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Fracking vor dem Kanzleramt

Gefährliche Dämpfe, kreischende Bohrer, die sich in den Untergrund fressen, giftiges Trinkwasser – sollte die Regierung mit ihrem laschen Fracking-Gesetz durchkommen, könnte dieses Szenario bald Alltag werden. Mit einer Protest-Aktion vor dem Kanzleramt fordern wir: Fracking richtig verbieten! Und bekommen erstaunlichen Rückenwind.

Gefährliche Dämpfe, kreischende Bohrer, die sich in den Untergrund fressen, giftiges Trinkwasser – sollte die Regierung mit ihrem laschen Fracking-Gesetz durchkommen, könnte dieses Szenario bald Alltag werden. Mit einer Protest-Aktion vor dem Kanzleramt fordern wir: Fracking richtig verbieten! Und bekommen erstaunlichen Rückenwind.

Mehr Bilder findest Du auf dem flickr-Account von Campact.

Morgens früh um sieben vor dem Kanzleramt: Bauabsperrungen werden errichtet, ein großes Bohrgerät in Anschlag gebracht, giftgrüne Flüssigkeit abgefüllt. Was für die Passant/innen noch wie eine normale Baustelle aussieht, soll wenig später die Weltpremiere einer Fracking-Probebohrung vor dem Kanzleramt werden.

Und an diesen Anblick sollte die Welt sich gewöhnen. Denn kommt die Regierung mit ihrem Fracking-Gesetz durch, das heute im Bundeskabinett beschlossen wurde, dann könnten Probebohrungen in Deutschland irgendwann zum Alltag gehören. Und dabei handelt es sich nur um eine der vielen Hintertüren für Exxon und Co., die die Regierung in ihr Gesetz eingebaut hat.

Fracking im Regierungsviertel: Kreischende Bohrer und giftige Dämpfe

Wie das dann aussieht, führen als Wissenschaftler verkleidete Aktivist/innen kurze Zeit später unter dem Protest von mehr als 100 Aktiven von Campact, BUND, Nabu, Robin Wood und anderen vor. Inzwischen ist es 8:30 Uhr. Vor dem Kanzleramt wabern giftige Dämpfe, der Bohrer frisst sich kreischend in den Untergrund, Wissenschaftlerinnen nehmen die Frack-Flüssigkeit unter die Lupe – und stellen großzügig die Unbedenklichkeit der Bohrung fest. Die Menge antwortet mit einem lauten „Buuuuuhhhh!“.

So stellen Exxon und Co. sich das vermutlich vor: Die Forschung als Einstieg ins kommerzielle Fracking. Dabei ist klar: Für die Energiewende ist durch Fracking gewonnenes Gas nicht nötig. Bedienen soll es allein die Profitinteressen der Energiekonzerne. Und aus Klimaschutzgründen gilt: Die Fossilen müssen im Boden bleiben.

Kein Einstieg ins kommerzielle Fracking!

An dieser Botschaft kann die versammelte Presse dann auch nicht vorbei. Alle wichtigen Fernsehsender, die Agenturfotografen und Zeitungen nehmen es auf: Mit diesem Fracking-Gesetz macht die Regierung sich bei ihren Wähler/innen unbeliebt – so lange, bis Fracking verboten wird. Und das sehen auch die Minister/innen, die in ihren Limousinen vorfahren. An der Straße hat sich inzwischen ein großer Auflauf gebildet. Falls die Regierung gedacht hat, mit ein bisschen Fracking-Verbot besänftigt sie den Protest – dann haben wir heute gezeigt, dass sie da falsch liegt.

Rückenwind: Unser Protest wirkt und bleibt unübersehbar

Das zeigt sich bereits in den Presseberichten (FAZ, Deutsche Welle, Tagesschau) kurz nach der Aktion. Viele Abgeordnete fürchten den Aufruhr in ihren Wahlkreisen, den dieses Gesetz verursachen wird. Weit über 100 Abgeordnete aus CDU und SPD haben jetzt angekündigt, dieses Gesetz im Bundestag so nicht passieren zu lassen. Und klar ist: Draußen stehen dann wieder wir!

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Autor*innen

Chris Methmann

Chris Methmann

Dr. Chris Methmann ist Geschäftsführer von foodwatch Deutschland. Vorher hat er bei Campact Kampagnen geleitet. Als langjähriger Aktivist und Campaigner in der Klimabewegung streitet er für ein Ernährungssystem, das die Grenzen unseres Planeten endlich respektiert – und setzt sich dafür ein, dass nur ehrliches, gesundes und zukunftsfähiges Essen auf unseren Tellern landet.

10 Kommentare

Kommentare sind geschlossen
  1. Stark erhöhte RADON-Gaswerte in Fracking-Gebieten:

    Aktuelle Studie der John-Hopkins-UNI Pensylvania belegt zuverlässig, daß von 2005 / Frackingbeginn dort bis 2013 die RADON-Konzentration in Kellern/Häusern auf 39 % über denen in Nicht-Fr.-gebieten angelangt ist (veröffentlicht in „Environmental Health Perspectives“)

    RADON gilt als krebserregend…..

    Kann man das in die kommenden Samstag-Aktionen noch integrieren?

  2. Das Gesetz wurde wahrscheinlich mit Absicht so erlassen, um dem Fracking im Rahmen der Geothermie zu ermöglichen. Tiefe Geothermie benötigen wir als EE im Rahmen der Energiewende. Erst informieren bitte und dann populistisch werden.

  3. Ich denke wenn Alle Bürger in den Medien die Resultate des Frackings in den USA beobachtet hätten, müssten Sie für alle Minister die dafür stimmen ein Hirnfracking fordern.
    Im Vertrauen gesagt bin ich der Meinung:“dass alle Minister die jemals den Amtseid abgelegt haben in die Kategorie Meineidbauer eingruppiert werden, oder die Aussage Schaden vom Volke abwenden sollte in Schaden anzuhäufen umgewandelt werden!“

  4. Die Aktion ein überaus schlechtes Schauspiel, noch schlechter kommentiert. Wo sind die Argumente? „Mit diesem Fracking-Gesetz macht die Regierung sich bei ihren Wähler/innen unbeliebt – so lange, bis Fracking verboten wird.“ Aha. Ist das ein Argument oder beschreibt das eher die Strategie in Ermangelung von echten Argumenten?

    „Seit über 10 Jahren aktiv in der Umwelt- (…) Bewegung.“ garantiert eben weder für Fachkompetenz, noch für gute Agumentation.

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