Campact klagt auf Einsicht in geheime Glyphosat-Studien

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit weigert sich, Campact die Zulassungsanträge für glyphosathaltige Pestizide zur Verfügung zu stellen. Campact sagt: Schluss mit der Geheimniskrämerei - und klagt auf Herausgabe der Unterlagen.

von  Lina Gross 2 Kommentare

Glyphosat: Wie gefährlich sind die Gift-Cocktails?

Glyphosat ist schädlich – soviel ist klar. Doch die Pflanzenschutzmittel auf dem deutschen Markt könnten noch viel gefährlicher sein. Denn in vielen Pestiziden wird Glyphosat mit anderen Chemikalien gemischt. Die Nebenwirkungen dieser Gift-Cocktails sind weitgehend unbekannt. Wir wollten wissen: Was steht in den Studien der Hersteller? Aber das zuständige Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) weigert sich, sie herauszugeben.

Campact fordert Bayer, Syngenta und Co. heraus

Wir finden: Das Recht der Bürger*innen auf Umweltinformationen wiegt schwerer als das Geschäftsgeheimnis der Giftproduzenten. Deswegen ziehen wir vor Gericht – und fordern milliardenschwere Chemiekonzerne wie Bayer, Syngenta und Co. heraus. Wir müssen jetzt wissen, wie gefährlich die Glyphosat-Mischungen sind. Dutzende Glyphosat-Pestizide brauchen in diesem Jahr eine neue Zulassung.

Intransparentes Zulassungsverfahren

Glyphosat beschleunigt den Artenschwund und steht im Verdacht, Krebs zu erregen. Der Wirkstoff ist dennoch in der EU noch zugelassen. Das BVL muss prüfen, ob durch die Pestizide Gefahren für Mensch und Umwelt bestehen. Die Zulassung erfolgt auf der Grundlage der eingereichten Anträge, die mit Studien unterfüttert sind. Auf welche wissenschaftlichen Erkenntnisse sich die Hersteller berufen, bleibt intransparent.

Bienen und Schmetterlinge verhungern

Pro Jahr werden in Deutschland fast 5.000 Tonnen glyphosathaltiger Spritzmittel eingesetzt. Ein Riesengeschäft, das sich Agrarriesen wie Bayer/Monsanto, Syngenta oder Evergreen Garden Care nicht entgehen lassen wollen.

Was den Agrarkonzernen egal ist: Durch die Vernichtung von Disteln, Klee oder Löwenzahn finden Bienen oder Schmetterlinge keine Nahrung mehr. Das hat fatale Folgen für die Artenvielfalt.

Glyphosat-Verbot: Ein langer Kampf

Bei Glyphosat ist unser Vertrauen in Politik und Behörden dahin. Darum müssen wir jetzt selbst nachsehen. Die Gesetzesgrundlage dafür ist da. Das Umweltinformationsgesetz (UIG) soll uns Bürger*innen Zugang zu Informationen über unsere Umwelt geben: Abgase in den Städten, Wasserqualität, Lärmbelastung durch Flugzeuge.

Der Streit um die Unterlagen geht nun ins zweite Jahr. Am 19. März 2018 hat Campact beim BVL nach Herstellern und Produktnamen gefragt und die Herausgabe der Antragsunterlagen beantragt. Am 25. April hat die Behörde die Anfrage abgelehnt. Auch einen Einspruch gegen die Ablehnung wies das BVL am 10. Dezember endgültig zurück. Doch der Weg der Klage steht Campact frei.

Seit Jahren fordert Campact ein Verbot des Ackergiftes und hat zum Beispiel die Europäische Bürgerinitiative gegen Glyphosat maßgeblich vorangetrieben. Zurzeit fordern über 380.000 Menschen, dass Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) keine weiteren glyphosathaltigen Pestizide zulässt.

2 Kommentare

  • Ist ne schwierige Sache und stinkt zum Himmel wünsche auch viel Erfolg !

  • von Hans-Joachim Hauschild

    In der Sachlage habt Ihr recht das Glypohsat gefärlich ist
    ob Ihr das Recht habt auf Akteneinsicht mag ich bezweifeln,
    den das Recht haben nur Rechtsanwälte wen man will das
    Pestizide verboten werden sollen,mus man auch sagen
    welche Alternativen es gibt wie man ohne Pflanzengifte
    arbeiten kann es ist richtig das der Bestand von Insekten
    zu rück gegangen ist, liegt nich nur an der Verwendung
    von Pflanzengiften,sondern auch weil manche Hausbesitzer
    ihre Vorgärten mit Steinen zu Flastern
    ich wünsche Euch viel Glück bei der Klage.

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Veröffentlicht von Lina Gross