a. dann wirksam waren und sind, wenn sie mit mächtigen Interessen konform gehen. Die Weltpolitik war bereit für den Mauerfall, das Volk durfte ihn dann auch fordern. Wäre es anders gewesen, hätte man wohl gefeuert/niedergeschlagen, wie bei einigen früheren Unruhen im damaligen Ostblock.
      Es gibt noch viele Beispiele für willkommene Demos: Atomausstieg wurde nur in D. bewilligt – Erfolg (in andern Ländern nicht). Ähnlich wird es mit dem Kohleausstieg passieren – der Erfolg ist schon jetzt garantiert, weil sowieso vorgesehen. Stellen Sie sich mal unerwünschte Demos vor, z. B. gegen NATO, gegen EU, für ein faires Geldsystem etc. Oder S21 – keine Chance.
      Bis zum Feudalismus hatte das Volk noch Macht und konnte allzu ausbeuterische Tyrannen stürzen. Heute nicht mehr – ist vielleicht besser so. Gewalt bringt nichts, wir brauchen geistige Erneuerung!

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Veröffentlicht von Luise Neumann-Cosel