Rettet die Biene!

Mehr Schutz für Bienen und andere Insekten, ein Verbot für den Bienenkiller Glyphosat – das hat die Bundesregierung schon vor einem Jahr versprochen. Doch Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) blockiert: Sie weigert sich, den entsprechenden Gesetzentwurf zu schreiben. Mit einem Appell fordern wir: Die Ministerin muss das Gesetz liefern – und das Bienensterben endlich stoppen.

Insektensterben stoppen

Es wird immer stiller auf unseren Feldern: Das Insektensterben in Deutschland ist massiv. Um 75 Prozent ist der Bestand in den letzten 30 Jahren geschrumpft. Die Bundesregierung kennt das Problem – und hat 2019 das „Aktionsprogramm Insektenschutz” erarbeitet. Ein zentrales Ziel: Das Aus für das Totalherbizid Glyphosat innerhalb der nächsten drei Jahre. Doch seitdem steht Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) auf der Bremse. Seit einem Jahr lässt der Gesetzentwurf aus ihrem Haus auf sich warten. Es leiden: die Bienen.

Dabei hat Klöckner das Programm sogar mitbeschlossen – und stolz mit Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) der Öffentlichkeit präsentiert. Die hat schon vorgelegt: Ihre Hälfte des Gesetzesvorschlags sieht etwa mehr Schutzzonen für Insekten vor. Aber die größten Insektenkiller sind Pestizide, allen voran Glyphosat – und die kann nur die Agrarministerin verbieten. Doch die bleibt untätig. Schlimmer noch: Sie will sogar verhindern, dass das Kabinett über Schulzes Vorschlag entscheidet. „Eine Totalblockade”, so nennt die Umweltministerin das zurecht.

Ein Bienen-Friedhof im Regierungsviertel

Wir machen Klöckners Arbeitsverweigerung jetzt öffentlich – damit das Insektenschutzgesetz und ein Glyphosat-Verbot endlich kommen. Mit einem Appell zeigen wir der Ministerin, dass Hunderttausende Menschen mehr Bienenschutz fordern. Schon nächsten Mittwoch tagt das Bundeskabinett, dort machen wir ihre Blockade zum Thema. Für je Tausend Unterzeichner*innen stellen wir eine riesige, tote Biene vor das Kanzleramt. Ein Bienen-Friedhof, den weder Klöckner noch ihre Kabinettskolleg*innen übersehen können. Je mehr Unterschriften wir zusammen bekommen, desto klarer wird unsere Botschaft an die Ministerin. Bitte unterzeichne auch du!

Libellen, Schmetterlinge, Wildbienen – unter den Pestizid-Cocktails der Agrarkonzerne leiden alle Insekten. Das Problem: 85 Prozent aller Pflanzenarten sind für die Bestäubung auf Insekten angewiesen. Darunter viele Lebensmittel: Äpfel, Tomaten oder Brokkoli können ohne Insekten nicht mehr natürlich wachsen. Deswegen ist das Gesetz auch für Bäuer*innen wichtig: Es unterstützt sie finanziell beim Insektenschutz und macht ihre Arbeit zukunftsfest.

Agrarlobby wehrt sich gegen Insektenschutz

Doch warum blockiert Klöckner? Das liegt auch am Einfluss der Agrarlobby. Große Monokulturen können nur mit massivem Pestizideinsatz betrieben werden – darum wehrt sich die Lobby gegen mehr Insektenschutz. Gerade der mächtige Deutsche Bauernverband, der eng mit großen Agrarkonzernen verflochten ist, hat viel Einfluss im Ministerium: Im August lud Klöckner den Lobbyverband zum Austausch über den Gesetzestext des Umweltministeriums ein – das irritierte selbst ihre Kabinettskolleg*innen.

Der Agrarlobby ist es bis jetzt gelungen, das Aktionsprogramm Insektenschutz und ein Glyphosat-Verbot zu verhindernAber wir halten dagegen – und fordern die Ministerin zum Handeln auf. Mit unserem Appell und der Aktion am nächsten Mittwoch zeigen wir: Hunderttausende Menschen wollen weniger Pestizide und mehr Insektenschutz. Mach mit. Wir brauchen auch Deine Stimme gegen das Insektensterben – unterzeichne den Appell.

