Wie JEFTA die letzten Urwälder Europas zerstört

Illegaler Holzhandel ist eine Ökokatastrophe. Und doch nutzt die EU das Handelsabkommen mit Japan nicht dazu, den viertgrößten Importeur von illegalem Holz zum Handeln zu bewegen. Umweltexperte Alexander von Bismarck erklärt, wie JEFTA auch europäische Wälder schützen könnte.

Campact: Illegaler Holzschlag – wie kann es überhaupt dazu kommen?

Alexander von Bismarck: In abgelegenen Waldgebieten ist es oft sehr schwer, Regeln einzuhalten und durchzusetzen. Die größten Holzfirmen der Welt nutzen das aus, um mit illegalem und dadurch billigerem Holz größeren Gewinn zu machen. Solange es internationale Abnehmer gibt und keine Konsequenzen für dieses Verbrechen, geht das so weiter – solange bis die Wälder weg sind.

Wie gehen die Holzfäller vor?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten: Es wird in Naturschutzgebieten geholzt oder einfach ohne Erlaubnis. Oft wird mehr gefällt als gesetzlich erlaubt. Dokumente werden gefälscht, um die Herkunft des Holzes zu vertuschen. Wenn die Stämme dann im Sägewerk landen, kann man legales von illegalem Holz nicht mehr unterscheiden.

Wie groß sind die Ausmaße des Problems?

Illegaler Holzhandel ist das weltweit drittgrößte transnationale Verbrechen, gleich nach Fälschung und Drogenhandel. Der Jahresumsatz wird auf bis zu 157 Milliarden US-Dollar geschätzt. In einigen Ländern werden bis zu 90 Prozent der Bäume illegal gefällt. Lokale Anwohner/innen und indigene Völker, die sich dagegen wehren, werden immer wieder brutal ermordet. Meist werden diese Verbrechen nicht verfolgt, weil die zuständigen Behörden entweder kein Interesse haben oder selbst vom illegalen Handel profitieren.

Wie ist die Situation in Japan?

Japan ist der viertgrößte Importeur von illegalem Holz. Zwar hat Japan 2016 einen sogenannten „Clean Wood Act“ verabschiedet – eine Regelung, die Firmen davon abhalten soll, illegale Holzprodukte zu importieren. Das Gesetz ist jedoch unzureichend: Es setzt lediglich auf freiwillige Teilnahme der Industrie und sieht keinerlei Sanktionen vor.

Was hat Handelspolitik mit illegalem Holzschlag zu tun?

Unkontrollierter internationaler Handel ist eine der Hauptursachen für illegale Abholzung. Erst wenn Import-Länder und Konsumentinnen und Konsumenten illegales Holz nicht mehr akzeptieren, kann das Verbrechen gestoppt werden.

Warum haben die Länder das Problem noch nicht erkannt?

Die gute Nachricht ist, dass Länder wie die USA, die EU und Australien bereits Gesetze haben, die die Einfuhr von illegalem Holz verbieten. Doch es hapert noch mit der Umsetzung. Aber Studien haben bereits gezeigt, dass die Einfuhr von Holz aus „verdächtigen Quellen“ in den USA zurückgegangen ist.

Was für Auswirkungen würde JEFTA, das Handelsabkommen zwischen Japan und der EU, auf diese Ökokatastrophe haben?

In seiner jetzigen Form würde JEFTA dem illegalen Holzhandel Tür und Tor öffnen. Die EU-Kommission hat in ihrer JEFTA-Analyse selbst davor gewarnt, dass die ungehinderte Einfuhr von illegalem Holz nach Japan die Situation der Wälder verschärft. Der unkontrollierte Handel zerstört sogar die letzten europäischen Urwälder, wie wir am Beispiel Rumänien gezeigt haben.

Wie müsste ein Abkommen mit Japan aussehen, das Wälder schützt anstatt sie zu zerstören?

Japan muss seine Gesetze internationalen Standards anpassen, die Einfuhr von illegalem Holz muss verboten und bestraft werden. Außerdem müssen sich beide Seiten verpflichten, solche Gesetze auch konsequent umzusetzen.

Alexander von Bismarck ist Chef der Washingtoner Umweltschutzorganisation „Environmetal Investigation Agency“, die sich auf verdeckte Umweltrecherchen spezialisiert hat.

Jetzt Eil-Appell gegen JEFTA unterzeichnen

Mit dem EU-Handelsabkommen mit Japan werden nicht nur die letzten Urwälder Europas zerstört. Mit JEFTA drohen Schiedsgerichte, Gentechnik und Hormonfleisch. Noch können wir das TTIP-ähnliche Abkommen stoppen. Unterzeichne jetzt unseren Appell.

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Veröffentlicht von Anna Cavazzini

Policy Adviser - Anna Cavazzini ist Politikwissenschaftlerin und denkt im Handelsteam bei Campact darüber nach, wie eine gerechte Handelspolitik anstelle von TTIP und Co. aussehen könnte. Sie hat fünf Jahre im Europaparlament zu Handels- und Entwicklungsfragen gearbeitet. Danach war sie im Auswärtigen Amt und bei dem Präsidenten der UNO Generalversammlung und hat sich mit Entwicklungsfinanzierung beschäftigt. Anna hat in Mexiko gelebt und sich dort im Umweltbereich engagiert. Sie hat in Indien bei einer Anti-Atom NGO mitgearbeitet.