Böse, böser, Monsanto

Presse- und Meinungsfreiheit sind in der Demokratie ein hohes Gut. Doch Campact lässt sich unberechtigte Kritik nicht gefallen. Die Debatte um die Zulassung des Pestizids Glyphosat ist in der entscheidenden Phase. Daher haben wir den „Wahrheitscheck“ der Zeit-Wirtschaftsredaktion – „Böse, böser, Glyphosat“ vom 8. November 2017 – freudig erwartet und wurden bitter enttäuscht.

von  Felix Kolb 6 Kommentare
Die Debatte um die Zulassung des Pestizids Glyphosat ist in der entscheidenden Phase. Daher haben wir den „Wahrheitscheck“ der Zeit-Wirtschaftsredaktion freudig erwartet und wurden bitter enttäuscht. Ein Check sollte gründlich zwischen Fakten und Meinung trennen – sonst kann er nicht zur objektiven Meinungsbildung beitragen. Das leistet er leider nicht.

Bundesamt für Risikobewertung hat wissenschaftliche Standards verletzt

Wer ein Gutachten zum Vorwurf eines Plagiats verfasst, wird sich dabei natürlich auf die Kapitel konzentrieren, in denen ohne eindeutige Kennzeichnung zitiert wird und nicht auf die Kapitel, in denen die Quellen sachgerecht kenntlich gemacht wurden. Genau das haben Dr. Weber und Global 2000 in großer Detailtiefe getan – und dabei erhebliche Verstöße gegen Standards des wissenschaftlichen Arbeitens festgestellt. Von daher bleibt Campact dabei, dass man bei dem Gutachten des Bundesamtes für Risikobewertung (BfR) von „bewusster Verschleierung“ sprechen kann.

Ein zentraler Vorwurf des Zeit-Artikels lautet: Das BfR habe darauf hingewiesen, eigene Bewertungen der Forschungslage in kursiv zu kennzeichnen. Das ist richtig – und zugleich höchst problematisch. Zum einen hat es diese Praxis nicht konsequent durchgehalten. Ohne den Vergleich mit dem Zulassungsantrag für das Pestizid ist es kaum nachzuvollziehen, was tatsächlich vom BfR und was von Monsanto stammt.

Das BfR sollte prüfen, ob gesundheitliche Gefahren der Wiederzulassung von Glyphosat entgegenstehen. Entsprechend wirkt es seltsam, wenn dabei seitenweise aus Industrie-Quellen zitiert wird – gerade an den Stellen, wo Studien betrachtet werden, die ja die Angaben der Industrie unabhängig bewerten. Mit anderen Worten: Monsanto darf selbst beurteilen, ob Studien, deren Ergebnisse Monsanto nicht gefallen, als glaubwürdig betrachtet werden. Für eine Gefahrenbewertung ist das eine Bankrotterklärung.

Mehr als 1,3 Million Menschen sind für ein Glyphosat-Verbot

Weiter im Text heißt es: „In der Kampagne von Campact und in vielen Medienberichten erscheint es so, als ob die Deutschen mit ihrer Sicht der Krebsgefahr isoliert dastünden“. Es fehlt die genaue Quelle. Aber die Erscheinung, dass die Deutschen in der Angst vor der Krebs-Gefahr isoliert seien, hat der Autor alleine. Belgien, Italien, Österreich, Frankreich sind gegen eine weitere langjährige Zulassung. Über eine Million Bürgerinnen und Bürger aus ganz Europa haben sich für ein Verbot ausgesprochen, weil die Krebs-Gefahr auch jenseits deutscher Grenzen Angst macht. Auch die Bundesregierung sollte sich in der EU nicht weiter enthalten. Ein Nein zu Glyphosat wäre angemessener.

Genau so angemessen wie ein sachliches Fazit des Wahrheitschecks, das auf Polemisches wie „völlig kritiklos“ und „heimlich“ zugunsten einer fundierten Schlussfolgerung verzichtet. Schade um den „Wahrheitscheck“.

6 Kommentare

  • von Helmut Hinsch

    Selbstverständlich bin ich auch für das Verbot Glyphosat weiter zu verwenden. Ich wundere mich über die Haltung von Frau Merkel, die vor der Wahl den Landwirten versprochen hat, sich weiterhin für die Verwendung von Glyphosat einzusetzen. Nach einem Fernsehbericht scheint es möglich zu sein, ohne Glyphosat gute Ernten zu erzielen, ohne dabei einen grossen Mehraufwand an Arbeit investieren zu müssen. Der Ackerboden soll dadurch gesünder sein und die schädlichen Auswirkungen auf das Insektenleben soll dabei unterbleiben. Ein jährlicher Wechsel der angebauten Früchte soll dafür notwendig sein.
    Wenn das so ist, müssen bei Frau Merkel andere Gründe für ihre Haltung vorliegen. Ein Grund könnte sein, dass die Bundesregierung tiefer in die Übernahme von Monsanto durch Bayer verstrickt ist, als Frau Merkel zugeben will.

