Was vom Danni bleibt

Die Bäume im Dannenröder Wald sind gefallen – und doch hat die Klimaschutzbewegung Großes erreicht: Eine neue Regierung muss dieses Jahr die Verkehrswende einleiten. Campact-Campaignerin Lara Eckstein war bei den Protesten im Danni dabei. Lies hier ihren persönlichen Bericht.

Mein erster Tag im Dannenröder Wald war ein sonniger Tag im Sommer 2020. Ich habe die Baumhäuser der Waldbesetzer*innen bewundert und ihr Tomatenbeet, bin in eine 20 Meter hohe Eiche geklettert und habe die Anwohner*innen vom hessischen 170-Einwohner-Ort Dannenrod kennengelernt.

Barbara Schlemmer, die mit ihrer Bürgerinitiative seit vielen Jahren gegen den Ausbau der Autobahn kämpft, hat mir an diesem Augusttag gesagt: „Die Verlängerung der A49 ist eine Katastrophe für das Klima und für unsere Region”. Und dann: „Luisa Neubauer müsste herkommen, alle von Fridays for Future, die ganze Klimabewegung! Wir müssen das stoppen!”

Protest im Dannenröder Wald

Und dann, an einem verschneiten Dezembertag, sind sie alle da: die Geschäftsführer sämtlicher Umweltverbände, Schauspieler*innen, Hunderte Aktivist*innen von Ende Gelände und Fridays for Future – die ganze Klimabewegung hat sich im Wald versammelt.

Die Rodung ist fast vollzogen. Nur drei oder vier Eichen stehen noch, majestätisch-mahnend, in der Schneise. Bald schon wird hier nur noch Asphalt sein, 40 Kilometer neu gebaut, damit noch mehr Autos noch schneller vorankommen. 

Dannenröder Wald: Lokaler Protest wird zur bundesweiten Bewegung 

Die schwarz-grüne Landesregierung von Hessen hat den Polizeieinsatz durchgezogen. Trotz Corona – und gegen massiven Protest der Grünen auf Bundesebene und von Basis-Grünen wie Barbara Schlemmer. Die hessische CDU und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) haben triumphiert. Aber der Autobahnausbau hier in Hessen könnte der letzte sein. Diesen Diskurs haben wir schon gewonnen: Für neue Autobahnen gibt es so wenig gesellschaftlichen Rückhalt wie nie zuvor.

Mit unseren Protesten für den Danni haben wir die Verkehrswende zum bundesweiten Thema gemacht. Tausende Aktivist*innen und Bürger*innen haben sich für den Danni eingesetzt: Sind in Bäume geklettert, haben Menschenketten organisiert und Petitionen unterzeichnet. Die Altersspanne reicht von Familien mit kleinen Kindern beim Laternenumzug bis zur Sitzblockade der „ü60-Gruppe” im Morgengrauen. Und im ganzen Land gab es Fahrrad-Demos auf Autobahnen in Solidarität mit #Dannibleibt.

250.000 Unterschriften und ein Versprechen für die Verkehrswende

Ein Moratorium, also einen Stopp und eine Überprüfung für alle neuen Autobahn-Projekte, außerdem Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV): 250.000 Menschen haben diesen Online-Appell unterzeichnet. Anfang Oktober unterstützte auch die Bundesspitze der Grünen unsere Forderungen. Darauf wollen wir aufbauen. 

Bundestagswahl wird zur Klimawahl

Dieses Jahr machen wir die Bundestagswahl zur Klimawahl – und erinnern die Grünen daran, dass sie ihr Versprechen für die Verkehrswende einhalten. 

Wir bieten dem Autowahnsinn die Stirn – und fordern mit Hunderttausenden die Verkehrswende.

Das breite Bündnis, das rund um den Dannenröder Wald entstanden ist, tragen wir weiter – auch an andere Protestorte, andere Autobahnbaustellen und bedrohte Wälder. Von Bürgerinitiativen bis Blockaden: Wir bieten dem Autowahnsinn die Stirn – und fordern mit Hunderttausenden die Verkehrswende.
So grausam der Anblick der gefällten Bäume auch ist – für Barbara Schlemmer ist ein Wunsch in Erfüllung gegangen: Fridays-For-Future-Aktivistin Luisa Neubauer ist gekommen. 
An diesem verschneiten Dezembertag steht sie neben Barbara im Wald und ruft durch ein Megaphon: „Man kann an diesem Ort einen Ort der Zerstörung sehen. Aber man kann auch einen Ort sehen, an dem Unglaubliches passiert.”

Barbara applaudiert, als Luisa hinzufügt: „Der Danni ist das Zeichen, dass es nicht so bleiben muss”, „Danni bleibt die Hoffnung, Danni bleibt die Inspiration, Danni bleibt der Mut.” 

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3 Kommentare

  • von sepp kernig

    sehe ich ganz genau so!

  • von sepp kernig

    sehe ich genau so!

  • von Hans-Joachim Hauschild

    Wer glaubt das sich nach der Bundestagswahl
    eine Verkehrswende gibt,ist nich richtig informiert
    denn von der SPD und CDU/CSU ist keine Unterstützung
    zu erwarten,und die Grünen sind auch nicht mehr das
    was sie mal wahren, ich kenne keine Partei die sich
    für die Verkerswende einsetzt.

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Veröffentlicht von Lara Eckstein

Lara Eckstein hat ihre Masterarbeit über Auswirkungen der Klimakrise in Bangladesch geschrieben und setzt seitdem alles daran, globale Ungerechtigkeiten zu stoppen. Dafür blockiert sie mit Ende Gelände Braunkohlebagger, gibt Workshops und schreibt Artikel. Bevor sie 2019 zu Campact kam, hat sie beim ADFC Fahrradpolitik gemacht.