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Diese 5 bedrohten Arten profitieren von ökologischer Landwirtschaft

Naturschutz und Landwirtschaft: Passt das überhaupt zusammen? Na klar! In manchen Fällen profitiert die Natur sogar von ökologischer und bäuerlicher Landwirtschaft – wie zum Beispiel diese fünf bedrohten Arten.

Eine Gewöhnliche Pelzbiene bzw. Gemeine Pelzbiene auf einem grünen Blatt.
Die Gewöhnliche Pelzbiene, eine bedrohte Wildbienen-Art, profitiert von Brachflächen und Blühstreifen in landwirtschaftlichen Räumen. Foto: IMAGO / blickwinkel

Großkonzerne diktieren Dumpingpreise für Lebensmittel, Subventionen helfen vor allem der Agrarindustrie und kleine Bauernhöfe stehen vor dem Aus: Landwirt*innen in ganz Deutschland plagen Sorgen und Probleme. Der Bauernverband instrumentalisiert nun diese Sorgen, um die Bäuer*innen gegen den Umweltschutz aufzubringen, insbesondere bei der Nutzung von Brachflächen. Dabei nutzen der Naturschutz und der Artenschutz auch der Landwirtschaft, denn viele Nutzpflanzen brauchen Bienen, Hummeln und andere Insekten für die Bestäubung. Und andersherum gibt es auch Arten, die von einer ökologischen, regenerativen Landwirtschaft profitieren. Wir zeigen Dir exemplarisch fünf seltene Arten, die wir schützen müssen – und wie die Landwirtschaft dabei helfen kann.

Bienen, Schmetterlinge & Co. retten!

Ein Schmetterling fliegt über eine bunte Blumenwiese
Die EU will die geplante Pflicht für Artenschutzzonen auf Äckern aussetzen. Eine Katastrophe für bedrohte Vögel, Insekten- und Pflanzenarten, Foto: Campact e.V.

1. Wildbienen

Wildbienen sind neben Honigbienen die wichtigsten und bekanntesten Bestäuber in der Landwirtschaft. Die vielen Wildbienen-Arten mit ihren unterschiedlichen Größen und Sammelwerkzeugen sind wie geschaffen für eine diverse, abwechslungsreiche Kulturlandschaft. Manche Pflanzen sind explizit auf die Existenz bestimmter Arten angewiesen, weil sie nur von ihnen bestäubt werden können. Wildbienen haben im Vergleich zu Honigbienen auch einen entscheidenden Vorteil für die Landwirtschaft: Sie besuchen Blüten auch dann noch, wenn es den Honigbienen schon viel zu kalt ist. So kann bei Frostperioden während der Obstblüte die Ernte durch kälteresistente Wildbienenarten wenigstens teilweise gerettet werden. Die Bäuer*innen revanchieren sich dafür mit Blühstreifen, wilden Brachflächen sowie dem Verzicht auf tödliche Ackergifte wie Glyphosat und Neonikotinoide.

Was ist eine Brache?

Eine Brache ist eine landwirtschaftliche Fläche, die zeitweise nicht wirtschaftlich genutzt wird. Die Brache kann speziell eingesäht oder sich selbst überlassen werden. Brachflächen erfüllen vielfältige Funktionen. Für zahlreiche Pflanzenarten und an den Lebensraum gebundene Tierarten sind Brachen Rückzugsraum und Nahrungsquelle.

Der Schutz dieser Flächen soll europaweit gelockert werden, heißt: mehr Landwirtschaft, weniger Artenschutz. Agrarminister Cem Özdemier (Grüne) kann das verhindern. Fordere auch Du ihn auf, den Lebensraum der bedrohten Arten zu retten:

2. Wachtelkönig

Auch der Wachtelkönig profitiert von Brachen. Dieser Vogel mit dem stolzen Namen lebt nämlich gerne in hochgewachsenen, feuchten Wiesen. Er ist sehr scheu, weshalb man ihn selten zu Gesicht bekommt – allerdings auch, weil er als vom Aussterben bedroht gilt. Seine Population leidet unter dem Verlust intakter Feuchtwiesen. Besonders eingesäte oder sich selbst überlassene Brachen sind deshalb ein prima Lebensraum für den Wachtelkönig.

Wo man das bereits beobachten kann: in der Hellwegbörde in Westfalen, ein Gebiet mit über 90 Prozent landwirtschaftlich genutzter Fläche. Dort wurde – in Zusammenarbeit mit den Landwirt*innen – ein Vogelschutzplan ausgearbeitet. Dieser sorgt durch die clevere Verteilung von Blühstreifen und Brache dafür, dass Wachtelkönig, Wiesenpieper und Wiesenweihe genug Bruträume und Nahrung finden. Mit Erfolg: In den vergangenen Jahren konnten sich die Bestände aller drei Arten erholen. Auch hier helfen die geschützten Vögel der Landwirtschaft: Während Wachtelkönig und Wiesenpieper Insekten-Schädlinge dezimieren, geht die Wiesenweihe auf Jagd von Nagern.