  • von Matthias Reimann

    Es ist schon erbärmlich, daß auf 700Bundestagabgeordenete 856 Lobbyisten kommen.
    Deswegen dürfen wir Bürger nicht aufgeben und müssen weiter gegen die Wiederzulassung von Glyphosat kämpfen.
    Denn das Artensterben geht uns alle an. Nachweislich weis Monsanto seit den achzigern Jahren das Roundup Krebs verursacht.
    Ein amerikanischer Biochemiker hat eine interne Studie von Monsanto die bei der EPA eingereicht wurde angefordert. Die EPA ist die Amerikanische Umweltbehörde. Bei der Auswertung der Orginalstudie wurden die Krebsarten von Monsanto benannt. Ich empfehle jeden den Film Roundup der Prozess auf Arte in der Mediathek anzusehen. In diesem Film werden alle Fakten die gegen Glyphosat sprechen dokumentiert.
    1995 gab es auf deutschen Ackerböden noch ca. 100.000 verschiedene Samenarten. Durch den Einsatz von Glyphosat und anderen Herbiziden waren bei einer Studie von 2003 nur noch 100 – 200 Samenarten.
    Jetzt haben wir 2017. Monsanto und Co. Vielen Dank für die Zerstörung unserer Umwelt.

  • von Rainer Weffers Ofs

    Es wird wie beim Atom-Ausstieg laufen, die Kosten für den Abbruch von Verträgen zahlt der Steuerzahler. Neue Gesetze sind dabei gar nicht notwendig, denn beim kleinsten Verdacht auf Gesundheitsgefährdung greifen die notwendigen Maßnahmen. Eigentlich. Es sei denn man ist Politiker, Lobbyist und pflegt Seilschaften zu den „Überkonzernen“. Angeblich gibt es sie nicht, man spricht von Verschwörungstheorien. Aber wenn ein Pestizid in den Umlauf kommt trotz Bedenken, dann stinkt es gewaltig gen Horizont. Glyphosat darf nicht weiter zugelassen werden, auch nicht unter einem neuen Vertriebsnamen und gleichzeitig müssen das einjährige Saatgut, sowie die großflächigen Monokulturen, in die Tonne getreten werden. Neue Konzepte gibt es zuhauf, Demeter ist nur ein Beispiel. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

  • von Hans-Joachim Hauschild

    wen Glyphosat so gefärlich ist wie angenommen
    warum ist es noch nicht verboten aber in der EU
    mus so ein Verbot ein stimmig beschlossen werden
    wir haben zur Zeit eine amtierende Regierrung
    die sich nicht einnig ist und eine neue Regierrung ist
    nicht in sicht auf die Grünen würde ich mich nicht
    verlassen

  • Aller Protest ist ehrenwert und das war`s auch schon!
    Glyphosat wird wieder zugelassen den es gibt bereits ein bilaterales Abkommen nämlich CETA und eines ist gewiss sollte Glyphosat verboten werden werden, dem ich mich voll anschließe, aber Monsanto oder Bayer werden vor das Schiedsgericht ziehen und die EU zahlt die Zeche. Der größte Batzen bleibt an Deutschland hängen.
    Und das ist erst der Anfang, und unsere Politikdarsteller egal welcher Partei zugehörig wissen das und spielen das perverse Spiel mit es geht letztendlich um viel Geld und Macht und hat man daran gerochen lässt es keinen mehr los.
    Die Zeche zahlt der Steuerzahler, wir werden es erleben.
    Hoch lebe Europa.

    • von Jürgen Beneke

      Dennoch: wir wehren uns; die nächste Aktion läuft bundesweit in der Zeit von 21.11.-23.11.2017. Ort der Aktion:
      27793 Wildeshausen, Kreistagsbüro der CDU, Zwischenbrücken 5b, am 21.11.2017 von 10:00 Uhr bis 12:00 Uhr.
      Unsere Aktion: NEIN!……..keine weitere Zulassung für Glyphosat.

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Veröffentlicht von Felix Kolb

Dr. Felix Kolb, Jahrgang 1973, ist Politikwissenschaftler. Er promovierte an der FU Berlin über die politischen Auswirkungen sozialer Bewegungen. Nach der Beendigung seines Studiums beteiligte er sich als Pressesprecher am Aufbau von Attac. Zusammen mit Christoph Bautz gab er den Anstoß zur Gründung der Bewegungsstiftung. Er arbeitet als Geschäftsführer bei Campact.