Diese Grafik geht um die Welt

Was diese Grafik mit der Braunkohle in der Lausitz, dem Kampf gegen Fracking - und der Zukunft unserer Kinder zu tun hat, erfährst Du hier.

von  Jörg Haas 2 Kommentare
Schön, nicht, diese bunte Spirale? Sie verbreitet sich gerade im Internet wie ein Lauffeuer. Doch es geht hier nicht nur um eine interessante Animation. Was diese Grafik mit der Braunkohle in der Lausitz, dem Kampf gegen Fracking – und der Zukunft unserer Kinder zu tun hat, erfährst Du hier.

Weltweiter Temperaturanstieg 1850-2016
Der weltweite Temperaturanstieg 1850-2016 in einem Bild. Quelle: Ed Hawkins, ClimateLab

Ein Internet-Hit

Diese Grafik hat es in sich. Über 14.000 mal wurde sie auf Twitter geteilt. Was sie zeigt? Im Uhrzeigersinn durchläuft eine Spirale die Monate des Jahres – vom Januar 1850 bis zum März 2016. Sie zeigt den Anstieg der weltweiten Mitteltemperatur. Der rote Null-Kreis ist die Basislinie aus der Zeit der frühen Industrialisierung: die globale Temperatur im Mittel der Jahre 1850-1900.

Nach außen wird es dann immer wärmer mit zwei weiteren roten Kreisen: 1,5°C und 2,0°C Erwärmung gegenüber dieser Basis. Der Klimagipfel in Paris hat im Dezember diese kritischen Zielmarken beschlossen: 2°C Erwärmung als die Haltelinie, die wir auf keinen Fall überschreiten dürfen. Und 1,5°C als das Ziel, um die am meisten gefährdeten Menschen des globalen Südens vor den schlimmsten Folgen des Klimawandels zu schützen.

Das Klima läuft aus dem Ruder

Monat für Monat werden neue Rekorde gebrochen: Das Klima läuft aus dem Ruder – es nähert sich rasch der 1,5°C Schwelle. Die weltweiten Schreckensmeldungen passen dazu: Waldbrände in Kanada, Korallensterben im Südpazifik, Dürren in Afrika.

Doch immer mehr Menschen stecken angesichts dieser schlechten Nachrichten nicht den Kopf in den Sand, sondern Handeln. Sie wissen: Wenn wir nur die bereits bekannten Vorkommen an Kohle, Öl, und Gas verbrennen, dann wird diese Kurve die kritischen Schwellen von 1,5°C und 2,0 rasch durchbrechen. Unsere Erde wird dann kein gastfreundlicher Planet für unsere Kinder bleiben.

100% Erneuerbare – schneller möglich als man denkt

Doch das muss nicht so kommen. Die vollständige Umstellung auf Erneuerbare Energien ist möglich – und sie kann schneller gehen als gedacht. Der bekannte Futurist Ray Kurzweil hat vor kurzem folgendes Gedankenspiel vorgestellt: bei Fortschreibung der aktuellen Verdoppelung der Solarenergie alle zwei Jahre, wären schon in 12 Jahren 100 Prozent Erneuerbare möglich. Die technischen Probleme sind lösbar, und die Kosten sind inzwischen gering. Das wichtigste Hindernis ist die Macht der fossilen Energiekonzerne, deren Geschäftsmodell auf der Förderung und Verbrennung von Kohle, Öl und Gas besteht. Sie setzen alles daran, um die Erneuerbaren auszubremsen, den Umstieg hinauszuzögern.

Ein weltweiter Aufstand beginnt

Doch im Mai 2016 haben sich weltweit an zahlreichen Orten Menschen zur Wehr gesetzt: mit 20 Aktionen des zivilen Ungehorsams auf 6 Kontinenten mit mehr als 30.000 Teilnehmern. Die größte Welle zivilen Ungehorsams, die es bisher weltweit gab. Ein paar Beispiele:

  • In Australien wurde mit Kayaks der weltgrößte Kohlehafen blockiert.
  • In Cirebon, Indonesien, legten Aktivist/innen einen Kohleumschlagplatz für Stunden lahm.
  • In Albany, USA, blockierten hunderte Menschen die Gleise, um „Bombenzüge” mit Rohöl aufzuhalten.
  • In Vancouver (Kanada) nahmen Aktionen zu Lande und auf dem Wasser die Ölverladestation einer Pipeline aufs Korn.
  • Doch die größte Aktion war Ende Gelände gegen die Braunkohle bei uns in der Lausitz. Sie hat weltweit Menschen begeistert und inspiriert.

