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Die Klimadaten, die wir nicht sehen

Die Daten laufend im Blick behalten? Bei Corona war das üblich und auch an der Börse ist das gang und gäbe. Nur bei Klimadaten hakt es – dabei muss der Zusammenhang zwischen Verhalten und Krise hier dringend hergestellt werden.

Während Corona und an der Börse ist es längst üblich, die Daten laufend im Blick zu halten. Nur bei Klimadaten hakt es.
Foto: IMAGO / Shotshop

Was nützen Daten zu Erwärmung, Trockenheit und Artensterben, wenn wir sie, genau wie Klimamodelle, die die Konsequenzen unserer Entscheidungen veranschaulichen können, nicht zu Gesicht bekommen? Die besten Daten bringen nichts, wenn unsere Kommunikationskultur darin besteht, an Klimadaten vorbeizuschauen. Aber, warum sollte beim Klima nicht gehen, was während der Corona-Pandemie ging und seit Jahr und Tag den Puls der Börsen bestimmt? Laufende Sichtbarkeit von Daten und darauf zu reagieren.

404 Klimadaten-Kommunikation

Während der Corona-Pandemie waren es tägliche und teilweise stündliche Berichte und Zahlenreihen, die die komplette Bevölkerung über die Infektionslage und über Maßnahmen informiert haben. Dieser Informationsstrom war ein Tool zum Krisen-Management. Es gibt einen weiteren Datenstrom, dessen Auf und Ab genauestens unter öffentlicher Beobachtung steht: Börsenkurse. Websites, Apps und TV-Sender berichten rund um die Uhr über Zahlen, Hintergründe, Prognosen und Geschichten von den Märkten auf der ganzen Welt. Sowohl die Börse, als auch die Corona-Krise haben in der breiten Öffentlichkeit sichtbare informationstechnische Innovationen ausgelöst. Schnellere Datenübermittlung, Live-Daten auf Websites und in Apps, Anwendungen, die die Daten noch näher an die Menschen bringen. Diese Daten beeinflussen das Handeln von Menschen. Doch beim Klima herrscht nahezu Stillstand.

Erlernte Handlungsunfähigkeit

Die Folge ist, zumindest nehme ich es so wahr, dass die Klimakrise nicht als ein aktuell stattfindender Prozess, der beeinflusst werden kann, sichtbar ist, sondern sich aus einzelnen Berichten zusammensetzt, die nur eine Richtung kennen: abwärts. Mit diesem Trend will niemand interagieren. Es scheint, als könne keine noch so große, noch so gemeinsame Handlung diesen Trend aufhalten.

In meinem Umfeld schauen die meisten Menschen nur ganz kurz hin oder gar nicht, oft aus Selbstschutz. Wer hinschaut, wird unruhig, will handeln und schüttelt den Kopf angesichts von so viel Passivität und mit Blick auf all die Diskussionen, die am eigentlichen Thema vorbeigehen. Nun sind Corona- und Börsendaten nicht mit Klimadaten gleichzusetzen. Anders als Börsendaten bieten sie keine finanziellen Gewinnoptionen. Klimadaten sind weniger tagesaktuell, aber die Nachrichtenwelt kennt nichts Älteres, als die Zeitung von gestern.

Der vielleicht wichtigste Unterschied ist: Es wurden konkrete Handlungsoptionen erschaffen, um individuell und kurzfristig auf Corona- und Börsendaten zu reagieren. Kaufen, verkaufen; Distanz halten, Maske tragen. Dazu kommen Systemzwänge: Gesetze und die berüchtigten Regeln des Marktes. Klimadaten aber lassen uns in erlernter Handlungsunfähigkeit versinken. Fehlende Links zwischen Daten und Verhalten sind ein Problem unserer hausgemachten Klima-Kommunikations-Kultur. Wir sehen keinen Zusammenhang zwischen unserem persönlichen Verhalten und der Krise. Diese Sichtbarkeit könnte aber digital hergestellt werden.

Die falschen Dinge im Blick

Friedemann Ebelt engagiert sich für digitale Grundrechte. Im Campact-Blog schreibt er darüber, wie Digitalisierung fair, frei und nachhaltig gelingen kann. Alle Beiträge zu den Themen Digitalisierung und Klimakrise findest Du hier.

Digitalisierung könnte so etwas sein, wie ein sensorisches Netz, dass uns Menschen Rückmeldung dazu gibt, wie es dem Planeten geht, damit wir unser Verhalten anpassen können. Eine Art künstliches Nervensystem aus Sensoren, Klimamodellen und in unseren Alltag integrierter Wissens-Kommunikation über den Zustand unserer Lebensgrundlage. Das wäre eine technische Utopie für einen Link zwischen Planet und Mensch, die die verloren gegangene Verbindung der beiden vielleicht ein Stück weit ersetzen könnte. Wenn wir laufend im Blick hätten (wie bei Corona- und Börsendaten), wie viel und welche Energie wir verbrauchen, wie viel Müll wir produzieren, wie hoch oder niedrig Recycling-Quoten sind, wie viele und welche Treibhausgase wir in die Luft pusten, wie sich die Erderwärmung, die Bodentrockenheit, der Grundwasserspiegel und das Artensterben entwickeln, hätten wir eine größere Chance, uns besser zu den Klimaveränderungen zu verhalten. Wir verbringen im Schnitt 2,5 Stunden pro Tag auf sozialen Medien und haben da so einiges im Blick, nur leider nicht den Ast, auf dem wir sitzen. Darum:

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Autor*innen

Friedemann Ebelt engagiert sich für digitale Grundrechte. Im Campact-Blog schreibt er darüber, wie Digitalisierung fair, frei und nachhaltig gelingen kann. Er hat Ethnologie und Kommunikationswissenschaften studiert und interessiert sich für alles, was zwischen Politik, Technik, und Gesellschaft passiert. Sein vorläufiges Fazit: Wir müssen uns besser digitalisieren! Alle Beiträge

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