3. Alte Obstsorten

Braeburn, Gala und Elstar – diese Apfelsorten werden gerne in Supermärkten verkauft und von deutschen Verbraucher*innen gegessen. Für den Verkauf werden Obstbäume vor allem nach Ertrag ausgewählt. Wie bei vielen Obst- und Gemüsearten sind hier sowohl Überzüchtung als auch die Verdrängung von einzelnen, vermeintlich unrentablen Arten ein Risiko. Monokulturen führen zu mehr Krankheiten und Schädlingen: Pestizide müssen eingesetzt werden. Nicht der Fall ist das auf Streuobstwiesen mit alten Sorten oder traditionellen Bauerngärten, die viele Höfe noch besitzen. Mit ihrer Mischung aus unterschiedlich alten, hochstämmigen Bäumen beherbergen sie viele Insekten, aber auch Vögel, die wiederum die Schädlinge fressen. In den Bauerngärten finden sich auch alte Pflanzen, die eine wichtige Futterquelle für Insekten darstellen. Zusätzlich tragen sie zur Biodiversität bei.

Rotes Höhenvieh auf einer Wiese.
Das Rote Höhenvieh wird zum Beispiel auch in der Landschaftspflege eingesetzt. Foto: IMAGO / Zoonar

4. Aussterbende Haustierrassen

Die industrielle Landwirtschaft setzt in erster Linie auf speziell gezüchtete Tierrassen: Das Huhn, das besonders viele Eier legt, aber kaum Fleisch ansetzt – dafür gibt es dann eine andere Rasse. Die Kuh, die eine besonders hohe Milchleistung hat. Und so weiter. Dadurch schrumpft die Artenvielfalt und alte Haustierrassen werden immer mehr verdrängt, weil ihre Haltung zu kostspielig beziehungsweise nicht rentabel genug ist, wie bei den auf Effizienz gezüchteten und sparsam gehaltenen „Produktionsrassen“. In den letzten Jahren haben sich aber immer mehr Landwirt*innen auf die Erhaltung von gefährdeten Haustierrassen spezialisiert. Ein Beispiel: das Rote Höhenvieh. Diese robuste Rinderrasse konnte ihren Bestand in den letzten 20 Jahren fast verfünffachen – weil es Landwirt*innen gibt, die Nachzucht, artgerechte Aufzucht sowie regionale Schlachtung und Vermarktung in die Hand nehmen.

5. Schwebfliegen

Sie sind unscheinbar, aber sehr wichtig: Die Schwebfliegen sind nach den Bienen die zweitwichtigsten Bestäuber der Landwirtschaft. Allerdings stehen bereits 314 der 890 europäischen Schwebfliegenarten in einer der drei höchsten Gefährdungskategorien; das bedeutet, sie sind vom Aussterben bedroht. Dabei sind sie sehr nützlich, nicht nur als Bestäuber. Die Larven der Schwebfliegen fressen nämlich Schädlinge und halten sie so in Schach. Eine nachhaltige Landwirtschaft ohne Pestizide, dafür mit Blühstreifen, mit Wildblumen, Feldhecken und Feuchtgebieten hilft den Schwebfliegen.

Wie groß eine Brache sein und wie die Landwirt*innen mit diesen Flächen umgehen sollen, ist im achten „Grundsatz der Erhaltung landwirtschaftlicher Flächen in einem guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand“, kurz GLÖZ8, erklärt.


Hättest Du gedacht, dass die Landwirtschaft diesen Arten so viel bringt? Naturschutz und bäuerliche, regenerative Landwirtschaft gehen Hand in Hand, wenn alle – Mensch und Tier – davon profitieren sollen. Gerade Arten, die nicht niedlich sind und deshalb oft keine Lobby haben, können so profitieren. Letztendlich sichert eine nachhaltige Landwirtschaft aber auch uns Menschen langfristig das Überleben. Deshalb steht Campact für eine bäuerliche, nachhaltige Landwirtschaft ein. Lies auf der Themenseite weiter, wenn Du mehr erfahren möchtest.

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Autor*innen

Linda Hopius ist freie Journalistin und schreibt zu den Themen Umwelt und Naturschutz. Dazu arbeitet sie als Naturmentorin in der Wald- und Erlebnispädagogik und berichtet darüber auf ihrem Instagram-Kanal @lindasnaturgeschichten. Für Campact arbeitet sie seit 2024 als freie Journalistin und kümmert sich im Campact-Blog vor allem um Service-Themen. Alle Beiträge

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