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Meine wunderbare Woche (KW 49)

Natürlich weiß ich, dass viele Menschen am Wochenende arbeiten müssen - liebe Grüße und vielen Dank! Für mich aber ist freitags Schluss. Ich schreibe dann noch meinen Wochenrückblick und verschwinde ins Nichts. Diesmal geht es um Rüstung, Heinrich und eine Zuckerschnute namens Mortimer.

Rückblick kw49
Das kann doch kein echter Kalender sein.

Montag, 5. 12. 2022

Da Du es vermutlich nicht gemerkt hast – die FIFA-WM in Katar läuft immer noch. Traurig. Zum Ausgleich hier was Lustiges zum Thema Fußball. Schau bis zum Schluss.

Dienstag, 6. 12. 2022

Das schwedische Friedensinstitut Sipri hat quasi eine Aktienempfehlung herausgegeben: Rüstungsfirmen! Die größten 100 Waffenkonzerne der Welt haben 2021 Waffen und militärische Dienstleistungen im Wert von fast 540 Milliarden Euro verkauft – 1,9 Prozent mehr als 2020. Die siebte Steigerung in Folge. 2022 und 2023 dürfte es dank Krieg in Europa weiter massiv nach oben gehen. Und das ist ganz schön bitter.

Mittwoch, 7. 12. 2022

Ich könnte jetzt 1000 relativierende Witzchen über den irren Opa Heinrich Reuß und seinen versuchten Putsch machen. Da bietet sich unfassbar viel an – und man kann das getrost der „heute-show“ überlassen. Fakt aber ist: Die ganze Sache ist kein bisschen komisch. Nicht wegen Heinrich, sondern weil Menschen beteiligt waren, die von ihrer Aufgabe her unsere Demokratie schützen sollen. Neben einer Ex-Parlamentarierin von der AfD hochspezialisierte Polizisten und Soldaten. Leute, die Waffen haben oder sich damit bestens auskennen. Leute, die bereit waren, Menschen zu töten. Vermutlich wollten sie das wohl im Bundestag. Natürlich wäre niemand sonst dieser Truppe gefolgt aus dem Volk. Aber rechter Terror ist dieser geplante Putsch allemal. Schon wieder. Nach Oktoberfest-Anschlag und NSU ein weiterer sehr heftiger faschistischer Irrsinn. Neben all den Taten, die gar nicht in Statistiken auftauchen. Ich bin froh, dass die Staatsanwaltschaft hier so klug reagiert hat. Aber dieses Land muss wirklich mehr gegen Nazis tun, als auf den letzten Drücker das Schlimmste zu verhindern.

Donnerstag, 8. 12. 2022

Twitter gilt allgemein als Netzwerk der Gehässigkeit, auf dem sich in erster Linie Journalist*innen und Poltiker*innen böse Dinge sagen. Stimmt auch ein bisschen. Aber es gibt eben die Ausnahmen. Liebevolle, stimmungsaufhellende und witzige Accounts, die mit viel Herzblut gefüllt sind. Einer davon gehörte zu einem Basset Hound namens Sir Mortimer. Das Tier von edlem Stand zog seit Jahren tausende Fans an. Im Laden seines Frauchens führte er Taschenkontrollen bei den Kund*innen durch – immer auf der Suche nach Äpfeln. Er inspizierte täglich seine Düsseldorfer Ländereien auf der Suche nach Blumen, an denen man riechen kann. Und natürlich schlief er in allen Positionen, die so ein umständlicher Basset-Körper überhaupt zulässt. Wir kannten ihn fröhlich, verliebt, grummelig, aber immer hungrig. Jetzt ist Morti, wie man ihn etwas unförmlich nannte, mit 12 Jahren gestorben. Und mit ihm ein Hund, auf den sich selbst bei Twitter alle einigen konnten.

Freitag, 9. 12. 2022

Seit einigen Jahren beobachte ich den Stand in Sachen Kernfusion. Das ist das Gegenteil von Kernspaltung, wie wir sie zum Glück gerade loswerden. Forschende geben weltweit Milliarden aus, um diese „unendliche Energie“ zu erschließen.

Und das war letzte Woche los. Hier klicken.

Ganz vorne mit dabei sind natürlich China und die USA. Und tatsächlich: Würde alles funktionieren, wäre die Menschheit für mindestens 6000 Jahre die Energie-Probleme los. Denn bei der Kernfusion, die sich täglich auch in der Sonne abspielt, braucht es nur wenig Material, um sehr viel Energie zu erzeugen. Das ist gut. Schlecht ist, dass dieses Material auf – bitte festhalten – mindestens 100 Millionen Grad Celsius erhitzt werden muss. Erst dann zappeln Atomkerne so schnell herum, dass Plasma entsteht – quasi ein Atom-Gewabbel ohne jede Ordnung. Im Moment ist es so: Um diese 100 Millionen Grad zu erzeugen, braucht es enorm viel Energie. So viel, dass der Energiegewinn aus dem Fusionsreaktor zurzeit noch viel geringer ist. Ein Minusgeschäft. Auf absehbare Zeit dürfte sich das nicht ändern. Der nächste große Fortschritt wird erst 2050 erwartet. Ich melde mich dann wieder, 80-jährig.

Vorhersage fürs Wochenende

Ich lasse mich in einer Bäckerei einschließen und esse die ganze Nacht Puddingteilchen.

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Autor*innen

Jochen Müter

Jochen Müter

Jochen Müter ist Diplom-Journalist und Politikwissenschaftler. Er schrieb als Ghostwriter einige Autobiographien und war Chef vom Dienst bei n-tv. Seit 2017 leitet er die Campact-Redaktion. Im Blog befasst er sich mit Protestbewegungen und steuert seinen Wochenrückblick bei.

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