8 Kommentare

  • von Rüdiger Debus

    Frau Klöckner ist leider beratungsresistent und wird ihren Kurs weiterverfolgen. Dh. Schönsprech nach außen und knallharte Lobypolitik durchsetzen.
    Ich werde euren Appell mit der Gewissheit unterschreiben, daß dadurch nichts passiert. Als Imker sieht man wie alles stirbt, kann aber nichts machen.

  • von Evelyn Engels

    Von einem Bauern weiß ich, dass sie – wie oben gesagt- nur wenig verdienen. Der Beruf des Bauern ist nicht lukrativ. Alle Kleinbauern gehen mit EU Bestimmungen in die Knie. Wenn wir uns die Bauern im eigenen Land erhalten wollen, sollten wir mit ihnen zusammen arbeiten und nicht gegen sie!

  • von Master

    Strauchbasilikum im Garten oder Balkon hilft auch.

    Glyphosat muss trotzdem verboten werden.

  • Selbst schuld. Ich kaufe immer bei einem Biobauernhof, der keine Pestizide einsetzt. Durch die Discounter-Preise werden die Landwirte quasi gezwungen Pestizide einzusetzen. Einfach Bio kaufen und es regelt sich von selbst.
    Meine Meinung.

  • von AB

    Liebes Campact Team,

    Betr.: Kampagne-Aufruf per mail

    In der Regel unterstützte ich ihre Programme sehr gerne – auch den Aufruf gegen Glyphosat.

    Allerdings erwarte ich auch, dass die Fakten im Aufruf stimmen. Die Aussage: Aber die größten Insektenkiller sind Pestizide, allen voran Glyphosat

    ist schlichtweg falsch, denn Glyphosat ist KEIN Pestizid, sondern gehört zur Gruppe der Totalherbizide (systemische Herbizide). Sie machen sich unglaubwürdig, wenn sie Dinge vermischen, Halbwahrheiten verbreiten und schaden der Sache….das muss nicht sein. Gute Recherche und gut gemachte Aufrufe sind die Grundlage für jede Kampagne -wenn sie ernstgenommen werden will!

    Darum meine bitte: Nacharbeiten, Fakten prüfen und nochmals posten – dann kann ich evtl. auch meine Unterschrift beisteuern.

    ..schon ein kleiner Blick auf Wiki gibt einem eine gute und differenzierte Betrachtung auf das Thema:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Glyphosat#Wirkungen_auf_Tiere

    Herzliche Grüße

  • von Hans-Joachim Hauschild

    Wir sind doch selber schuld am
    Insektensterben ,wenn wir immer
    nur billig einkaufen wollen die
    Landwirtschaft bekommt nich mal
    mehr denn Preis für ihre Erzeugnise
    weil die Diskaunter die Preise drücken.

  • von Alexandra Weyandt-Oberst

    Nicht nur Pestizide, sondern auch elektromagnetische Strahlung wie von Mobilfunk ausgehend, befeuert das Insektensterben. Dies ist durch zahlreiche, seriöse wissenschaftliche Studien belegt, siehe z.B.:
    „Biologische Wirkungen elektromagnetischer Felder auf Insekten“
    Beilage in umwelt-medizin-gesellschaft 3-2020
    zu finden: https://shop.diagnose-funk.org/Review-Biologische-Wirkungen-elektromagnetischer-Felder-auf-Insekten

    kann man sich aber auch ohne zu kaufen herunterladen

    • von Friederike Gravenhorst

      Wir wissen, dass Insekten das statische Erdmagnetfeld wahrnehmen, aber der wissenschaftliche Stand zum Zusammenhang dem Insektensterben ist nicht eindeutig. Auch die Studie von Alain Thill wurde nicht in dem sonst üblichen Peer-Review Verfahren veröffentlicht. Das Bundesamt für Strahlenschutz findet „keine wissenschaftlich belastbaren Hinweise auf eine Gefährdung“.

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Veröffentlicht von Friederike Gravenhorst

Friederike Gravenhorst hat neben ihrem Politik-Studium die Bremer Landespolitik kennengelernt. Mit einer Jugendorganisation hat sie sich gegen Autos und Polizeigesetze eingesetzt und für junge Perspektiven in der Politik gestritten. Seit 2020 unterstützt sie Campact als Junior-Campaignerin, seit November 2020 als Campaignerin.