Gemeinsam können wir die fossilen Konzerne stoppen

Noch bohren, fracken, baggern die Konzerne was die Erde hergibt. Und was aus dem Boden geholt wird, wird verbrannt. Landet als CO2 in der Atmosphäre. Heizt den Planeten auf. Jede Tonne Braunkohle schmilzt 2,5 Tonnen Gletschereis, das wiederum die Meere ansteigen lässt. Schon sind die ersten Inseln im Pazifik versunken.

Doch muss das nicht so weitergehen: Gemeinsam können wir den Erneuerbaren Energien den Durchbruch verhelfen. Drei Schritte sind dafür jetzt in Deutschland nötig:

#1 – Kohleausstieg beschließen und umsetzen

Deutschland ist der größte Braunkohle-Produzent der Erde. Braunkohle ist der Klimakiller Nummer 1. Braunkohlestrom verstopft die Stromnetze, Braunkohleabgase vergiften unsere Luft mit Quecksilber. Daher muss der Kohleausstieg gesetzlich beschlossen werden. Der Strukturwandel in den Revieren kann sozial abgefedert werden.

#2 – Fracking stoppen

Die CDU will mit einem Gesetz dem umstrittenen Fracking den Weg bahnen, um auch noch das letzte Quentchen Erdgas aus der Erdkruste zu holen. Doch die SPD stellt sich bisher quer. Jetzt müssen wir sie überzeugen, hier nicht nachzugeben.

#3 – EEG retten, Erneuerbare durchstarten

Den großen Stromkonzernen in Deutschland geht der Ausbau der Erneuerbaren zu schnell. Sie können immer weniger Strom aus Kohle und Gas verkaufen. Daher wollen ihre Freunde in der großen Koalition den Ausbau der Windenergie ausbremsen – und für Bürgerwindparks hohe Hürden aufrichten. Doch wenn wir den Bundesländern den Rücken stärken, kommt die Bundesregierung mit ihren Plänen zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) nicht durch.

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2 Kommentare

  • von helmuth Schrickel

    Das Klima ist eine natürliche Gegebenheit ,die Kräfte werden mit nur durch das Temperaturgefälle erzeugt . Nein es ist auch das Gewicht der einzelnen Stoffe ist sich in der Luft bewegen . Das Atomgewicht oder besser gesagt die Dichte eines Stoffes die bei der Temperatur und den Druck der Umgebung beeinflusst wird . Die Wissenschaft geht von einer Anziehungskraft aus die einen Mittelpunkt hat und ist unendlich davon beeinflussbar . Andere Planeten und auch das Ganze Universum spiel dabei eine Rolle . Die Anteile der Bestandteile der Luft haben sich in den Jahrtausenden kaum verändert und immer wieder werden Klimaveränderungen angezeigt ,doch hatten wir das nicht schon einmal ? Die Eiszeit die aus den Geschichtsbücher zu erlesenen ist , ist ein Beispiel . Ohne eine Industrie ,mit ihren Schadstoffen wurde über der Natur eine andere Klimazone erschaffen . Heute wird so behauptet es sei die Umweltverschmutzung die ein Klimawandel hervorruft ,aber das sind Behauptungen .

    • Lieber Herr Schrickel, mit ihrer Meinung stehen Sie im Gegensatz zur überwältigenden Mehrheit der Wissenschaftler, die sich ein Leben lang mit diesen Fragen beschäftigt haben.
      Machen Sie das in Fragen der Gesundheit auch, solch einer Außenseiter-Theorie nachsinnen, oder vertrauen Sie da nicht doch lieber einem entsprechend qualifizierten Arzt – vor allem wenn es um Leben und Tod geht?

Kommentare sind geschlossen.

Veröffentlicht von Jörg Haas

Jörg Haas, Jahrgang 1961, ist Campaigner bei Campact. Nach einem Berufseinstieg in die Entwicklungszusammenarbeit in einem Regenwaldprojekt in Ecuador war er lange Jahre als Ökologiereferent für die Heinrich-Böll-Stiftung tätig. 2008 wechselte er als Programmdirektor zur European Climate Foundation. Intensives Engagement in den UN-Klimaverhandlungen in Kopenhagen. Ohne öffentliche Mobilisierung fehlt jedoch der Handlungsdruck - daher der Wechsel zu Campact, zuerst als Pressesprecher, nun als Campaigner.